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  • bert brandstetter

Johnny Hartl aus Schleißheim (1956 - 2019): Brillanter Musiker in Uniform

Wer sich als Trompeter in der drei-gestrichenen Oktave zu bewegen weiß, gilt schon alleine deswegen als Seltenheit in der Branche. Bei Jonny Hartl kamen aber noch sehr viel mehr Fähigkeiten dazu. Er galt weitum als gefragter Arrangeur für Blasmusik, der aber auch selbst eindrucksvoll zu komponieren verstand. Die Archive vieler Blasmusikgruppen sind voll von Hartls Werken, der darüber hinaus als Spezialist für Big Bands galt. Leicht hatten es Musikanten nicht, wenn Jonny als Dirigent vor ihnen stand, schließlich zeichnete ihn sein absolutes Gehör aus, der falsche Töne schon im Ansatz ortete. Die Trompete war Hartls Instrument von Kindheit an, ohne es je so richtig erlernt zu haben. „Das meiste hat er sich selbst beigebracht“, meint Sohn Gerald Hartl, der nie von einer grundlegenden Musikausbildung seines Vaters gehört hat. Freilich, Musik war in der Familie Hartls immer ein Thema, der Vater nahm gern die Ziehharmonika zur Hand, die Schwester spielte Klarinette und Josef, wie er eigentlich hieß, eben die Trompete. „Schon mit 13 hat er in der Schleißheimer Kapelle mitgespielt“, weiß der jetzige Musikvereins-Obmann Hans-Peter Huber, „mit 15 war Jonny 1. Trompeter, mit 17 hat er alle Soli gespielt, 16 Jahre war er dann unser Kapellmeister.“ Beruflich wurde Hartl Fliesenleger, diesen Beruf übte er aber nicht lange aus, denn seitdem ihn die Militärmusik in ihren Bann zog, blieb er beim Bundesheer, sein letzter Dienstgrad war der des Vizeleutnants. „Militärisch war mein Vater vom Typ her eher gar nicht“, sagt Sohn Gerald, „ich habe ihn als sehr verständnisvoll, ruhig und besonnen erlebt.“ Umso leidenschaftlicher engagierte sich Hartl in der Militärmusik. 318 Arrangements für Blasorchester und verschiedenste Ensembles sind offiziell registriert, für deren Erstellung saß Jonny oft nächtelang vor dem Computer und den Notenblättern, „ohne zu fragen, was er dafür an Überstunden oder Geld bekäme“, wie sein Kollege Vizeleutnant Josef Strasser erzählt: „Jonny sah darin eine selbstverständliche, dienstliche und kollegiale Notwendigkeit.“ Nach 40 Jahren engagierter Arbeit musste Hartl die Militärmusik im Jahr 2015 aufgrund von Strukturmaßnahmen verlassen. Ein Faktum, das ihm wohl auch gesundheitlich zugesetzt haben dürfte. Denn als es für die Militärmusik politisch wieder bergauf ging, konnte Hartl nicht mehr zurück, zu angeschlagen war inzwischen seine Gesundheit. Gelenksprobleme und eine massive Sehschwäche schränkten seine Aktivitäten massiv ein, zuletzt waren es ernste Probleme an der Lunge, die sein Leben beeinträchtigten. „Er war die letzte Zeit bettlägerig, dort hörte er sich aber mit Vorliebe die von ihm arrangierten Stücke an“, erzählt Gattin Christa. Aufnahmen davon gab es ja jede Menge. Alois Hummer, gefragter Tonmeister im ORF, bestätigt die Professionalität Hartls, der manche Stücke „durch seine eingebauten Soli und Arragements geradezu mitkomponiert“ habe. „Hartl war gemütlich, unaufgeregt und sicher unter seinem Wert geschlagen“, sagt Hummer. Jonnys Bescheidenheit und Menschlichkeit bleibt vielen seinen Freunden neben seinen Werken auch weiter in Erinnerung. Er hinterlässt neben seiner Gattin Christa die Söhne Gerald und Mario, sowie 7 Enkelkinder.



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