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  • bert brandstetter

Johann Gassner aus Bad Kreuzen (1928 - 2019): Seine Heimat waren der Wald und die Musik

Aktualisiert: 20. Dez 2019

Auf der Speckalm, wo jedes Jahr viele Touristen gerne einkehren, um im besonders wildromantischen Mühlviertel Ruhe zu finden, hat das Leben von Johann Gassner begonnen. Dort wuchs er auf, von dort zog er nach Volksschule und Arbeitsdienst mit den Dreschern von Haus zu Haus. Bei einem dieser Arbeitseinsätze lernte er seine Margund kennen und lieben, die auf dem wunderbar gelegenen Weypolt-Hof lebte. Die beiden heirateten und bekamen fünf Kinder. Nach dem Besuch mehrerer Fachkurse in der Schweiz traf Hans eine nachhaltige Entscheidung: er stellte die 12 Hektar Feldfläche seines Hofes auf Bio um. Was heute so einfach klingt, war damals von viel Gegenwind begleitet, wie Sohn Burghard weiß: „die Kammer war dagegen, Widerstand kam auch von den damaligen Stickstoffwerken.“ Aber Hans, der damals bei seinen Berufskollegen schon viel Respekt genoss, ließ sich nicht beirren, massiv unterstützt auch von seiner landwirtschaftlich ausgebildeten Schwiegermutter, der Tochter eines weitum geachteten Augenspezialisten, die in den Kriegsjahren das Weypoltgut gekauft hatten. „Vater setzte zum Beispiel auf alte Schweizer Erdäpfelsorten, die wir sogar jetzt noch anbauen können, weil sie so gut und resistent sind“, sagt Sohn Burkhard, der den Hof im Jahr 2000 übernommen hatte. Hans beließ es nicht bloß beim Bauernberuf. Weil Bedarf war, übte er sich auch als Unternehmer. Mit einem alten VW-Bus transportierte er die Milch der Umgebung in Kannen zum Stützpunkt der Molkereien, später stieg er auf einen Traktor mit Anhänger um. „Immer war er in Eile, da konnte es schon passieren, dass er das eine oder andere Mal in einer Kurve eine Kanne verlor“, schmunzeln seine Nachkommen. Später übernahm er im benachbarten Grein die Schülertransporte. In Grein, wo der Weypolthof pfarrlich integriert ist, spielte Hans so richtig auf. Mit seiner tiefen Trompete und dem Tenorhorn war er Mitglied der Stadtmusikkapelle. „Trotz seiner intensiven Arbeit in der Landwirtschaft hat er uns nie hängen gelassen“, lobt der frühere Obmann Hannes Kelcher die über Jahrzehnte dauernde Verlässlichkeit Gassners, die erst kürzlich mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt wurde. Zum Hof gehören 16 Hektar Wald, was nahelegt, dass Gassner zum Jäger wurde. Und wieder zeigte sich die Verlässlichkeit als eine seiner prägenden Charaktereigenschaften, was Landtagspräsident Viktor Sigl bei seiner Grabrede als Jagdkamerad herausstellen wird. Und einen weiteren wichtigen Sektor gab es im langen Leben des Johann Gassner, um den neben Gattin Margund 12 Enkel und fünf Urenkel trauern: die Imkerei. Die Lage seiner Hofes ist der Grund, warum Hans jeweils „den dunkelsten Waldhonig weit und breit geschleudert hat“, wie Norbert Meindl von den Imkern sagt. „Seine Hütte stand neben einem ganz wunderbar gelegenen Obstgarten, die Arbeit dort gab ihm in schwierigen Stunden ganz viel Kraft“, sagt Meindl. Diese brauchte er, als vor etwa 10 Jahren der Wirtschaftstrakt des Hofes abbrannte, aber wieder gänzlich aufgebaut wurde. „Er war der beste Papa der ganzen Welt“, schwärmt Tochter Waltraud, die sich nicht erinnern kann, dass er „jemals geschimpft hätte“. Statt dessen erinnert sie sich an unzählige seiner Geschichten vom Jagen und vom Imkern, die er den Kindern gerne erzählte. „Seine Welt war der Wald und die Musik“, meint sie, aus diesen Hobbys zog er immer wieder den Mut, neu aufzustehen, wenn ihn ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall gestreift hatte. „Papa überwand jede Intensivstation, wurde immer wieder gesund und ist jetzt völlig friedlich eingeschlafen“. Dass seine Musik-Kameraden beim Begräbnis am 27. August in der Greiner Pfarrkirche um 10 Uhr rund um den Sarg aufgestellt sein und das berührende Lied „is Feierabend“ spielen werden, entspricht der Ehre, die sich Hans Gassner bei ihnen, aber nicht nur bei ihnen erworben hat.



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