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Konsulent Max Steiner aus Vöcklabruck (1929 - 2021): Ein Tausendsassa aus dem Salzkammergut

„Geht net, gibt’s net“. Diesen Spruch hörte man von Max Steiner immer wieder. Er zieht sich durch sein ganzes Leben und er hat ihn in vielen Situationen wahrgemacht. Als Kind musste er früh seine Mutter verlassen und er nahm keinen psychischen Schaden dadurch. Beruflich musste er zahlreiche Rückschläge hinnehmen und trotzdem gab er nie auf. Er kannte keinen Noten und dennoch wurde er gefragter Spielmann im Salzkammergut. Seine Mutter hatte 16 Kinder, Max war das Vierzehnte. Als Max sechs war, starb der Vater. Die Mutter musste den Großreiterer-Hof in St. Thomas am Blasenstein versteigern und die meisten Kinder zu Bauern in den Dienst geben, weil die neue Bleibe viel zu klein war. Max kam zu einem kinderlosen Ehepaar als Hüterbub. Nach der Schule wurde er Wagner, unterbrochen von einer dreiwöchigen Grundausbildung ganz am Ende des 2. Weltkriegs. Die Auftragslage war aber zu schlecht, um bei seinem Lehrherrn weiter zu arbeiten. Über eine Zeitungsannonce fand Max für ein Jahr Arbeit in Pichlern bei Sierning, wo er mit der Schi-Erzeugung in Kontakt kam. Nach einem Zwischenstopp bei einem anderen Wagner in seiner Heimat Bad Zell landete Steiner für ein paar Monate als Gutshandwerker in Thalheim bei Wels. Danach ging es erstmals nach Vöcklabruck zum Tischler Dorfner, der Rodeln herstellte. Leider blieb genau in diesem Jahr der Schnee aus und Steiner stand knapp vor Weihnachten wieder ohne Arbeit da. Länger beschäftigt war er anschließend als Erzeuger von Holzstöckeln in Schörfling, bevor er nach sieben Jahren zu den Eternit-Werken nach Vöcklabruck wechselte, wo er 18 Jahre lang als Kesselwärter gebraucht wurde. Seine letzte Dienststelle fand er bis zur Pensionierung 1989 als Bautischler. Seine Heimat war seit den 1950-er Jahren Vöcklabruck, wo er 1955 Margarete, die Tochter seines Vermieters geheiratet hatte. Drei Söhne und eine Tochter wurden zu seinem Ein und Alles. Max Steiner lebte seit 1950 sozusagen aber auch in einer anderen Familie: im Trachtenverein „D`Waldhörnler“. Sehr rasch erkannten die Tänzer Steiners Qualitäten auf der Steirischen und er wurde für 66 Jahre ihr Spielmann, ohne auch nur eine einzige Note zu kennen. Funktioniert hat das wegen seines außerordentlich guten musikalischen Gehörs. Die erste Quetschn schenkte ihm ein Bauer aus Bad Zell, dessen Sohn aus dem Krieg nicht mehr heimgekommen war, mit den Worten: „Lern du das Spielen recht gut!“. Später war eine zweireihige „Hohner-Lilipu“ sein Lohn für das Hüten der Kühe. Dann kaufte er sich um 900 Schilling eine damals schon vierreihige „Novak“, die heute mit 120 Jahren noch in tadellosem Zustand ist. Mit dieser bespielte Max nicht nur seinen eigenen Verein, sondern bald alle möglichen anderen Volkstanzgruppen, „weil er es so geschickt verstand, sich auf das Tanztempo einzustellen“, wie Elfriede Schweikardt von den Waldhörnlern sagt, die wie so viele andere von Max Steiner das Spiel auf der Steirischen gelernt hat. „Max hat gebrannt vor Energie“, sagt sie, „er hatte eine unglaublich ansteckende Lebensfreude und er war nie grantig“. Ging einmal musikalisch etwas daneben, war seine Reaktion ein Schmunzeln. Neben seinen eigenen Auftritten als Spielmann organisierte er Sänger- und Musikantenstammtische und war selbst viele Jahre Stütze im Tenor der Kolping-Sängerrunde. Kolping bedeutete ihm viel, die bis heute bestehende Verbindung von Kolping und dem Trachtenverein wird als sein Verdienst angesehen. Steiners Qualitäten haben sich bald über das Salzkammergut hinaus durchgesprochen. In vielen Aufnahmen des ORF Oberösterreich spielt Max die Steirische und der Präsident des Forums Volkskultur, Herbert Scheiböck nennt ihn „einen legendären Musiker durch und durch, vor allem aber war er ein lieber Mensch mit Gmiat“. Geht net, gibt’s net, sagte Max oft auch, wenn Handwerkliches von ihm verlangt wurde. Sei es ein neuer Messergriff für eines der Kinder oder 10 Enkel, sei es ein Mühlrad oder ein Spinnrad, ein Bilderrahmen oder eine Gartenhütte, ja sogar Drahtgestelle für die Goldhaubenfrauen kamen aus seiner Hand. Manch einer erfuhr sogar den Genuss von Bauernkrapfen und Zirbenschnaps, auf deren Herstellung sich Max ebenfalls bestens verstand. Der Max konnte alles und er gab sein Wissen gerne weiter. Einmal im Jahr machte er mit seiner Greti Urlaub, da ging es mit fünf befreundeten Paaren zum Camping an den Klopeinersee. Mit dabei die Quetschn, mit der er den halben Campingplatz unterhalten habe, wie Tochter Margit Spiesberger erzählt, die sich in den letzten Jahren nach dem Tod seiner Frau 2007 sehr um den Papa gekümmert hat. Als die Zeit kam, wo er nicht mehr mit der Steirischen spielen und mit dem Auto fahren konnte, legte er sich ein kleines elektrisches Gefährt zu, um mobil zu sein. Er liebte es, damit zu den Stammtischen, in die Kirche oder zum Einkaufen zu fahren, gemäß seinem Lebensmotto „Geht net, gibt’s net.“. Hochdekoriert mit zahlreichen Auszeichnungen und dem Titel „Konsulent“ ist Max Steiner friedlich eingeschlafen.




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