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  • bert brandstetter

Karl Frostel aus Gmunden (1946 - 2020): Lehrmeister im guten Journalismus

Er konnte so herzlich schallend lachen, dass ich es noch heute, viele Jahre nach unserer letzten Begegnung zu hören meine. Unter Journalisten fühlte er sich richtig wohl und geizte in froher Runde auch nie mit lustigen Begegnungen und Erfahrungen aus seinem Arbeitsbereich. Den gebürtigen Gmundner zog es schon früh in die Nähe der Presse. In der Salzkammergut-Druckerei wurde er zum Bürokaufmann ausgebildet, bereits mit 20 war er Redakteur des traditionsreichen Lokalblattes „Salzkammergutzeitung“, 1979 übernahm er die Chefredaktion. Was ihn als Chef auszeichnete, können ehemalige Kollegen nur bewundern, so sehr es die damaligen Eigentümer vielleicht irritiert haben mag: Frostels breiter Rücken ermöglichte den jungen Redakteuren, frei und ungehindert zu recherchieren, aber nicht nur das: Frostel ermunterte sie auch, kritisch zu sein und neue Wege zu beschreiten. So fühlten sich junge Journalisten wohl in seinem Team, zu ihnen gehört der langjährige Bürgermeister von Bad Ischl, Hannes Heide, der jetzt als EU-Politiker seinen Weg macht. Oder Martin Staudinger aus Traunkirchen, der jetzige Leiter der Außenpolitik im Profil: „Ich hab als angehender Journalist das von ihm gelernt, was guten Journalismus ausmacht. Karl Frostel hat Vieles zugelassen und nie Einfluss genommen auf unsere Recherchen“. Aber, so ergänzt Hannes Heide: „Karl hat uns schon oft aufmerksam gemacht auf das, was in der Berichterstattung wichtig ist und uns so zu Journalisten geformt“. Oder Josef Aigner auf Facebook, heute im Stadtamt Gmunden beschäftigt: „Ich verdanke Karl sehr viel, fachlich und menschlich. So einen Chef würd` ich allen Menschen wünschen“. Frostel war es ein Anliegen, die Salzkammergutzeitung nicht als Provinzblatt dastehen zu lassen, sondern er wollte die Fenster öffnen in die große weite Welt, sagen die ehemaligen Redakteure. Reportagen über die Revolution in Rumänien oder das Leben der Regionalpolitiker auf dem Wiener Pflaster galten als legendär. Auch Frostel selbst verließ seinen ureigenen Wirkungsbereich immer wieder gerne. Etwa wann es galt, sich in der Arbeitsgemeinschaft katholischer Journalisten in Linz einzubringen, deren Vorsitzender er einst war. In diese Funktion fällt der Besuch beim damals noch jungen Papst Johannes Paul II. in Rom, dem Frostel unter sichtlicher Nervosität ein Oberösterreich-Buch überreichen durfte. 2006 ging Frostel in Pension, dekoriert mit dem Ehrenring der Stadt Gmunden. Die folgende Zeit zog er sich weitgehend zurück, verbrachte sie gerne mit seinen Enkeln Marlene und Flora, er widmete sich aber auch einem spannenden publizistischen Thema, das als Buch erschienen ist: Dem Ordensleben in Gmunden unter dem Titel „Die Welt ist unser Kloster“. Karl Frostel wird von seinen Söhnen Michael und Gregor am Mittwoch, 12. 2. Um 11 Uhr in der Gmundner Stadtpfarrkirche verabschiedet.



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