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Kons. Johann Panhofer aus Mauthausen (1932 - 2021): Dankbar für viele Chancen des Lebens

Als er mit 60 in Pension ging, startete Johann Panhofer eine Phase, die er sich für sein ganzes Berufsleben erträumt hatte. Die frei gewordene Zeit investierte er mit all seiner Energie und seinem bekannt ausgeprägten Organisationstalent in die Mauthausener Heimatforschung. Jedes Marterl wurde dokumentiert und wenn nötig gleich auch saniert. Zehn Jahre war er für das Heimatmuseum verantwortlich. Mit seinem Freund Sepp Stummer leistete er dem Autor des 2013 erschienen Heimatbuches, Willibald Katzinger, wertvolle Zuarbeit. „Ihre Recherchen für das Heimatbuch waren legendär“, sagt Karl-Heinz Sigl, der aktuelle Obmann des Heimat- und Museumsvereins von Mauthausen. Unzählig nennt Bürgermeister Thomas Punkenhofer die ehrenamtlichen Einsatzstunden von Johann Panhofer für das Heimatmuseum Schloss Pragstein und dessen Bemühungen, eine Landesausstellung zum Thema Steinarbeit nach Mauthausen zu bringen. Noch ist das zwar nicht gelungen, man werde die Initiative aber fortsetzen, verspricht der Bürgermeister. Zur Steinindustrie hat Panhofer eine ganz besondere Beziehung. 1959 fand er in den Poschacher Natursteinwerken Arbeit, wo er auch als Angestellten-Betriebsrat ein Vierteljahrhundert lang, 16 Jahre als Obmann, wichtiger Partner der Geschäftsführung war. „Sein Chef war noch mein Vater Leopold“, erinnert sich Leonhard Helbich, „von dem weiß ich noch, dass man den Panhofer jederzeit in allerhöchsten Kreisen verhandeln lassen konnte“. Für die Belegschaft engagierte er sich im ÖGB im Fachausschuss für die Stein- und keramische Industrie und betätigte sich in Streitfällen als Laienrichter am Arbeitsgericht. Sein Einsatz für die Kollegen endete nicht mit der Pensionierung. Im Poschacher-Pensionistenklub organisierte Hans monatliche Ausflüge, die er selbst penibel genau vorbereitete, oft durch private Recherche-Fahrten zum jeweiligen Ziel. Reisen waren das ganz besondere Steckenpferd Panhofers: „Er war auf jedem Kontinent und hat jede dieser Fahrten zuvor genau studiert“, sagt Gattin Rosa, die auf das mit Büchern übervolle Wohnzimmer ihres Mannes verweist, wo er seine Studien betrieben hat. Früher nahm die ganze Familie mit Frau und den vier Kindern das Firmenangebot in Anspruch, in Jesolo günstig zu urlauben. „Da sind wir natürlich nach Venedig gefahren“, erzählt Sohn Johannes. „Während Vater vom Dogenpalast und dem Maler Caravaggio begeistert war, waren wir Kinder natürlich mehr an einem kühlen Eis interessiert“. Und seine Mutter ergänzt mit noch immer aufgeregtem Herzen, dassim großen Touristenwirbel für kurze Zeit einmal sogar Tochter Monika verloren gegangen war. Reisen nach Israel und Lourdes ergänzten die Reisefreudigkeit ihres Mannes, der sich ansonsten besonders gern seiner großen Familie mit den neun Enkeln und vier Urenkelkindern widmete. Das leibliche Wohl bei jeder Familienfeier war ihm ein großes Anliegen. Sich um andere zu kümmern war die große Überschrift über Panhofers Leben, das in Waldhausen als Sohn eines Schuhmachers begonnen hat, der nach Saxen übersiedelt war, um bessere Geschäfte machen zu können. Als Ältester übernahm er schon früh die Aufsichtspflicht über seine vier jüngeren Geschwister, was nicht immer gut ging. Unvergessen bleibt in der Familienchronik der Vorfall, als Hans zu wenig auf die über dem Ofen aufgehängten Windeln seiner Geschwister achtete und sie Feuer fingen. Kein Murren gab es, als er immer wieder nach Schönau marschieren musste, um seiner Oma bei der Kartoffelernte zu helfen. Lebensentscheidend war für ihn dann der Krieg ab 1944. Der Vater wurde eingezogen und kam drei Jahre später mit TBC zurück. Um die Familie zu ernähren, musste Hans wohl oder übel das Schuhmacherhandwerk erlernen und er war mit 19 der jüngste Meister Oberösterreichs. Sein Wunschberuf war das aber nicht. Doch erst 1959 konnte sein jüngerer Bruder Karl den Betrieb übernehmen. Hans heiratete seine Rosa und fand Arbeit im Außendienst bei Poschacher in Mauthausen, wo er sich mit seiner Familie auch privat niederließ. Unvollständig wäre sein Porträt ohne die Erwähnung seiner Aktivitäten in der Pfarre, speziell für den Kindergarten, wofür er ganze Urlaube opferte, wie Tochter Monika weiß. Das geistige Rüstzeug bezog er aus der Katholischen Aktion und dem Kontakt zum damaligen Präsidenten Eduard Ploier in Puchberg. Beklagt habe sich Johann Panhofer nie über die Überfülle an Aktivitäten, ganz im Gegenteil: In seinen privaten Aufzeichnungen fand die Familie den Schlüssel dafür. Es waren weder der Ehrenring von Mauthausen, noch auch der Titel Konsulent, worüber er sich sehr freute, sondern ganz einfach: „Dankbar sein für die Chancen des Lebens“.



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