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Kons. Stephan Jungwirth aus Traun (1945 - 2021): Schwimmclub, Computer, Politik und Kirche

Für seine drei Töchter war er ein Papa zum Aufschauen. Einer, der sehr viel konnte und möglichst alles selbst in die Hand nahm. „Wir haben viel von ihm gelernt und ihn recht intensiv erlebt. Er war immer für uns da, auch wenn er häufig beruflich unterwegs war und sich auch privat viel engagierte. Unsere gemeinsamen Urlaube haben wir oft in anderen Ländern verbracht“, erinnert sich Tochter Gisela. Selbstverständlich waren auch viele Stunden im Schwimmbad ein gemeinsames Thema, aber das berührt ja bereits den „Zweitberuf“ von Stephan Jungwirth. Er war erst 30 und noch gar nicht so lang in Traun, als er den 1. Union Schwimmclub Traun gründete und ihn 42 Jahre lang als Obmann führte. Das Motiv dafür lieferte er in einem Interview, als er 2012 zum Konsulenten für das oö. Sportwesen ernannt wurde: „Ich halte Sport und Bewegung als sehr wichtig für die Menschen in allen Altersstufen, aber ganz besonders für Kinder und Jugendliche. Kinder lernen im Verein, dass Leistung und Training auch Spaß machen kann“. Das lebende Beispiel für diese Position war Jungwirth selbst: „Stephan war ehrgeizig, zielstrebig, und ein gutes Miteinander war ihm wichtig“, sagt sein Freund Herbert Kuri, der mit ihm schon in Zeiten der katholischen Arbeiterjugend Seite an Seite stand und der sich von Stephan auch überreden ließ, so wie er bei IBM anzufangen. „Nett und gemütlich“ empfand ihn Josef Breitschopf, mit dem Jungwirth in seiner Jugendzeit im Lehrlingsheim Don Bosco ein Zimmer teilte. „Der Stephan war aber damals schon die halbe Zeit auf Schulungen unterwegs und im Dekanat als Jugendführer aktiv“. Kolping, wo die beiden später wohnten, sind sie treu geblieben. Dass auf diesen Stephan Jungwirth Verlass ist, wurde wahrgenommen: Schon mit 17 war er „Präsident des Jugendrates“ im damals größten Linzer Jugendheim, außerdem hatte er als Mitglied im Diözesanführungskreis der KAJ Sitz und Stimme. Bei der KAJ hat er auch seine zukünftige Frau Marianne kennengelernt, sie heirateten 1971, ließen sich in Traun nieder und wiederum dauerte es nicht lang, bis Stephan im Pfarrgemeinderat und später für die ÖVP im Gemeinderat und 30 Jahre in der Trauner Parteileitung saß. „Kritisch, aber immer um Konsens bemüht“, beschreibt Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer seinen Freund und Kollegen aus KAJ-Zeiten. „Er hat alles hinterfragt, aber auch angepackt“, lobt Pühringer die Eigenschaften seines Freundes, mit dem er des Öfteren Pfarrwallfahrten bestritten hat. Beruflich konnte Stephan Jungwirth seine Fähigkeiten bei IBM einbringen. Begonnen hat seine Laufbahn mit den ersten legendären Lochkarten-Rechner, die bei einer Rechenleistung von acht Kilobyte ganze Räume ausfüllten. Später unterstützte er Firmen beim Aufbau von komplexen Betriebssystemen. Internationale Meetings, Konferenzen und ständige Fortbildungen gestalteten seine Tätigkeit besonders abwechslungsreich. So kam es, dass er nach eigener Zählung vier Jahre seines Lebens beruflich im Ausland verbrachte. Die Wiege von Stephan Jungwirth stand im ungarischen Isztimer. Mit hunderten anderen deutschstämmigen Personen musste seine Mutter mit dem dreijährigen Stephan fliehen, über Leipzig kamen sie nach Hörsching. Mit viel Ehrgeiz machte Stephan eine Ausbildung für Elektronik und Regeltechnik. Reisen und andere Kulturen kennenzulernen war ihm neben all seinen Aktivitäten immer wichtig: Südamerika, Japan, der Jemen, Myanmar oder zuletzt Usbekistan blieben ihm unvergessen. Und auch sein Prinzip, persönlich in Bewegung zu bleiben, verfolgte er, bis es seine Krebserkrankung nicht mehr zuließ. Mit Freunden wie Werner Lang machte er gerne ausgedehnte Radtouren. Tennis, Turnen oder Gymnastik durften ebenfalls nicht fehlen. Seine optimistische Lebenseinstellung half ihm die erste Krebsdiagnose vor knapp 9 Jahren gut zu überstehen. Er schätzte die Zeit mit Familie und Freunden. Leider war der zweite Krankheitsschub heftiger. Stephan Jungwirth, um den neben seiner Gattin Marianne die Familien der drei Töchter und die sieben Enkel trauern, wird am Freitag, 9. April im kleinen Kreis verabschiedet.




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