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Johannes Wurzinger aus St. Florian (1957 - 2021): Der Lehrer der singenden Botschafter

“Er war einer, der immer drei Schritte voraus gedacht hat“, beschreibt Berta Denkmair ihren Kollegen Wurzinger von der Neuen Mittelschule. „Ein Stratege durch und durch, ein Mathematiker eben“, ergänzen Lehrerkollegen das typische Bild ihres Kollegen Hannes, der in den letzten 20 Jahren dafür verantwortlich war, dass die schulische Bildung der St. Florianer Sängerknaben neben all ihren Konzerten und Tourneen nicht zu kurz kam. Dies zu gewährleisten, war manchmal kompliziert. Da konnte es schon passieren, dass vor einer herbstlichen China-Tournee die Lehrer schon im Sommer für ein paar Tage anrücken mussten, um den Buben das beizubringen, was eigentlich erst für den Herbst gedacht war, wie sich Wolfgang Gruber erinnert, der pädagogische Leiter der singenden Burschen. Johannes Wurzinger war bei solchen Problemen sein wichtigster Ansprechpartner. Einmal pro Woche trafen sich die beiden zu einem Jour Fixe, um die komplizierten Details solcher Fragen zu besprechen und auch zu lösen. Eigentlich war Johannes Wurzinger Lehrer für Mathematik, Geographie und Sport. In dieser Rolle lernte er alle Sängerknaben kennen. Einer davon, der es zu Berühmtheit brachte, ist der DJ Rene Rodrigezz. Nicht weniger berühmt geworden ist Alois Mühlbacher, der Wurzinger als Sportlehrer erlebt hat. „Der hat uns super motiviert für den Sport, er hat sich aber auch viele unsere Konzerte angehört“, streut ihm der junge Countertenor Rosen. Liebend gern nahm Wurzinger an Projektwochen seiner Schüler teil, selbstverständlich auch an Schulschikursen, auf denen seine „ungemein lustige Seite ganz besonders zur Geltung kam“, wie Direktorin Berta Denkmair ergänzt.

Als legendär galten Wurzingers Faustballmannschaften, erwähnt der neue musikalische Leiter der St. Florianer Sängerknaben, Markus Stumpner in einem Facebook-Posting zum Tod des „hoch angesehenen Lehrers, Kollegen und Freundes“. Selbst eigentlich weniger musikalisch, machte sich Wurzinger die pädagogische und organisatorische Förderung der Sängerknaben quasi zur Lebensaufgabe. Lehrer werden zu wollen, das wusste Wurzinger schon, als er selbst noch in die St. Florianer Hauptschule ging. Er musste nicht lange warten, um sein Ziel zu erreichen. Nach dem Studium und einem kurzen Intermezzo in Grein saß er bereits im Lehrkörper seiner ehemaligen Schule. Eingesetzt war er nebenher als Lernhelfer im Internat der Sängerknaben. Durch die immer zahlreicher werdenden Auftritte des Knabenchores war eine perfekte Abstimmung zwischen Sängerknaben und Schule notwendig, was Wurzinger 1997 mit Wolfgang Gruber übernahm. Der engagierte Pädagoge war zu der Zeit längst verheiratet mit Brigitte und glücklicher Vater von Sohn Gregor. Mit ihnen verbrachte er gern Zeit auf Reisen in Europa und erwies sich laut Brigitte als „immer ruhig und sehr liebevoll. Daheim hätte man gar nicht gemerkt, dass er Lehrer war“. Radtouren mit Freunden, Tennismatches oder Volleyballspiele bereicherten sein Freizeitleben ganz wesentlich. Einmal pro Woche nahm sich Hannes Zeit für einen Stammtisch mit den Burschen aus seiner Jugendzeit, es war der „Schlümpfe-Stammtisch“. Etliche Jahre stand er der Feuerwehr von Bruck-Hausleiten als Mitglied zur Verfügung. Vor gut zwei Jahren ereilte ihn erstmals die Diagnose „Speiseröhrenkrebs“ und auch danach erwies sich Hannes als Kämpfer. „Er war unheimlich stark und er hat in all den Phasen immer mich getröstet“, ist ihm seine Frau Brigitte dankbar. Erst Ende Februar, als alle Hoffnung dahin war, konnte er sein Schicksal annehmen. Neben seiner Frau und seinem Sohn betrauern seinen Tod die Mutter und die Schwiegermutter, aber auch hunderte Sängerknaben, denen er ein strenger, aber hochgeachteter Lehrer war.




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