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Theresia Populorum aus Pierbach (1925 - 2019) Jahrzehnte lange Energie für ihre Gäste

Aktualisiert: 22. Dez 2019

Mutter von vier Kindern, ein Wirtshaus, eine Landwirtschaft, eine Fleischhauerei und zum Drüberstreuen noch ein Kaufgeschäft. All das hatte Theresia Populorum in ihrem Leben zu schaukeln und sie ist damit fast 95 geworden. Geboren wurde sie als ältestes von 9 Kindern in einem Bauernhaus in Königswiesen. Alle acht Geschwister waren Brüder, die junge Resi war natürlich angehalten, fleißig mitzuarbeiten und bei der Erziehung mitzuhelfen, auch, als ihre Eltern ein Kaufgeschäft übernahmen. 1947 trat der junge Wirt Ignaz Populorum aus Pierbach in ihr Leben. Sie heiratete ihn und übernahm zugleich mit ihm die bereits beschriebene Berufsvielfalt. Nach der Geburt ihrer Kinder erkrankte ihr Mann schwer, er war über Jahre hinweg zu betreuen, bis er 1986 starb. Zuvor trennte sich Theresia von der Landwirtschaft und der Fleischhauerei sowie vom Kaufgeschäft, um die gesamte Energie in das aufstrebende Wirtshaus lenken zu können. Für das Leben in Pierbach blieb aber dennoch Zeit: Frau Populorum wurde Fahnenpatin der Feuerwehr, sie war maßgeblich dabei, als die erste Goldhaubengruppe gegründet wurde und sie ließ sich sonntags natürlich auch in der Kirche sehen. Von der großen weiten Welt konnte Theresia eher wenig erfahren, bloß einmal unternahm sie mit der Pfarre eine Reise nach Israel. Im Gasthaus war sie in ihrem vollen Element. „Der Gast ist König“, war ihr Leitspruch, den ihr Enkel Albin, der jetzige Wirt, oft und oft zu hören bekam. „Da musste auch das Wohl der eigenen Familie mitunter hintanstehen, wenn es das Geschäft erforderte“. Aber das Geschäft lief immer besser, sicher auch wegen der guten Küche: „das allerbeste war immer ihr Schweinsbraten“, schwärmt Tochter Martha Schartlmüller, die ihr als Wirtin nachgefolgt ist. Legendär war der Wortwitz von Theresia Populorum, die, selbst äußerst hager, dem einen oder anderen gut beleibten Gast schon auch einmal unverblümt mitteilte, dass er „aber ziemlich gut aussehe“. Ihr Wohnzimmer war die Gaststube. Dort las sie täglich ihre Oberösterreichischen Nachrichten, dort spielte sie mit Gästen liebend gerne „Schnapsen“ und von dort bezog sie ihre Informationen über das Geschehen in Pierbach. „Sie war eine Wirtin mit Leib und Seele“, bestätigt Bürgermeister Richard Lehner und Feuerwehr-Kommandant Manuel Sigl hat es ebenfalls immer wieder erlebt, wie sich die bereits alt gewordene Seniorwirtin an den Tisch der Feuerwehrkameraden setzte und sich für sie interessierte. Selbst schwere Schicksalsschläge wie der Tod von 7 Brüdern, von zwei Schwiegersöhnen und einem Enkel brachten sie nicht zum Aufgeben. „Sie hat nie mit ihrem Schicksal gehadert“, erinnert sich ihre Tochter Martha. Sogar in der Küche war Theresia vor wenigen Monaten noch anzutreffen. „Dort betätigte sie sich sitzend beim Kartoffel- oder Knoblauchschälen“, staunt die Tochter über ihre unglaublich agile Mutter. Die letzten fünf Jahre musste sie freilich zunehmend mehr betreut werden, vor drei Monaten wurde sie in das Seniorenheim Bad Zell übersiedelt, wo sie sich gut eingelebt hat. Das nicht ganz ernst gemeinte Angebot der dortigen Schwestern, sich in der Küche zu beteiligen, lehnte sie freilich mit dem absolut einleuchtenden Argument ab, dies habe sie lange genug gemacht. Das Begräbnis von Theresia Populorum ist morgen Donnerstag, 19.12. ab 13 Uhr 30. Bei der anschließenden Zehrung wird Schweinsbraten serviert, die Lieblingsspeise der Verstorbenen. Ein Bruder, ihre vier Kinder, sowie deren acht Enkel und acht Urenkerl trauern um eine starke Persönlichkeit.




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