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Josef Innendorfer aus Neumarkt i.M. (1933 - 2019): Ein Kämpfer aus bescheidensten Verhältnissen

Nicht aufgeben. Das war das Lebensmotto von Josef Innendorfer, was er mehrmals unter Beweis zu stellen hatte. Zum ersten Mal, als er 12 war. Sein Vater kam im 2. Weltkrieg bei einem Luftangriff über Linz ums Leben, seine Mutter übergab den Buben aus wirtschaftlichen Gründen ihrem Bruder in Helmetzedt. Das erste Geld verdiente sich Josef als Taglöhner bei den Bauern der Umgebung, eine Lehre hatte er nicht absolviert. Mit 22 sorgte er für Tagesgespräch: er machte den Führerschein, aber nicht nur für Motorrad und PKW, sondern gleich für alle Klassen. Das sollte seinem Leben eine markante Wende versetzen. Der kleine Landarbeiter bekam einen Job als LKW-Fahrer bei einem Linzer Großhandel. Noch nicht 30, erwachte in ihm das „Händler-Gen“. Josef merkte den Bedarf der Linzer Bevölkerung an bäuerlichen Lebensmitteln und begann, dem nachzukommen. Als „Fürkäufer“ fuhr er zu Bauern der Umgebung, erwarb Eier, Hühner, Schwammerl oder Butter, die er gemeinsam mit seiner Mutter am Südbahnhof, später auch auf Märkten am Bindermichl und in der Neuen Heimat weiterverkaufte. Auch Kaninchen waren gefragt. Obwohl bereits ohne Fell, mussten die Pfoten noch zu sehen sein, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um einen „Dach-Hasen“ handelte, wie damals von manchen Linzern die Katzen genannt wurden. Sein damaliges Transportmittel war ein alter Opel Caravan, der von oben bis unten mit Lebensmitteln vollgestopft war. Besonders gefragt waren Hühner aus dem Mühlviertel, was den findigen Josef Innendorfer auf die Idee brachte, auf seinem kleinen Sacherl in der Ortschaft Lamm eine kleine Geflügelmast aufzubauen. Als der Platz zu klein wurde, stellte er sogar beim Nachbarn seine Masthendln ein. Pro Turnus wurden so jeweils bis zu 100 Hendln geschlachtet, Josef wurde in der Zeit bekannt als „der Hendl-Rupfer“. Ähnlich gefragt waren seine Gänse. Bis zu 120 Tiere trieb Herta, die er inzwischen geheiratet hatte, in der Lamm auf die Weide, vor Martini kamen sie pfannenfertig auf den Markt. Weil der Bedarf vorhanden war, stieg Innendorfer schließlich auch in den Christbaumhandel ein. Nur weiter zu verkaufen, war ihm wiederum zu wenig, er legte eine eigene Christbaumkultur an und fand genug Käufer für seine „schönen Bam“, wie er gerne sagte. „Das Weihnachtsgeschäft entwickelte sich so ertragreich, dass er sich davon nach nur einer Saison ein Haus in der Lamm kaufen konnte“, wie Sohn und Firmennachfolger Josef staunend sagt. Natürlich verlief nicht alles reibungslos, wie viele Geschichten, die Sepp beim Tarockieren oder beim Kegelscheiben erzählte, beweisen: nicht nur einmal blieb der Transporter im Schnee stecken, ein anderes Mal verrutschte die Ladung und der Wagen krachte gegen ein Haus, obwohl der Sepp zuvor gemeint hatte: „normalerweise muss das halten“. Aber Sepp hatte gelernt, nie aufzugeben. Schlimmeres ist ihm in all den Jahren nicht passiert, wie die Familie mit den drei Söhnen dankbar anmerkt. Der Betrieb hatte sich inzwischen ganz auf den Baustoffhandel konzentriert, der Bau des Güterweges in die Lamm gab dafür den Anstoß. Wieder reagierte Sepp rasch und stellte um. Gefahren wurde tagsüber, in der Nacht war der LKW zu reparieren, so die Erinnerung an den fleißigen Mann, der selbst als Pensionist aus dem Betrieb nicht wegzudenken war, der inzwischen über mehrere LKW und Bagger verfügt. Dass aus seiner bescheidenen Gründung ein sehr gefragtes Unternhemen geworden ist, war ihm eine große Genugtuung. Als er nach dem 80. Geburtstag zu fahren aufhörte, war er fast nur noch in der Werkstatt bei seinen geliebten Oldtimer-Traktoren und -PKW anzutreffen. Oder auf einer großen Reise, die er nach dem Tod seiner Gattin Herta mit Maria, seiner Lebenspartnerin unternahm. Seine Erkrankung nahm er hin wie sein ganzes Leben, wie Schiegertochter Vroni bewundern sagt: „er wollte es nicht wahrhaben, wie ernst es ist und meinte, auch hier nicht aufgeben zu dürfen.“



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