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  • bert brandstetter

KR Franz Rieseneder aus Linz/Urfahr (1923 - 2020): Ein industrielles Urgestein

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Welt des Ziegelfabrikanten Rieseneder noch heil. Er betrieb mit ursprünglich fünf Ziegeleien am Fuß des Pöstlingbergs die älteste Ziegelfabrik Oberösterreichs, die mit dem Bau eines hochmodernen Ringofens 1920 den Sprung zur Industrialisierung geschafft hat. Firmen- und Familiensitz war ein Bauernhaus aus dem Jahr 1111 samt einer wunderschönen Kapelle aus dem Jahr 1845. Dann kam der Krieg. Bomben hatten die Ziegelei samt Wohn- und Bauernhaus zerstört, vor allem aber: Zwei der drei Rieseneder-Söhne waren gefallen. Auch Franz entkam nur knapp dem Tod und wurde zweimal verwundet. Frankreich, Russland und Deutschland waren seine Einsatzländer. Der englischen Kriegsgefangenschaft in Deutschland entzog er sich durch eine abenteuerliche Flucht heim nach Linz. Ob er wollte oder nicht, hatte Franz dort den Betrieb zu übernehmen. Das vor dem Krieg begonnene Wirtschaftsstudium musste er aufgeben. Zwei Schwestern gingen andere Wege. Seine erste Entscheidung war, nicht das Wohnhaus, sondern das Ziegelwerk wieder aufzubauen. So konnte bereits 1946 der Baustoffhandel für den Wiederaufbau im Land gestartet werden. 1949 heiratete er seine Martha, eine Frau, die ihn bereits als Kriegsverwundeten umsichtig gepflegt hatte. Martha war sein guter Stern bis zu ihrem Tod 2010, davon sind alle überzeugt, die sie und ihren Franz erlebt haben. Als die Lehmvorräte in Urfahr zu Ende gingen, errichtete Franz Rieseneder ein Ziegelwerk in Ottensheim, später übernahm er ein altes Werk in Pregarten und er engagierte sich auch intensiv in der Baubranche. „Er war ein überzeugter Ziegler“, sagt sein ehemaliger Mitbewerber Christoph Leitl, „Franz Rieseneder war sehr großzügig zu seinen Mitarbeitern und zur Caritas“. Sein großes Hobby war die Jagd. In Rosenau am Hengstpass stand sein Jagdhaus, das er immer wieder seinen vielen Gästen öffnete und in dem er ihnen genauso wie in seinem Bauernhaus in Urfahr die allerbesten Trophäen und eine Auswahl der vielen Ehrungen präsentierte, die er in all seinen Jahren geschossen und erhalten hatte. Anwesend dabei war selbstverständlich immer der Jagdhund der Rieseneders. Freude machte ihm weiters die Fischerei. Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck konnte daraus einst eine fünf Kilo schwere Forelle aus dem Dambach bei Windischgarsten ziehen. Größten Wert legte Rieseneder, inzwischen zum Kommerzialrat ernannt, auf die Pflege der hauseigenen Kapelle, aber auch auf deren Nutzung im Mai oder zu Fronleichnam. Einmal im Jahr zog es Rieseneder mit seiner Frau hinaus in die große weite Welt: „Wir haben alles besucht, was auf dieser Welt sehenswert ist“, erinnert sich Frau Kröpfl, wie die Reiseleiterin Annemarie Richard von der Raiffeisen-Reisewelt damals hieß. „Franz Rieseneder war ein Herr, wenn es darauf ankam“, sagt sie und sieht vor sich den elegant gekleideten Franz beim Abenddinner irgendwo in einem mondänen Hotel. Zugleich erinnert sie sich auch an ihn, wie er im Bus den Reisekollegen „zum Zerkugeln“ Witze erzählte. Eigentlich aber war Rieseneder ein bescheidener und recht sparsamer Mensch, sagen seine Bekannten. Seinen Betrieb musste er länger führen als er wollte. Ein für die Übernahme vorgesehener Neffe starb bei einem Bergunfall in den Anden, Franz musste die Pension verschieben. Erst nachdem er das Unternehmen in eine Stiftung umgewandelt und an die Leitl-Werke verkauft hatte, konnte er sich ganz seiner Freizeit widmen. Abgesehen von manchen Kaffeehausbesuchen, die er im Rollstuhl sitzend und von einem Freund begleitet genoss, verbrachte er die letzten Jahre sehr zurückgezogen. Die Trauerrede bei seinem Begräbnis hielt sein einstiger Mitbewerber, Firmenübernehmer und „väterlicher Freund“ Christoph Leitl.



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