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Jakob Kopp aus Linz (1930 - 2019): Stiller Künstler mit markanten Spuren

Nutztiere gab es auf dem stattlichen Vierkanter im Leondinger Zaubertal schon lange nicht mehr, aber jede Menge Vögel, Katzen und Hunde fühlten sich dort sehr Zuhause. Zumindest, solange der Künstler Jakob Kopp dort wohnte, denn „Schaki“, wie er unter Freunden hieß, hatte ein Herz für diese Tiere. „Er fütterte sie, schaute ihnen zu und hatte seine Freude an ihnen“, sagt Prälat Joe Mayr, zu dem Kopp großes Vertrauen verspürte, auch als dieser nicht mehr Pfarrer von St. Margarethen war, in der Kopps Vierkanter steht. Sehr gläubig erlebten viele Menschen Kopps innere Haltung, wenn auch von einer „kindlich-naiven Art getragen, die ihn ganz besonders liebenswert machte“, wie es Hans Gruber beschreibt, der als weiterer geistlicher Begleiter gilt. Jakob Kopp konnte aber auch kritisch sein. In bissigen Karikaturen nahm er Persönlichkeiten von Politik und Kirche gern aufs Korn und drückte auf diese Weise seine Meinung aus. Gelernt hat er diese Kunstform möglicherweise von seinem Vater Karl, einem gebürtigen Schweizer aus dem Kanton Luzern, den es nach Linz verschlagen hatte und der selbst immer wieder Karikaturen anfertigte. Dessen Frau, Jakob Kopps Mutter, war als Aquarellistin bekannt. Jakob besuchte die Linzer Kunstgewerbeschule und absolvierte zwei Studiengänge an der Kunstschule: Malerei bei Karl Hauk, Bildhauerei bei Walter Ritter. Als „überdurchschnittliche Begabung“ wurden seine Leistungen im Zeugnis beurteilt, und: „Er beherrscht den Aufbau des Kopfes und der Aktfigur und erzielte ausgezeichnete Erfolge in freier Komposition“. Dermaßen geadelt begann Kopp seine künstlerische Berufsarbeit. Das Angebot seines Lehrers Ritter, seine Nachfolge anzutreten, schlug er aus, er fühlte sich nicht zum Lehrer berufen. Statt dessen versuchte er sein Glück in der Schweiz, wo er von 1952 – 1965 in Zürich lebte und zahlreiche Aufträge ausführte. Ab seiner Rückkehr nach Oberösterreich widmete er sich vorwiegend der sakralen Kunst. Einen schweren Schlag versetzte ihm 1967 der Unfalltod eines seiner drei Brüder, der als Taucher im Donaukraftwerk Mitterkirchen auf tragische Weise ums Leben kam. Auf seinem Bauernhof im Zaubertal stürzte sich Kopp, der als Junggeselle lebte, in die Arbeit und schuf markante und viel beachtete Werke: unter anderem gestaltete er die steinerne Brunnenanlage vor dem Krankenhaus Kirchdorf, das 13 Meter lange Relief in der Leondinger Kürnberghalle, das Bronceportal des Doms von St. Pölten oder das große schwarze Kreuz am Linzer St. Barbarafriedhof. Werke von Jakob Kopp befinden sich überdies im Besitz zahlreicher ehemaliger Petriner Maturanten. Wer immer sich von Spiritual Gunter Janda trauen ließ, erhielt als Hochzeitsgeschenk ein Kreuz von Jakob Kopp. Die Öffentlichkeit ehrte das künstlerische Wirken auf mehrfache Weise: Kopp erhielt schon 1988 das Ehrenzeichen seiner Heimatstadt Leonding, nach ihm wurde in der Nähe seines Hofes eine Straße benannt, der Bundespräsident ernannte ihn zum Professor, der Landeshauptmann verlieh ihm die Kulturmedaille. Mit Ausdauer pflegte der „stille, bescheidene und warmherzige Mensch“, wie ihn seine Nichte Eveline Oster schildert, die Mutter bis zu ihrem Tod im 102. Lebensjahr. Er selbst kam vor drei Jahren ins Seniorenheim Leonding, wo er laut Prälat Mayr aufgrund seines schweren Leidens einen „gnädigen Tod“ erlebte. Das Begräbnis fand vergangenen Samstag statt. Die Urne von Jakob Kopp wird unter dem von ihm geschaffenen schwarzen Kreuz am Barbarafriedhof bestattet.



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