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  • bert brandstetter

Josef Reisinger aus Pabneukirchen (1936 - 2021): Postmeister mit Engagement in vielen Vereinen

Aktualisiert: Mai 30

Schicksalsschläge bedeuten im Leben eines Menschen oft eine völlig unvorhergesehene Kehrtwende, beileibe aber nicht zum Negativen, wie das Leben von Josef Reisinger beweist. Tierarzt wollte der junge Bursch eigentlich werden, die Eltern planten ihn aber als Nachfolger ihrer kleinen Tischlerei. Josef fügte sich, nach der Lehre in Grein arbeitete er im väterlichen Unternehmen. Ein Unfall bei einem Hochzeits-Böllerschießen bedeutete die Wende in Josefs Leben. Eine schwere Handverletzung zwang ihn, den Beruf zu wechseln. Zwei Jahre verdingte er sich als Straßenbahnfahrer in Linz, der Umstieg zur Post öffnete ihm eine völlig neue Karriere-Chance. Nach Erfahrungen in unzähligen Postämtern des Landes landete er schließlich als Postamtsdirektor in seinem Heimatort Pabneukirchen, in dem er bis zu seiner Pensionierung 1996 tätig war. Sein Engagement machte es zu einem Vorzeigepostamt. Legendär sind bis heute die 1000 Bauspar-Abschlüsse, mit denen er sogar das Linzer Hauptpostamt überflügelte und dafür viele Preise einheimste. Dass nach seiner Pensionierung auch sein ehemaliges Postamt Opfer der Schließungswelle werden sollte, grämte ihn maßlos und er behielt seinen Ärger nicht bei sich. Wie überhaupt: von Joschi Reisinger erfuhr jedermann sehr rasch, was er über dies und das dachte. Nie hielt er mit seiner Meinung hinter dem Berg und machte sich mit dieser offenen Art nicht nur Freunde. Zugleich gab es in Pabneukirchen kaum einen Verein, in dem Reisinger nicht aktiv gewesen wäre und sehr viel bewirkt hat. Man sah und hörte Joschi in der von seinem Vater geführten Schauspielgruppe und in der Liedertafel. 70 Jahre lang war er Mitglied der Feuerwehr, er war Gründungsmitglied der Union und legte als Obmann der Wassergenossenschaft größten Wert auf die örtliche Wasserversorgung, die bis heute stolz darauf ist, das günstigste Wasser im ganzen Bezirk anbieten zu können. Einer seiner Mitstreiter war Heribert Hölzl, 20 Jahre Mitarbeiter im Postamt: „Der Joschi war immer klar, gerecht und zielstrebig, wir waren aber auch Freunde“. Gemeinsam teilten sie die Freude am Züchten von Wellensittichen und Kanarienvögeln, im Winter standen sie gemeinsam auf der Eisstockbahn und jeden Sonntag saßen sie nach der Messe im Wirtshaus beim Vierer-Schnapsen, „nicht immer zur Freude unserer Frauen, wenn es einmal später wurde“, wie Hölzl gesteht. Joschis Frau Hilda, hochgeschätzte Volksschuldirektorin, zeigte Verständnis für derartige Überziehungen. Schon 1961 hatten sie geheiratet, im kommenden September wäre die Diamantene Hochzeit angestanden. Die große Liebe zur Natur führte Reisinger zur Imkerei, mit 66 legte er noch die Jagdprüfung ab und freute sich, immer noch den einen oder anderen Berggipfel erobern zu können. Ehrgeiz und Disziplin erlebte man an Joschi weiters bei seiner Teilnahme an Fußwallfahrten, etwa nach Mariazell oder auf den Großglockner. Seine Verbundenheit mit der Pfarre brachte er viele Jahrzehnte als Pfarrkirchenrat zum Ausdruck. Nicht ganz rund verlief für ihn die Verleihung des Pabneukirchner Ehrenringes, den die Wassergenossenschaft beantragt hatte. Erst nach einigem politischen Hin und Her wurde ihm diese Ehre zuteil, vielleicht Ausdruck seiner integren und manchmal unbequemen Art. Trotz aller außerhäuslichen Aktivitäten galt Josef Reisinger als ausgeprägter Familienmensch. Drei tüchtige Kinder, vier Enkelkinder und eine Urenkelin bereiteten ihm große Freude. Nahezu selbstverständlich war er auf deren Haus-Baustellen oder in deren Gärten helfend anzutreffen. „Wir haben unseren Vater schon als solchen erlebt, auch wenn er früher pendelnd und später durch seine Vereinsaktivitäten viel außer Haus war,“ bescheinigt ihm Tochter Uschi seinen Familiensinn. „Papa hat es geliebt, wenn es um ihn herum gewurlt hat und wir waren als Kinder oft mit ihm unterwegs“. Noch am Vorabend seines Todes saß er mit seiner Familie bei einem Gläschen Wein beisammen, bevor er in der Nacht darauf seinem öfters geäußerten Wunsch gemäß friedlich einschlief.






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