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Kurt Pippig aus Linz (1938 - 2019): sportlicher Unternehmer der Sonderklasse

Es war der Sport, der das Leben von Kurt Pippig antrieb, obwohl der als Gründer und Kopf des gleichnamigen Optikunternehmens ganz sicher jede Menge anderer Aufgaben hatte. Für den geborenen Baden-Württemberger hatte beides nebeneinander Platz. Zunächst war es natürlich die Ausbildung. Als jüngstes von fünf Kindern einer alteingesessenen Uhrmacherfamilie nahe Heidelberg lernte er den Beruf, den schon sein Urgroßvater erfolgreich ausgeübt und die Aufziehkrone bei Taschenuhren erfunden hatte, um sich anschließend ganz auf die Augenoptik zu konzentrieren. Nach Lehr-Stationen in Heilbronn und Köln meldete sich für den jungen Meister aber bereits wieder der Sport. Beruflich anfangen wollte der begeisterte Schifahrer nämlich irgendwo in den Bergen, geworden ist es Linz an der Donau. Während seiner letzten Ausbildungsjahre bei der Firma Gumpelmayr knüpfte Pippig bereits intensive Kontakte zur Sport- und Gesellschaftsszene. So war er bald Mitglied der damaligen Presse-Fußballmannschaft als Team-Kamerad des ehemaligen OÖN-Sportchefs Leo Strasser und absolvierte mit ihm manches Vorspiel von Ländermatches der Nationalmannschaft. Auch das Tennis kam nicht zu kurz, so lernte er dabei seine spätere Frau Friederike kennen, mit der er bis zu ihrem Tod 2016 über 60 Jahre verheiratet war. Weitgehend mittellos wagten die beiden 1957 mit einem kleinen Uhrengeschäft in der Linzer Herrenstraße den Sprung in die Selbständigkeit. Der Erfolg der beiden tüchtigen und bestens vernetzten jungen Leute ließ nicht lange auf sich warten. Das Geschäft florierte und privat wurden ihnen zwei Buben geschenkt, wobei: „Tag und Nacht an der Arbeit, die Wohnung viel zu klein, das Kind konnte nur zwischen Tür und Angel versorgt werden“, wie Kurt Pippig selbst einmal niedergeschrieben hat. Um den Kindern die damals schlechte Linzer Luft zu ersetzen, schauten sich die Pippigs nach einer Bleibe im Mühlviertel um, fanden sie in Gramastetten und wurden zu „Zuagroasten“ mit Leib und Seele. Kurt Pippig, der sich nach und nach auch die oberösterreichische Sprache angewöhnte, war auch dort der geborene Vernetzer, sammelte Granitgrander und Tramdecken und entdeckte sein Leibgetränk, den Most. „Papa schloss Freundschaften unabhängig vom Status oder von der politischen Zugehörigkeit. Für ihn zählte, wer ein klasser Bursch war“, sagt Sohn Klaus. Das zeigte sich auch am Tennisplatz. Pippig spielte bei allen politischen Vereinen, auch mit Ex-Vizekanzler Hannes Androsch. Seine Erinnerung: „Kurt hat sich am Leben und am Spiel erfreut. Er war ein sehr geselliger und sympathischer Mensch.“ Sein kleines Geschäft in der Herrenstraße war inzwischen zu Pippig United Optics mit mehreren Filialen angewachsen, mit 60 übergab er das Unternehmen an seine beiden Söhne Klaus und Rainer, alle beide so wie er inzwischen eingefleischte Gramastettner. „Unser Vater konnte sehr gut loslassen, er gab seinen Rat nur auf Anfrage“, sagt Sohn Klaus und sieht den Grund für den gelungenen Rückzug des Vaters wieder in dessen sportlichen Aktivitäten. Eine enge Beziehung baute Opa Kurt natürlich zu seinen vier Enkeln und den beiden Urenkeln auf, indem er mit ihnen oft schwamm oder golfte. Am Ende des letzten Jahres besuchte Kurt Pippig noch die Weihnachtsfeier der Firma, gern ließ er sich zum 90-er gratulieren. Eine Verkühlung setzte dann aber vor wenigen Tagen seinem reichen und erfüllten Leben ein Ende.



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