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  • bert brandstetter

Kons. Anna Ebner aus Waizenkirchen (1934 - 2020): Tragende Säule der Goldhaubenfrauen

„Sie wollte es allen Leuten recht machen, und das hat sie auch geschafft“. So beschreibt Anneliese Ratzenböck, ihre ehemalige Bezirksobfrau der Goldhauben, Anna Ebner. In besonderer Erinnerung ist der damaligen Landesobfrau das Engagement von Anna Ebner für weißrussische Kinder, die in Waizenkirchen zur Erholung untergebracht waren. „Anna kümmerte sich ganz großartig um sie“, lobt sie Ratzenböck. Dass Anna Ebner 1999 zur Konsulentin für Volksbildung und Heimatpflege ernannt wurde, dürfte darin begründet sein, aber auch in dem Umstand, dass sie für die Goldhaubenfrauen auf Bezirksebene Verantwortung trug. In Waizenkirchen machte Anna Ebner überdies mit ihrer Stimme auf sich aufmerksam. Im Kirchen- und im Kienzlchor sang sie regelmäßig mit, später dann in jenem Chor, der sich auf Auftritte im Altenheim und bei Begräbnissen konzentrierte. Frau Ebner war dort mit Leib und Seele dabei und „überall als herzliche Frau bekannt“, wie der Obmann des Kienzlchores, Johann Zimmerer bestätigt. Als „sehr lustig und freundlich“ behält sie Hubert Mairinger, der frühere Seniorenbundobmann in Erinnerung, der als Gemeindepolitiker öfter im Hause Ebner zu tun hatte, weil Annas Gatte Hans nicht nur Hauptschuldirektor, sondern ebenfalls Ortspolitiker war. Weniger bekannt ist in Waizenkirchen der Weg, den Anna Ebner gehen musste, bis sie dort 1959 sesshaft wurde. 1934 kam sie als Anna Hauk im heute kroatischen Vinkovci zur Welt, wenige Kilometer von Vukovar entfernt, wo viele Jahre später ab 1991 grauenhafte Schlachten toben sollten. Anna erlebte im eigenen Haus ihrer Eltern, Mitglied der Donauschwaben, eine unbeschwerte Kindheit. Die Mutter war Schneiderin, der Vater Polizeioffizier. Der 2. Weltkrieg setzte der Beschaulichkeit ein abruptes Ende. Die Familie fühlte sich nicht mehr sicher und dem Vater gelang es, seine Frau und die beiden Kinder in die Obersteiermark zu verschicken. Während er selbst 1945 erschossen wurde, lebte seine Familie bis zum Kriegsende in St. Peter bei Leoben, um nach dem Krieg wieder nach Vinkovci heimzukehren. Doch das damalige Jugoslawien verweigerte den Donauschwaben die Aufnahme, was eine schreckliche Odyssee zur Folge hatte. Ohne recht zu wissen, wohin, folgten tagelange Fußmärsche und endlose Bahnfahrten über Jugoslawien, Ungarn, Tschechien bis Ostdeutschland. In einem Flüchtlingslager an der Ostsee verstarb Rudi, Annas kleiner Bruder an den Folgen der Unterernährung und der fürchterlichen sanitären Zustände in diesem Lager. Der Mutter reichte diese Erfahrung, sie floh von Schleswig-Holstein nach Bayern, wurde illegal nach Österreich eingeschleust und brach sich dabei zu allem Unglück das Bein. Während sie in ein Linzer Krankenhaus gebracht wurde, schlug sich die zwölfjährige Anni zu ihren Großeltern nach Hilkering durch, die dort bereits Fuß gefasst hatten. 1948 beendete Anni ihre Schulpflicht, ausnahmlos mit „sehr gut“ im Zeugnis, sodass sich eine weiterführende Schule angeboten hätte, wie der Schuldirektor und der Pfarrer meinten. Doch der Mutter fehlte es am Geld. Anna absolvierte noch die Externistenprüfung für Hauptschulen, wurde diplomierte Fürsorgerin und trat 1954 ihren Dienst bei der Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen an. Schon damals interessierte sich Anna stark für die Musik. Bei einer der vielen Proben lernte sie Hans Ebner, einen jungen Hauptschullehrer kennen und lieben. 1958 wurde in Grieskirchen geheiratet, ein Jahr später übersiedelte das junge Paar nach Waizenkirchen, der neuen Wirkungsstätte von Hans. Ab der Geburt ihres Sohnes Johannes widmete sich Anna Ebner ausschließlich ihrer Familie und den sozialen und kulturellen Gruppen. „Meine Mutter war ein wunderbarer Mensch, sie kochte hervorragend und war immer für mich da“, sagt Sohn Johannes, Hofrat in der Bildungsdirektion. Mit dessen Frau und den beiden Kindern pflegte sie das denkbar beste Einvernehmen. Im vergangenen Sommer ereilte Anna ein schwerer Schlaganfall, der die häusliche Pflege unmöglich machte und ihre Übersiedelung in das Altenheim von Waizenkirchen erforderte. Eine Infektion durch das Coronavirus, verbunden mit einem weiteren Schlaganfall beendete das Leben und die 62 Jahre dauernde Ehe von Anna Ebner.



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