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Katharina Fürthauer aus Schlierbach (1939 - 2019): Die Köchin der Äbte

Ganz sicher ist sich Regina Heitzeneder nicht, ob es ihrer Tante Kathi Recht gewesen wäre, dass über sie in der Zeitung geschrieben wird. Denn die „Kathi-Godn“, wie Katharina Fürthauer gerne genannt wurde, war eine bescheidene Frau. Aufgewachsen in Taufkirchen an der Trattnach, kam Katharina aus kinderreicher Stube als Magd auf einen Bauernhof. Kochen lernte sie in einem Caritasheim in Linz. Ihr nächster Arbeitsplatz im Bildungshaus Puchberg wurde zur ersten Schlüsselstelle der jungen Frau. Sie arbeitete dort in den frühen 1960-er Jahren nicht nur in der Küche, sondern nutzte das vielbesuchte Haus, um Kontakte zu knüpfen, die teilweise bis zuletzt lebendig blieben. Unter anderem wurde sie Mitglied der damals bekannten „Linzer Runde“, einem freundschaftlichen Zusammenschluss engagierter Damen in der Diözese, zu der Größen wie die bereits verstorbenen Inge Loidl oder Marianne Mair zählten. Beruflich war und blieb Kathi Fürthauer aber Köchin, inzwischen längst schon im Stift Schlierbach, wo sie für die Ernährung des gesamten Internates, der Landwirtschaftsschule und des Konventes zuständig war. Bis zu 10 Personen standen bildlich gesprochen „unter ihrem Kochlöffel“ und Abt Nikolaus Thiel, der schon als 10-jähriger Schüler Kathis Küche genoss, erinnert sich an eine Erzählung, wo sie an guten Tagen mit ihrem Team 500 Knödel zu drehen hatte. „Am beliebtesten waren bei uns ihre Schnitzel,“ sagt Abt Nikolaus, der der einzige Schlierbacher Abt ist, der es mit Kathis Essen von klein auf bis zum Vorsteher des Stiftes gebracht hat. Natürlich verließen sich auch seine Vorgänger gern auf ihre Kochkünste. „Sie war praktisch immer da, wenn auch nicht immer sichtbar, weil die Küche selbst für uns Patres nicht zugänglich war.“ Außer Betrieb war die damalige Stiftsküche nur am Sonntag Nachmittag. Kaum in Pension, verlegte die auch als durchaus resolut bekannte Dame ihren Schwerpunkt auf das Reisen. „40 Länder hat Kathi bereist, nur Australien hat ihr gefehlt“, berichtet Nichte Regina Heitzeneder, „daraus ergeben sich Unmengen von Fotoalben und Literatur“. Dass sie einmal Köchin war, daran erinnert eine stattliche Sammlung von Geschirr in ihrer Wohnung. Aber auch an Bildern hatte Kathi ihre Freude, „sie kannte ja ganz viele Künstler persönlich, die mit Schlierbach zu tun hatten, unter anderem Margret Bilger“. Für ihre Neffen und Nichten bleibt sie als „allerbeste Godn“ in Erinnerung, die sie mit Topfentorte oder Himbeer-Rouladen verwöhnte. Ihre Bekannten werden nie die vorweihnachtlichen Kekslieferungen in Plastikdosen vergessen, mit denen sie alljährlich beglückt wurden. Nach einem schweren Sturz vor zwei Jahren und den darauffolgenden Einschränkungen hat Katharina Fürthauer allmählich der Lebensmut verlassen.





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