Suche
  • bert brandstetter

Josef Gangl aus Wels (1933 - 2021): Der Himmelträger von der Schafwiesen

„So ein Tag, so wunderschön wie heute“: Unzählige Male erklang dieses Lied bei verschiedenen Feiern im kleinen Bauernhof der Familie Gangl auf der Schafwiesen in Wels, aber nicht nur dort. Josef Gangl war begeisterter Hobby-Sänger beim Pernauer Kirchenchor und dieses eine Lied war eben sein Lieblingslied. Im Chor sang Josef Gangl Tenor und saß viele Jahre neben Robert Weber aus Krenglbach, der seinen Sangesbruder als „sehr musikalisch und gemütlich“ einschätzt. Zu singen gelernt hat Gangl daheim in seiner großen Familie mit den 11 Kindern, von denen er das drittletzte war. Bald wusste man im Eisenbahnergesangsverein seine Stimme zu schätzen, der junge Sepp wollte oder sollte aber Bauer und Hoferbe auf der Schafwiesen werden. Als Landwirtschaftsmeister galt es zunächst eine passende Frau zu finden, was ihm mit Berta Goldberger aus Zell an der Pram mehr als glückte, wie Sohn Josef bestätigt: „Mama ließ Vati gern in der ersten Reihe stehen, war im Hintergrund aber eine totale Gasgeberin“. Mit 33 wurde Hochzeit gefeiert, sechs Kinder kamen nach und nach dazu. Wie damals üblich, kannte der Hof noch keinerlei Spezialisierung. Bearbeitet hat er die Felder mit einem knallroten Traktor der Marke Ferguson, mit dem er auch so manches Leistungspflügen gewann. Gangl belieferte mit den Produkten, die bei ihm wuchsen, die Welser Markthalle, dann den Bauernmarkt und zuletzt noch den kleinen Markt in der Noitzmühle. Auf den Markt zu fahren war seine große Leidenschaft. Dort konnte er mit seinem Sohn nicht nur Verkäufe tätigen, sondern mit den Kunden reden und Neuigkeiten austauschen. Versorgt wurde Sepp dabei von seinen marktfahrenden Kolleginnen mit Tee, Kaffee oder einer kleinen Jause. Eine seiner Kundinnen, Waltraud Zeller, lobt ihn als sehr freundlichen und netten Herrn, an den sie sich deshalb gern erinnert, weil sie vor drei Jahren von den Gangls sogar eine Katze bekommen hat, die sich wegen ihrer Klugheit als Glücksgriff erwiesen habe. Seine Kinder erlebten Josef Gangl als strengen und eher zurückhaltenden Vater, was Emotionen betrifft, und doch: „In den letzten Jahren wurde Vati weicher und sanfter“, findet Sohn Josef. Heilig waren ihm seine kleinen Gewohnheiten, so bestellte er in Gasthäusern ausschließlich Wiener Schnitzel mit Pommes, er brauchte nie eine Speisekarte. Nicht widerstehen konnte Sepp Gangl allerlei Süßigkeiten, schon zum Frühstück genoss er jeweils Kakao mit viel Benco und mit noch viel mehr Zucker samt einem genüsslich bestrichenen Butter- und Honigbrot. Vor zehn Jahren reaktivierte Gangl den 60 Jahre alten Ferguson, ließ ihn aufwändig reparieren, um ihn bei kleineren Arbeiten wieder einzusetzen. In seiner Pension entdeckte er seine Freude am Kegelscheiben, Zeit fand er auch zum Kartenspielen beim Adam Jagerl, wo sich sein Stammtisch traf. Daheim am Hof pflegte er mit seinen beiden Enkelkindern Jonas und Jana das „Bauernfangen“, ein Kartenspiel, das in der Familie Gangl eine lange Tradition hat. Unverzichtbar war Josef Gangl neben Informationssendungen im Fernsehen der „Sturm der Liebe“. Versäumte er eine Folge, wurde tags darauf die Wiederholung eingeschaltet. Seine unglaubliche Fitness stellte Gangl vor drei Jahren unter Beweis, als er nach einer inneren Blutung die Gehfähigkeit verloren hatte und sie nach einem Reha-Aufenthalt immerhin für kurze Strecken wiedergewonnen hatte. Im Dezember fühlte er sich unwohl, musste ins Krankenhaus und er nahm nach vier langen Wochen Abschied von der Welt. Pfarrer Hans Bräuer erinnerte sich beim Begräbnis an ihn als „eher ruhigen Menschen, der überall stilllächelnd gern dabei war“. Vor allem aber war Josef Gangl zu Fronleichnam über viele Jahre einer der Himmelträger. Der Geistliche formulierte es so: „Er hat mir den Himmel offen gehalten“.




192 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen