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Karl Pölzl aus Weilbach (1941 - 2020): Ein Obersteirer als Motor der heimischen Säger

Der Duft frisch geschnittenen Holzes fasziniert nicht nur, er kann auch ein ganzes Leben bestimmen. Karl Pölzl wurde im obersteirischen Mautern damit vertraut. Seine Eltern hatten ein Sägewerk und Karl wurde Säger. In Tirol und später in Deutschland holte er sich weitere Kenntnisse für diesen Beruf, den er am allerliebsten selbständig auszuüben trachtete. Das Schicksal spielte ihm über ein Zeitungsinserat einen stillegelegten Sägebetrieb im Innviertel zu. Karl kaufte und war als 27-jähriger Mann Firmenchef in Weilbach. Was fehlte, war eine geschickte Frau, der ein solches Gewerbe nicht völlig fremd war. In Grünau im Almtal gäbe es eine hübsche Tochter eines Berufskollegen, erfuhr Pölzl von guten Freunden. Gerne verfolgte er diesen Tipp, 1972 begann eine fast 48 Jahre dauernde Ehe. „Leicht hatten wir es nicht“, spielt Gattin Erika auf die harten Anfangsjahre des Aufbaus an. „Mein Mann erwies sich aber als recht geschickt“, bald war aus dem ehemaligen Zimmereibetrieb ein richtiges Sägewerk entstanden. Eines der Geheimnisse des Sägewerks Pölzl dürfte die Sauberkeit sein, die vielfach bewundert wurde. So sagt der Weilbacher Bürgermeister Ludwig Huber: „Egal, zu welcher Jahreszeit man auf den Betrieb kam, es war dort extrem ordentlich, das Unternehmen war aber auch ansonsten meisterlich geführt.“ Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, dass Pölzl seine ganze Zeit und Energie in das Sägewerk steckte. „Die Firma war für ihn Hobby und Beruf zugleich“, wie Gattin Erika sagt. 1999 dann der Schock: Ein Großbrand vernichtete die Produktionshalle. Karl Pölzl ließ sich davon jedoch nicht entmutigen, sondern er rüstete mit großem Weitblick das kleine Sägewerk so um, wie er das von großen Betrieben kannte. Damit sicherte er die Existenz der Firma. 2002 übergab er das Unternehmen an seine Tochter Alexandra, ohne sich jedoch von der Firma gänzlich zurückzuziehen. „Wir waren ein gutes Team, jeder konnte sich auf den anderen verlassen.“ Karl Pölzl ließ sich ab seiner offiziellen Pensionierung verstärkt in die Standesvertretung der Säger einbinden. Ab 2002 war er für drei Jahre sogar Obmann der Fachgruppe der Sägeindustrie in Oberösterreich. Sein Geschäftsführer in der Zeit war Heinrich Reinthaler. „Karl hat sich nie ein Blatt vor den Mund genommen und verstand es ausgezeichnet, auch in schwierigen Zeiten immer wieder Zuversicht zu verbreiten.“ Ähnlich Wolfgang Roitinger, ein Berufskollege aus Zipf, den Pölzl wie alle anderen Kollegen nie als Konkurrenten, sondern als Mitbewerber ansah. Jeden ersten Donnerstag im Monat saß er mit ihnen am Sägerstammtisch in Timelkam, wo neben fachlichen Diskursen selten der Spaß zu kurz kam und Pölzls Meinung als weitblickend anerkannt war. „Lustig und gesellig war der Karl“, sagt Roitinger, „vor zwei Monaten sind wir noch gemütlich bei einem Gläschen steirischen Wein beisammen gesessen“. „Zuvorkommend und hilfsbereit“, beschreibt Ferdinand Reisecker, der jetzige Obmann der Fachgruppe Holz in der Wirtschaftskammer seinen Kollegen Pölzl. Dass er in Österreich und Bayern sehr gut vernetzt war und Entwicklungen frühzeitig aufspürte, habe seiner Branche immer wieder genützt. Daheim in Weilbach sah man ihn vor allem im Betrieb: „Am 9. Jänner saß Papa zum letzten Mal auf dem Stapler“, erinnert sich Tochter Alexandra. Ihre beiden Kinder Sebastian und Stefanie waren sein großer Stolz und riesig war die Freude, als er zum 50-Jahr-Jubiläum der Firma gemeinsam mit dem damals 12-jährigen Sebastian zur Steirischen griff und vor allen Leuten ein paar Stücke zum Besten gab. Die steirische Harmonika war zum Teil seines Lebens geworden, so wie der obersteirische Dialekt immer Teil seines Lebens war. Freizeit gab es für die Pölzls wenig. Ja, nach Kärnten sei man immer wieder gefahren, um am Wörthersee zu urlauben, aber sonst? Früher manchmal nach Mallorca oder Teneriffa, erinnert sich Gattin Erika, die so wie ihr Mann damit zufrieden war. In Weilbach ist ihm großes Ansehen sicher, immerhin erwies sich Pölzl immer wieder als wertvoller Sponsor der örtlichen Vereine. Karl Pölzl wird am Samstag, 7. März um 10 Uhr in der Pfarrkirche Weilbach verabschiedet.



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