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Josef Mayr aus Haibach im Mühlkreis (1919 - 2020): Lebenslange Energie aus dem Schützengraben

„1918 ist der Kaiser gegangen, 1919 ist der Mayr gekommen“. Derart treffend begann Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer im Vorjahr seine Rede zur Feier des Hunderters von Josef Mayr, Alt- und Ehrenbürger von Haibach/Mkr. Der hochbetagte Jubilar war damals noch erstaunlich rüstig und fit genug, sich über all die Gratulationen zu freuen. 36 Jahre lang widmete er sich der örtlichen Politik, je 12 Jahre war er Gemeinderat, Vizebürgermeister und schließlich Bürgermeister. Sich öffentlich zu engagieren, ging auf seine einprägsamen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg zurück. In den russischen Schützengräben um sein Leben bangend, schwor er, sich öffentlich zu betätigen, sollte er diese Stätten des Grauens lebend verlassen. 80 Seiten umfasst das Tagebuch, das er über das Kriegsgeschehen wohl als Dokumentation wider das Vergessen verfasst hat. Mayr überlebte den Krieg, übernahm daheim die Landwirtschaft, gründete mit seiner Frau Auguste eine Familie, bekam mit ihr vier Söhne und machte 1949 sein Versprechen aus dem russischen Schützengraben wahr: Er ließ sich in den Gemeinderat wählen. In den folgenden dreieinhalb Jahrzehnten wurde Mayr zum Gesicht seiner Gemeinde Haibach/Mkr. In seine Zeit fiel der Bau vieler Güterwege, das neue, gemeinsame Amtshaus in Reichenau, des Feuerwehrgebäudes oder des Bauhofes. Mayr beteiligte sich aber auch als aktiver Obmann wichtiger örtlicher Vereine und Organisationen wie dem Kameradschaftsbund oder des Musikvereins. Die Musik war ihm überhaupt ein Anliegen. Auf eine Feldpostkarte aus dem Jahr 1941 schrieb der damals 23-jährige Frontsoldat Josef Mayr an seinen 10-jährigen Nachbarn Toni Karl die Aufforderung: „Lernt fleißig das Musizieren, damit wir eine Musik haben, wenn wir vom Krieg zurückkommen!“ Mitglied war Mayr natürlich auch bei der Feuerwehr und in der Bauernschaft, später beim Seniorenbund und bei Raiffeisen. 30 Jahre arbeitete er dort als Obmann Seite an Seite mit Geschäftsführer Helmut Hofstadler, der Mayr als „immer ausgleichend, offen und ehrlich“ erlebt hat. Mayrs Motto sei stets gewesen: „Leben und leben lassen“, sagt Hofstadler. Als durchgehendes Anliegen Mayrs wird sein Einsatz für soziale Anliegen und sein Kümmern um einsame Menschen erwähnt. Es gab aber auch ein ganz besonderes Hobby vom „Höller auf der Brandstatt“, wie sein Hof genannt wird. Mayr verstand sich auf das Errichten von Steinbloßmauern, weil er als Bauer auch als Steinmetz Erfahrung gesammelt hatte. In einer ORF-Dokumentation, die er nun nicht mehr selber sehen kann, weil sie erst im Jänner ausgestrahlt wird, war er als Erzähler über dieses Handwerk sehr gefragt. Weit vor der Zeit verlor Mayr 2004 seine Frau Auguste und 2013 Sohn Herbert. Mit der ihm eigenen Zähigkeit konnte er diese Schicksalsschläge immer wieder meistern. Auch die Übersiedelung in das Seniorenheim Hellmonsödt machte ihm wenig aus. Dort pflegte er weiter seine sozialen Kontakte, sein Fortbewegungsmittel wurde der Rollator. „Er war ein Ehrenmann durch und durch bis ins hohe Alter“, sagt der jetzige Bürgermeister Josef Reingruber über den Nachfolger seines Großvaters in dieser Funktion, der von der Öffentlichkeit in Würdigung seines Könnens und seiner Verdienste zum Ökonomierat und zum Ehrenbürger ernannt worden war. In den letzten Wochen verließen Mayr seine Kräfte, das Coronavirus machte seinem Leben schließlich ein Ende.



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