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  • bert brandstetter

Josef Schmid aus Andorf (1949 - 2020): Paradebeispiel für gute Krisenbewältigung

Es war ein Keulenschlag, als Josef Schmid mit 55 Jahren plötzlich ohne Arbeit dastand. Die Firma, für die er in seinem Heimatort Andorf zuletzt lange gearbeitet hatte, hatte keine Verwendung mehr für ihn. Anstatt den Kopf lange hängen zu lassen, besann sich Josef anderer Fähigkeiten und beschloss, sie zu fördern. Die Möglichkeit der Ausbildung zum Diakon kam ihm dabei gerade sehr gelegen. Die Idee dafür dürfte er sich beim Nachbardiakon in Eggerding, Hans Wimmer geholt haben, der dieses Amt schon viel länger bekleidete. Das Vorbild seines Jugend- und Familienfreundes scheint ihn angesteckt zu haben. Für Josefs Frau Maria und die beiden Töchter Alexandra und Elisabeth war seine Entscheidung keine riesige Überraschung, war ihr Vater doch auch schon bisher in der Pfarre äußerst engagiert. Man kannte ihn als Obmann der Katholischen Männerbewegung, er organisierte Jungscharlager, half der Caritas und unterstützte seine Frau bei der Rollstuhlgruppe des Altenheimes. Drei Jahre intensive Ausbildung machten aus Josef Schmid aber doch auch kritischer, „er hat vieles immer öfter hinterfragt und er wurde tiefsinniger“, findet Tochter Alexandra, die das Diakonat als „echte Mission“ für ihren Vater empfand. Dass in Andorf nach Schmids Weihe 2008 plötzlich ein ehrenamtlicher Diakon zur Verfügung stand, bedeutete für Pfarrer Erwin Kalteis eine spürbare Entlastung. Josef Schmid nahm ihm viele Taufen, Begräbnisse ab und zelebrierte alle paar Wochen einen Wortgottesdienst. Vor allem aber war es wieder Schmids Engagement für die Caritas und das Altenheim, was für einen Pfarrer einer 4500 Einwohner-Gemeinde alleine kaum zu schaffen ist. 2013 dann ein großer Einschnitt: Schmids Gattin Maria verstarb völlig unerwartet. Und wieder versuchte Schmid aus der düsteren Situation etwas zu machen. Er ließ sich zum Trauerbegleiter ausbilden und fand über diese Tätigkeit nach Jahren seine neue Lebenspartnerin Anni Gründlinger, deren Gatte ebenfalls blitzartig gestorben war. „Wir fanden beide wieder zu einem Leben in Fülle und unternahmen viel.“ Kulturreisen, Ausflüge, aber nur in Österreich, waren ihr Freizeitvergnügen. Und immer wieder gutes Essen mit einer Flasche Wein, ergänzen die Töchter. Unzählige Abende saßen sie in der Familie beisammen und diskutierten oder spielten, vor allem seit der Papa mehr Zeit hatte. Früher war er als gelernter Sanitär- und Bautechniker viel unterwegs, der Familie wegen suchte er sich zuletzt einen Arbeitsplatz in Andorf. Nach seiner Kündigung fand er für kurze Zeit noch einen weiteren Arbeitsplatz als Vertriebsleiter, von dem aus er 2013 in Pension ging. Wie sehr seine Arbeit als Diakon zu ihm gepasst hat, beschreibt Tochter Elisabeth, die aus Erzählungen weiß, dass ihr Papa schon von Jugend auf gerne mehr mit Menschen gemacht hätte. Ein anderer Mensch sei er durch den geistlichen Beruf aber sicher nicht geworden, „das hätten ihm wir drei Frauen nie durchgehen lassen“, schmunzelt sie. Zusammengefunden haben ihre Eltern schon als Schüler. „Papa half unserer Mama im Fach Buchhaltung“, einige Jahre später ist daraus Liebe geworden. In Andorf habe Josef Schmid als junger Vater für Gesprächsstoff gesorgt, weil er stolz den Kinderwagen seiner Töchter durch den Markt geschoben hat, wie Elisabeth erzählt. Seit einem Jahr kämpfte er gegen den Krebs, schien die Krankheit beinahe besiegt zu haben, zu Allerseelen verstarb er aber, ohne lange gelitten zu haben, wie seine Angehörigen beruhigt feststellen.



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