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Karl Panhofer aus Saxen (1940 - 2019): Schuster mit geistlichem Einschlag

In der Kirche konnte Karl Panhofer niemand etwas vormachen. Als jahrzehntelanger Mesner wusste er, wo etwas zu finden war und welche Dekorationen erforderlich waren. Knapp 15 Jahre war er alt, als ihn der damalige Pfarrer Dorfner nach dem Tod des Mesners zum wahrscheinlich jüngsten Mesner der Diözese bestellte. Panhofer übte diese Funktion fast bis zuletzt aus und kommt damit auf über 60 „Dienstjahre“. Der jetzige Pfarrer Konrad Streicher zieht über die Einsätze seines Mesner eine detaillierte Bilanz: er stand bei über 1600 Taufen, bei fast 500 Trauungen und bei über 1100 Begräbnissen dem jeweiligen Geistlichen treu zur Seite. Damit aber noch lange nicht genug: Panhofer übernahm in Saxen des Weiteren die Leitung vieler Mai- und Kreuzwegandachten sowie viele Totenwachen. Weil er aus dem Pfarrgeschehen damit nicht wegzudenken war, wurde er für fünf Perioden lang zum Obmann des Pfarrgemeinderates gewählt. Dabei hatte Panhofer auch einen Beruf. Er stammt aus einer Schusterdynastie mit Wurzeln in Waldhausen. Sein Vater verlegte den Familiensitz in den 30-er Jahren in das größere Saxen. Nach einer Kriegserkrankung übernahm dessen ältester Sohn Johann das Geschäft für kurze Zeit und wurde zum Lehrmeister seines jüngsten Bruders Karl. Als Schuhmachermeister führte dieser das Handwerk bis zur Pensionierung. „Es hat den Papa schon geärgert, dass die Leute begannen, mit Schuhen so sorglos umzugehen und sie einfach weggeworfen haben“, sagt Sohn Klemens. Gerne verlegte er sich auf kleinere Reparaturen von Schuhen, ohne viel oder überhaupt etwas dafür zu verlangen, erinnern sich Saxener. „Passt eh schon“, war einer seiner oft gehörten Standardsätze. Ganz wichtig war Karl Panhofer seine große Familie mit den sechs Kindern. „immer wieder gab es große Feste bei uns und der Papa sorgte dafür, dass alle von uns ein eigenes Zimmer im großen Haus hatten, das er dafür um- und ausbaute“, sagt Sohn Karl Maria. So wie er tragen alle seine Brüder und Schwestern als zweiten Vornamen den Namen Maria. „Das hat vermutlich mit der großen Marienverehrung seiner Mutter, unserer Oma, zu tun“, vermutet Karl. Deren große Gläubigkeit dürfte sich auf ihre vier Kinder übertragen haben: einer davon, Sohn Rudolf, machte als Regens des Priesterseminars sogar kirchliche Karriere in der Diözese. Sein Bruder Karl, der Mesner von Saxen, war stolz auf ihn, war aber zufrieden mit seiner vergleichsweise bescheidenen Rolle. Wichtig war ihm die Ausbildung seiner sechs Kinder, zu denen sich nach und nach eine große Schar von Enkeln und auch schon zwei Urenkel gesellten. Mit einer Filmkamera hielt Karl nette Ereignisse fest, ein Highlight war für jung und alt dabei natürlich der Pool im Garten, den Karl für seine Familie aufstellen ließ. „Er war einfach immer da und es ist ihm schwer gefallen, wegen seiner Erkrankung dann nicht mehr helfen zu können“, erinnert sich Pfarrer Streicher an seinen treuen Mesner.



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