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KommR Ing. Leopold Krenn aus Steyr (1936 - 2020): Manager mit großer Herzenswärme

Mit 21 Jahren klopfte Leopold Krenn als landwirtschaftlicher Gehilfe im Linzer Kolpinghaus an und bat um Aufnahme für sein Maturastudium an der damaligen Arbeitermittelschule an der Spittelwiese. Gefunden hat er dabei eine zweite Heimat und eine lebenslange Beziehung zur großen Kolpinggemeinschaft. Von einem Bergbauernhof in Maria Neustift war er gekommen als viertes von fünf Kindern, der nicht viel mehr kannte als harte Arbeit, war doch der Vater bald verstorben und die Mutter alleine auf dem Hof. Leopold hatte gerade sein Fernstudium der Elektrotechnik aufgenommen, wohnte in Untermiete und arbeitete zunächst als Elektriker bei der Firma Kagerer. Seine Aufnahme in die Kolpingfamilie öffnete ihm eine völlig neue Welt. Eine herzliche Gesinnungsgemeinschaft, neue Freunde und viele gemeinsame Veranstaltungen unter einem katholischen Dach: Das entsprach so ganz dem Weltbild des Leopold Krenn. 1963 heiratete er seine Steffi, die er schon seit Jugendtagen kannte. Die junge Familie mit inzwischen zwei Kindern wohnte in der Linzer Stadtpfarre, besuchte eifrig das Pfarrcafe, blieb aber der Kolpingfamilie und deren vielen Aktivitäten treu.

Tüchtig wie Leopold war, schaffte er 1968 den Sprung zum Mitglied der Geschäftsleitung. Eine wichtige Kontaktperson von damals war Betriebspfarrer Hans Gruber, der überrascht war, „wie ein tüchtiger Mann der Wirtschaft wie Leopold Krenn privat so locker und lustig sein kann“. 1975 ereilte Krenn dann die Chance, in den Steyr-Werken die Traktorensparte als Geschäftsführer zu übernehmen. „Das war in einem sozialdemokratisch dominierten Unternehmen durchaus herausfordernd für Papa, war er doch bekannt als überzeugter Schwarzer, der auch aus seiner katholischen Gesinnung nie ein Geheimnis gemacht hat“, erinnert sich Tochter Renate an die damalige Sensation. Doch Krenn ließ alle wissen, was sein Prinzip war: „Mir ist der Mensch und die Arbeit wichtig, nicht das Parteibuch“. Und er zeigte das, indem er auf alle zuging, mit denen er zu tun hatte. Jedoch, viel zu Hause war Krenn damit nicht mehr. Viel Zeit verbrachte er im Flugzeug auf dem Weg zu den internationalen Geschäftspartnern, von denen er viele auch zu sich nach Hause einlud, wo diese die Gastfreundschaft und die Kochkünste seiner Gattin Steffi erfahren durften. Bei seinen Dienstreisen wurde er zu einem Botschafter seiner Heimat mit unzähligen Linzer Torten, die er oft als Gastgeschenke im Gepäck mitführte. Einen seiner damaligen Mitarbeiter förderte Krenn besonders und wurde dessen Mentor: Günther Apfalter, heute Chef bei Magna: „Wegen seiner hohen Fachkenntnisse und Menschlichkeit war Leopold gut aufgestellt für diesen Job. Er hatte für Händler, Importeure und Bauern das gleichermaßen richtige Gespür und war dadurch sehr erfolgreich“. In seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit bei Steyr wurden unter seiner Verantwortung rund 187.000 Traktoren in St. Valentin und 60.000 Traktoren in der Türkei produziert und in alle fünf Kontinente in über 40 Ländern vertrieben. Vier Traktoren-Generationen (Baureihe 80, 8055, 900 und 9000) kamen unter Krenns Leitung auf den Markt, wobei er immer stolz auf seine damals rund 2.500 Mitarbeiter war. Auf Initiative von Krenn wurde in den 90er Jahren der Slogan der „Rot-Weiß-Roten Pferde“ eingeführt, der die Steyr-Traktoren – auch bei Wirtschaftsdelegationen mit hohen Regierungsvertretern wie etwa Bundeskanzler Bruno Kreisky und Minister Josef Staribacher - als österreichische Aushängeschilder für höchste Qualität in der ganzen Welt bekannt machte. 1989 wurde ihm der Titel Kommerzialrat verliehen und die Länder Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und Salzburg ehrten seine Verdienste mit hohen Auszeichnungen. 1997 ging er in Pension und hatte nun Zeit sich seinen Hobbys und Enkelkindern zu widmen.

Vergessen hat er all die Jahre aber auch nicht seine Freunde bei Kolping. So übernahm er gerne ehrenamtliche Tätigkeiten und half, wo er gebraucht wurde. Als Wirtschaftsvorstand des österreichischen Kolpingwerkes wirkte er maßgeblich an den Neubauten der Kolpinghäuser in Salzburg und Steyr mit. „Tut jeder in seinem Kreis, nach seinen Möglichkeiten das Beste, wird’s bald in der Welt auch besser aussehen“, dieser Spruch von Adolph Kolping hat ihn geprägt. Eng verbunden war Krenn auch mit dem damaligen Landeshauptmann Erwin Wenzl, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband. Dankbar und zufrieden für ein gesundes und erfülltes Leben, begab sich Krenn bis zuletzt gern in die Berge zum Schwammerlsuchen, auf die Jagd oder auf die Piste, was ihm vom zweiten Familiendomizil im Zillertal aus leicht möglich war. Auch dabei begleiteten ihn oft seine vier Kinder und später auch die Enkelkinder. Auf den Schiern war Krenn auch wieder an den vergangenen Weihnachtstagen, selbstverständlich erst nach den Gottesdiensten. Nach einem sonnigen und erfüllten Schitag mit seiner Tochter Renate verstarb Leopold Krenn schließlich unerwartet am 27. Dezember 2020.






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