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  • bert brandstetter

Josef Ahammer aus Geboltskirchen (1945 - 2020): Ein Leben für den Krippenbau

Mit Weihnachtskrippen ist Josef Ahammer aufgewachsen, Weihnachtskrippen haben auch seine Pensionszeit intensiv bestimmt. Oft und gern ist er als kleiner Bub mit seinem Vater in Langwies aufgebrochen, um in Ebensee und Umgebung Kripperl anzuschauen und zu bestaunen. Damit war der Same im kleinen Sepperl gelegt, um später zu einem ganz Großen der Kripperl-Baukunst zu werden. Die Lehrer haben sein Talent bald gemerkt, weil er ein ganz hervorragender Zeichner war, dessen Bilder sogar in der Schule aufgehängt wurden. Zunächst aber ließ sich Ahammer zum Maschinenschlosser ausbilden und kam bei der Bahn unter, bei der er bis zur Pensionierung als Partieführer beschäftigt blieb. Eines Winters war er in Neumarkt/Kallham eingesetzt und lernte dort Elfriede kennen, die gerade ihre Schneiderlehre absolvierte. Nach der Hochzeit bezogen die Beiden Quartier in Langwies, wo ihre drei Kinder geboren wurden. Das Bedürfnis nach mehr Platz zum Wohnen konnte gestillt werden durch günstige Baugründe in Geboltskirchen, wo Elfis Schwester bereits verheiratet war. Irgendwann einmal fragte das Jugendamt an, ob in der Familie nicht Platz für ein Pflegekind wäre, und die Ahammers stimmten zu. 1983 kamen damit Birgit als vierjähriges Mädchen und 1988 auch noch Patrick als fünf Tage alter Bub in die Familie. „Wir haben sie im Herzen wie unsere eigenen Kinder“, sagt Elfriede, „auch mein Mann war ein sehr guter Pflegevater“. Problemlos war die Situation natürlich nicht, „wir hatten für das Jugendamt jede einzelne Ausgabe für die Kinder zu belegen“, sagt die Mutter. So wohl sich ihr Mann im Hausruck fühlte, so wenig ließ sich sein Heimweh in die Berge verbergen. Alle zwei Wochen stand eine Fahrt nach Ebensee auf dem Programm und irgendwann drang in ihm die alte Liebe zu den Krippen wieder an die Oberfläche. Elfi reagierte klug darauf und meldete ihn kurzerhand zu einer Krippenbau-Lehre in Lauffen an. Nach neun Jahren durfte er in Innsbruck die vierjährige Ausbildung zum Krippenbaumeister absolvieren, ab 1999 war er es schließlich, der die Berechtigung hatte, Kurse für die Krippenbaumeister des Landes zu geben. Überschattet wurde diese Zeit durch den tragischen Unfalltod von Sohn Michael, aber auch durch seinen wachsenden Hang zum Alkohol. Gattin Elfi erinnerte sich in der Zeit an das Prinzip, einen alkoholkranken Menschen kaum verändern zu können. Man müsse selbst etwas unternehmen, was sie nach vielen Überlegungen auch tat. 2003 verließ sie die gemeinsame Wohnung. Dieser Schock war der Grundstein für Sepps Heilung. Er blieb zwar starker Raucher, konnte aber den Alkohol lassen. Mit viel neuer Energie schaffte er es, die einzige Krippenbauschule des Landes nach Geboltskirchen zu holen, wurde deren Direktor, erhielt den Titel Konsulent, gab unzählige Kurse und baute Krippen über Krippen. „Er hat damit nicht viel verdient, ihm reichten persönliche Zuwendungen wie in einem Fall eine gemeinsame Wanderung auf den Feuerkogel“, erinnert sich sein Jugendfreund Fridolin Engl, dem Ahammer kurz vor seinem Tod voller Stolz sein Lebenswerk vorstellte: eine raumfüllende Krippe im Altenheim von Haag/Hausruck. 2006 legte Ahammer seine Funktion in der Krippenbauschule zurück, blieb in seinem Metier aber überaus aktiv. Drei Jahre vor seinem Tod fanden Sepp und seine Elfi wieder zusammen. Im betreubaren Wohnen von Geboltskirchen lebten sie Wohnung an Wohnung, „ich hab für ihn gekocht und gewaschen und bin sehr dankbar für diese letzte Zeit“, sagt sie. Sogar im Krippenbau wurden sie zum Team, eine Fensterkrippe erstellten sie gemeinsam, weil seine Kraft dafür alleine nicht mehr ausgereicht hatte. Eine Lungenkrankheit setzte Sepps Leben schließlich ein überraschendes Ende.




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