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  • bert brandstetter

Johanna Luger aus Windhaag bei Perg (1958 - 2019): Ideales Beispiel für lebenslanges Lernen

Aktualisiert: Feb 5

Wie ein Blitz hat die Nachricht über den Tod von Johanna Luger bei ihren vielen Bekannten eingeschlagen. Nur wenige ehemalige KollegInnen wussten von ihrem ernsten Gesundheitszustand. Johanna wollte nicht gerne darüber sprechen, viel lieber kümmerte sich um das, was ihr wirklich wichtig war. Zum Beispiel um das Museum des Kulturvereins Windhaag-Altenburg, dessen Schriftführerin sie seit 2002 war. Eine ihrer letzten Fahrten ging mit dem Verein nach Hall in Tirol, um dort das Museumsgütesiegel in Empfang zu nehmen, für das sie extra den Kustodiats-Lehrgang absolviert hat, wie der Windhager Bürgermeister und Museums-Obmann Ignaz Knoll erzählt. „So jemanden wie die Johanna als Nachfolgerin zu finden, wird ganz schwer sein“, fürchtet Knoll, der auch die Späße vermisst, die mit ihr zu erleben waren. Eigentlich war Johanna Luger aber Lehrerin für Englisch und Geschichte. 40 Jahre war sie leidenschaftliche Pädagogin an der Neuen Mittelschule in Naarn, seit 2014 auch deren Direktorin. So engagiert wie sie ihre Schüler betreut hat, waren ihr dann auch ihre Lehrer ein Anliegen. Unvergessen bleiben die 40 selbstgebackenen Osterlämmer, die Luger ihrem Kollegium geschenkt hat. „Sie wollte mit aller Kraft aus unserer NMS eine Vorzeigeschule machen“, sagt der Naarner Bürgermeister Martin Gaisberger. „EDV war ihr ein wichtiges Thema, dafür haben wir 20 Tabletts angeschafft“. Ihr Stellvertreter Werner Luegmayr bestätigt das volle Engagement der bisherigen Chefin: „sie hatte die Zügel fest in der Hand, ließ uns aber trotzdem viel Freiheit“. Sie gab vollen Rückhalt für alle möglichen pädagogischen Initiativen: für das Kindertheater, auch für die Fußballer, deren Spiele sie in der Freizeit besuchte. Ganz wichtig war es Luger auch, den Blick ihrer Schüler auf Europa zu schärfen, etwa durch die Projektwoche London-Brüssel, die sie Schülern zehn Jahre lang ermöglichte. Lebenslanges Lernen verschrieb sich Johanna Luger auch selbst: sie erwarb nebenberuflich mehrere Master-Titel über Begabtenförderung, Pädagogik an Gedächtnisorten bis hin zu Suchtprävention. Jede Form von Bildung ließ sie gemeinsam mit ihrem Gatten Hans auch dem gemeinsamen Sohn Martin angedeihen, der die Schule seiner Mama fast als eine Art zweites Wohnzimmer erlebte: „von klein an war ich oft mit Mama in der Schule“, kein Wunder, dass auch er als seine Grundausbildung die Lehrfächer Englisch und Geschichte wählte. „Um nicht ganz ihre Kopie zu sein, nahm ich noch Geographie dazu.“ Die kulturelle Offenheit von Johanna Luger unterstreichen auch etliche Einladungen zu Hochzeiten ehemaliger Schüler in muslimischem Ritus, auch zum Fastenbrechen nach dem Ramadan war sie öfters geladen. Und dann war noch die ganz private Johanna Luger, die mit ihrer Familie gleich neben dem Bauernhaus lebte, auf dem sie aufgewachsen war. Dort konnte sie auftanken und neue Ideen ausbrüten. Dort lebte sie auch ihr Hobby in der Küche aus: „Am besten schmeckte mir ihre Diplomatentorte, aber auch die Linzer Torte war herrlich“, schwärmt Martin und er berichtet von der neuen Küche im Bauernhof, die seine Mama bis ins letzte Detail ausgesucht hat und im einbauen ließ. „Leider war sie schon zu schwach, um sie in Betrieb zu nehmen, aber sie hatte eine Riesenfreude daran.“ Vom Spital aus organisierte die engagierte Pädagogin noch wichtige Erledigungen für ihre Schule, bevor sie Mitte Mai ihre Augen für immer schloss.



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