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  • bert brandstetter

Josef Fischer aus Pasching (1935 - 2021): Bauer und Waidmann mit Begeisterung

Nicht gerade selten ist es beim Poschmayr am stattlichen Vierkanter in Thurnharting hoch her gegangen, erinnert sich Josef, der Sohn von Lini und Sepp Fischer, der seit 1996 den Betrieb führt. Bald kam er dahinter, dass seine Eltern ungewöhnlich gastfreundliche Leute waren, bei denen jedermann eine offene Tür fand. Vornehmlich Jäger trafen sich auf dem Hof und später in dem hübschen Backhaus, das Lini und Sepp als Auszugshaus bewohnten. Voest-Chef Peter Strahammer, dem gerne einmal die Patronen ausgingen, saß dort genauso gerne einmal wie Jägerpfarrer Hermann Scheinecker. Mit und neben ihnen alle möglichen Jagdkameraden, die mit Sepp Fischer, dem Paschinger Jagdleiter einen Abschuss zu feiern oder dies und jenes zu besprechen hatten. Ein Glas Wein durfte dabei nie fehlen, „der Papa liebte einen guten Tropfen“, sagt Josef Fischer jun. „Der Poschmayr war ein großzügiger Gastgeber und ein sehr guter Jagdleiter, ich habe als Schriftführer viel von ihm gelernt, mehr als von meinem Vater, der auch einmal Jagdleiter war“, gibt Heinz Aigner aus Pasching gerne zu, und weiter: „Er war aber auch ein kritischer Mensch, der offen sagte, wenn etwas nicht gepasst hat und daher sicher nicht jedermanns Freund war. Aber gerecht war er schon“. Nach 50 Jahren passionierter Jagd erhielt Sepp Fischer, der im Bezirk Lind-Land zusätzlich Bezirksjägermeister war, den Goldenen Bruch ein. Sepp, der umgangssprachlich für die meisten „der Poschmayr“ war, freute sich über die Ehrung wie über jede der vielen Trophäen, die sich im Lauf der vielen Jahre ansammelten: „Ein großer Trophäensammler war mein Vater interessanterweise nicht“, sagt sein Sohn Josef, der dem Vater nicht nur auf dem Hof, sondern auch als Jagdleiter nachgefolgt ist. „Viel mehr ging es meinem Vater um die Jagd als solches. Sie war für ihn untrennbar mit Grund und Boden verbunden. Das Wild war für ihn ein Geschöpf Gottes, das der Jäger hegt, pflegt und der Natur nachhaltig entnimmt. Mein Vater konnte sich riesig freuen, wenn er einen Abschuss einem Freund überlassen konnte. Im Gegenzug ging dann wieder einmal eine Einladung ins Salzkammergut auf eine Gams ein, was er gerne annahm“. Begleitet wurde Fischer bei seinen Ausgängen stets von einem seiner Hunde. Sechs davon hatte er in seinem Leben, alle von ihm persönlich für die Jagd bestens ausgebildet. Auch dabei war Fischer anerkannter Experte, fungierte er doch im Ausbildungswesen für Jagdhunde als Prüfungsrichter und als Jagdhundeführer. Auf seinem Poschmayrhof herrschte reger Betrieb mit bis zu 13 Beschäftigten. Wie damals üblich, wurde Viehzucht gleichermaßen wie Ackerbau betrieben. Jeder Hof galt als autarker Selbstversorger, dessen Herzstück war die Küche. Galt schon Sepps Mutter Maria als exzellente Köchin, war ihm als jungem Mann klar, dass seine Frau an ihr gemessen werden würde. Dabei drängte die Zeit. Sepp, der nach harten Internatsjahren in Steyr die Landwirtschaftsschule in Lambach mit Auszeichnung absolviert hatte, musste mit 25 Jahren nach dem plötzlichen Tod des Vaters den Hof übernehmen und gemeinsam mit seiner Mutter führen. Sein Glück bei der drängenden Brautschau fand er 1961 bei der Wirtstochter Karoline Jungmair beim Gasthaus „David“ im nahen Holzhausen. „Magst mit mir ins Kino gehen?“, fragte er sie und die Beziehung verfestigte sich mehr und mehr. Jeden Sonntag brachte er sie nach Linz zu einer Ausbildung in der Fleischerei Pammer. 1965 wurde geheiratet, drei Kinder, zu denen inzwischen drei Enkelkinder zählen, machten die Familie komplett. 1996, Sepp war 61, übergab er den Hof und die Last der Verantwortung an seinen Sohn und widmete sich fortan umso intensiver seiner Jagdleidenschaft. Die massive Veränderung in der Landwirtschaft verfolgte er als interessierter und sehr belesener Mann mit, ohne sich dabei noch groß einzumischen, wie Sohn Josef berichtet und vermutet. Sein Papa wollte in der Pension mit der neuen Zeit wenig zu tun haben, besaß aber einen Laptop und ein „Wisch-Handy“. Glücklicherweise blieb er bis fast zum Schluss fit, konnte Autofahren, musste sich im letzten Jahr aber mehreren Spitalsaufenthalten unterziehen. Er spürte die versiegende Kraft und meinte zu seiner Familie am Sterbebett: „Es gibt a Zeit, wo was entsteht und wachst, und es gibt a Zeit, wo sich das Leben zurückzieht“. Das Coronavirus nahm Sepp Fischer zuletzt die noch verbliebene Energie.




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