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Karl Strauß aus Pettenbach (1927 - 2020): Immer bedacht auf das richtige Profil

Natürlich ist nicht anzunehmen, dass die vielen Fahrzeuge des Transportunternehmens Strauss künftig mit schlechten Reifen unterwegs sein werden. Bis vor wenigen Jahren hatte aber der langjährige Senior-Chef seinen akribischen Blick auf dieses wichtige Detail eines funktionierenden Betriebs geworfen. Das lange Leben von Karl Strauß ist ohne Firma nicht denkbar. Schon in früher Jugend war er dabei, als sein Vater mit dem Pferdegespann Holz transportierte und nach dem Krieg baute er mit seinem Bruder Hans Autobusse zusammen, um zwischen Pettenbach und Wels Personen zu befördern. Selbst diese Fahrten waren mitunter abenteuerlich, etwa wenn der klapprige Bus in Inzersdorf in einer Furt steckenblieb und die Fahrgäste zum Schieben angehalten waren. Dass der durchaus geübte junge Fahrer erst später mit 21 Jahren den Führerschein machte, schien in den damaligen Nachkriegsjahren niemanden zu stören. Auch bei Ausflugsfahrten der OKA saß Karl Strauß am Steuer. Manchmal ging es auf den Großglockner. Die Kehren waren gefährlich eng, sodass der Bus teilweise reversieren musste. Ängstlichen Fahrgästen, die über das Heck in die Tiefe schauen mussten, empfahl er, auszusteigen und ein Stück zu Fuß zu gehen. 1963 übernahm Karl mit seinem Bruder die Firma, die über die Kooperation mit der Ölförderung der RAG zu beträchtlicher Größe angewachsen war. „Chef-Karl und Chef-Hans wurden die beiden immer genannt, die waren bis zum Tod von Hans 1999 ein perfekt eingespieltes Team“, sagt Sohn Karl-Heinz Strauß. Ein Jahr nach der Firmenübernahme ging Karls Ehe mit Maria nach 7 Jahren in die Brüche, ihr entsprang Sohn Karl-Heinz, aber auch die 2. Ehe mit Ingrid sollte Karl nicht das erwartete Glück bringen. Nach der Scheidung lebte er alleine, wobei er den Großteil seiner Zeit sowieso in der Firma verbachte: „Das Frühstück nahm er regelmäßig bei seiner Schwägerin ein, danach hielt er sich im Foyer auf, las die Zeitungen und bekam auch in den letzten Jahren von dort aus alles mit, was sich in der Firma tat“, sagt sein Sohn. Gerne nahmen die Damen des Hauses und die Kinder seiner Nichten immer wieder Süßigkeiten entgegen, mit denen er sie beschenkte. Karl Strauß, der die Firma 1995 an seinen Sohn übergeben hatte, blieb in der Firma präsent. Auch ganz Pettenbach kannte ihn, wie er mit seinem alten Opel, bekleidet mit einem Sweater und dem Firmenkapperl eines Reifenproduzenten durch die Gegend fuhr. Über den einen oder anderen Blechschaden sah Sohn Karl-Heinz lachend hinweg. Sonntags führte ihn der Weg zum Stammtisch, wo er regelmäßig den FPÖ-Landtagsabgeordneten Michael Gruber traf: „Der Karl war mein väterlicher Freund. Ich schätze an ihm, dass er seine reiche Lebenserfahrung so präzise weitergeben konnte“. Lange gekannt und immer geschätzt hat Strauß auch LHStv. Manfred Haimbuchner: „Karl Strauß war 60 Jahre lang Parteimitglied und ich bewundere ihn für sein immer waches Interesse an den Jungen. Unvergessen bleiben mir aber auch die von ihm gebrannten Schnäpse“. Birnen und Zwetschken zu brennen war das so ziemlich einzige Hobby von Karl Strauß. Große Urlaube hat er kaum gemacht, bloß in den früheren Jahren ging es manchmal nach Kroatien, später höchstens an einen Kärntner See. „Der Karl war so was von unkompliziert, er hat nie den Chef heraushängen lassen, man konnte mit ihm über alles offen reden“, loben Vater und Sohn Willi Herndler seinen Charakter. Bis zum vergangenen Juli hat sich Karl Strauß selbst versorgt, die Brille brauchte er nur zum Lesen. Als er dann die Dienste einer Pflegerin in Anspruch nehmen musste, ging es trotz bester Betreuung bergab mit ihm. Am Dienstag nach Ostern konnte er sterben.



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