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  • bert brandstetter

Josef Honeder aus Weitersfelden (1932 - 2019): Ein Bäcker, der zum Geburtshelfer wurde

Als Josef Honeder 1961 die Bäckerei von seinem Vater übernahm, war sie bereits ein technisches Gustostückerl. Josef, der im selben Jahr seine Paula geheiratet hatte, wollte aber mehr: er richtete das erste Tagesespresso ein, die Idee dazu kam ihm bei einer seiner vielen Auslandsaufenthalte und er wurde mit dem Espresso zum Pionier. Dass er wirklich Bäcker wurde, war nicht ausgemacht. Josef ließ sich zugleich zum Kaufmann ausbilden und arbeitete einige Jahre in einem deutschen Zeitungsverlag. Der Duft guten Brotes war aber offensichtlich stärker und Josef übernahm schließlich den elterlichen Familienbetrieb in Weitersfelden in 3. Generation mit vollem Elan. Fleißig zu sein war dem Mühlviertler ja nicht fremd. Inmitten von fünf Geschwistern hatte er gelernt, sich durchzusetzen, den Weg zur Hauptschule nach Unterweißenbach legte er mit dem Rad zurück, während der Wintermonate fand er dort Kost und Quartier in einem Tanzsaal. Als jüngster Bäckermeister Oberösterreichs machte er noch die Ausbildung zum Berufschullehrer und unterrichtete Jahre lang angehende Bäcker in Freistadt. Als solcher wurde er zur gefragten Adresse für autolose Bürger, die ihm Botengänge zur Bezirkshauptmannschaft nach Freistadt anvertrauten. Einmal, so erzählte er gern, wurde ihm aber der Führerschein eines Mitbürgers nicht ausgehändigt, weil er nur den „Vulgo-Namen“ kannte. Engagiert war Honeder auch in der Gemeindepolitik, Bürgermeister Franz-Xaver Hölzl spricht noch in höchsten Tönen vom politischen Engagement des Bäckers, der von seinen regelmäßigen Gaifahrten sehr gut wusste, wo die Leute der Schuh drückt. Natürlich brachte Honeder seine Erfahrung auch in seine Innung ein, er war Obermeister der Bäcker im Bezirk Freistadt und Mitglied in der Landesinnung. Erfahrung gewann Josef Honeder bei seinen Fahrten in das Gai auch in völlig anderen Bereichen: wenn Not am Mann war, wurde er sogar zum Geburtshelfer oder zum Sterbebegleiter und zur medizinischen Assistenz mancher Ärzte, wenn sonst niemand zur Stelle war. Unverzichtbar war Honeder weiters als Tenor im Kirchenchor von Weitersfelden oder als Bassgeiger bei der örtlichen Stubnmusi. Wie überhaupt es ihm ein Anliegen war, mit seiner Paula und den inzwischen fünf Kindern zu musizieren oder zu reisen. Fort zu fahren war ihm stets eine große Freude, erinnern sich die Kinder, „das bildet und erweitert den Horizont“, habe er immer gesagt. Dafür und für die Ausbildung seiner Kinder investierte der ansonsten recht sparsame Honeder gerne Geld. Oft reichte ihm aber bloß ein Ausflug in den Wald mit ihnen oder einem seiner 12 Enkel, denen inzwischen bereits zwei Urenkel nachgefolgt sind. Im Wald, in dem er als Jäger liebend gerne mit seinem Hund unterwegs war, verstand er es zur Freude der Kinder, Pfeifferl und Boote zu fertigen. Als Chef galt Honeder als „sehr korrekt, nett und vor allem überhaupt nicht nachtragend“, wie Marianne Stöger sagt, die viele Jahre lang eine seiner Mitarbeiterinnen war. „Ich habe ihn oft noch besucht die letzten Jahre und er hat sich sehr gefreut und liebend gerne Auskunft gegeben über die verschiedenen Bäckereiprodukte. Er war halt ein Bäcker mit Leib und Seele“. Dass sein Betrieb nach seiner Übergabe an Sohn Reinhard auf 21 Filialen und über 200 Mitarbeiter angewachsen ist, hat Josef Honeder sehr beglückt, der selbst in den letzten Jahren wegen seiner notwendigen Dialyse eher zurückgezogen gelebt hat.



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