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  • bert brandstetter

KonsR. Karl Six aus Unterach (1933 - 2020): Ein geistlicher Brückenbauer

In früheren Jahren konnte man den Pfarrer von Unterach durchaus manchmal in eine heftige Schneeballschlacht mit seinen Ministranten verwickelt sehen. Im Sommer wiederum hockte er mit ihnen gerne um ein Lagerfeuer und grillte Knacker. Auf seine große Ministrantenschar war Karl Six mächtig stolz und es machte schon etwas her, wenn er an Feiertagen hinter 50 jungen Leuten in die Kirche einzog. Eine feierliche Liturgie war dem Pfarrer sehr wichtig, „er verstand es richtig gut, große Feste zu feiern“, bestätigt Bürgermeister Georg Baumann die Bemühungen des langjährigen Unteracher Pfarrers. In der Kirche pflegte Six die Dinge immer und mehr als deutlich beim Namen zu nennen. An seine Predigten konnte man sich anhalten, „Six war weltoffen und kritisch, oft auch ziemlich kirchenkritisch“, erinnert sich Thomas Lohninger, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. In seiner Pfarre kam Karl Six mit seiner kritischen Haltung gut an, „bei uns gibt es 150 Ehrenamtliche, die sich für die Pfarre engagieren. Six hat uns durch seine Predigten geholfen, über den Gartenzaun zu schauen, weshalb die Spendenfreudigkeit für überdiözesane Projekte bei uns oft weit über dem Schnitt lag“, sagt Lohninger. Pfarrer Six saß aber auch der Schalk im Nacken. Sein Schmäh gilt als legendär und im Fasching blühte er regelrecht auf. Am Vormittag erzählte er am Faschingsonntag einen seiner berühmten Witze, am Nachmittag nahm er verkleidet am Faschingsumzug teil, erinnern sich die Unteracher an ihn als besonders lustigen Mitbürger. Dabei ist Six erst 1969 nach Unterach gekommen, er war damals 36 Jahre alt. Erfahrungen in der Seelsorge sammelte er zuvor in Ternberg, Garsten und Ried im Innkreis. In Unterach sah er sich mit vielen Sommerurlaubern konfrontiert. Zu ihnen wollte er die Hand ausstrecken, er begann sie in den Zweitwohnungen oder Campingzelten zu besuchen und freute sich, die eine oder andere Familie später in der Kirche zu sehen. „Karl, der wie ich aus Gampern stammte und zu einem guten Freund wurde, verstand es bestens, Kontakte aufzubauen, auch zu kirchenfernen Personen“, sagt Ernst Wageneder, der Pfarrer von Mondsee. Einen Brückenbauer heißt man Six in Unterach, weshalb man ihn zum Ehrenbürger ernannte. In Gampern hielt man schon immer große Stücke auf Karl Six. In der Ortschaft Stein war er das sechste von neun Kindern und die Eltern schickten ihren begabten Buben ins Petrinum nach Linz, wo er sich als „guter Schüler und begabter Linkshänder im Faustballspiel“ auszeichnete, wie sich sein Klassenkamerad, der spätere Salzburger Universitätsdirektor Raimund Spruzina, erinnert. Aber noch etwas war ein Markenzeichen von Six: „Der Charly war sehr sozial. Immer wieder teilte er Brot oder Speck mit mir, was er von daheim bekommen hat“. Seine große Verwandtschaft mit den 31 Nichten und Neffen bedeutete Six sehr viel. „Wir hatten so viel Gaudi mit ihm, und er verwöhnte uns gern mit Schokolade“, schwärmt Veronika Six von ihrem Onkel. Hatte ein Verwandter Geburtstag, war ihm ein Anruf oder ein Schreiben von Onkel Karl gewiss. Privaten Rückhalt fand der angesehene Pfarrer in seiner „guten Seele“ Rosi Steinbichler. Sie ist als Erste auf der Parte erwähnt und sie war seine Ansprechpartnerin und Betreuerin, vor allem auch zuletzt, als es körperlich schwer wurde nach einer missglückten Knie-Operation vor drei Jahren. Rosi Steinbichler schaute täglich zu ihm in den Pfarrhof, wo er auch nach seiner Pensionierung 2004 weiter wohnte und von einem Pfleger betreut wurde. Aber ohne Rosi, so die übereinstimmende Überzeugung in Unterach, hätte Karl Six sicher in ein Heim übersiedeln müssen.




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