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  • bert brandstetter

Ing. Manfred Weber aus Ternberg (1936 - 2020): Bürgermeister mit Ecken und Kanten

Selbst wenn in der Gemeindestube manchmal die Fetzen auch noch so flogen und der Kopf des Herrn Bürgermeisters knallrot angelaufen war – Manfred Weber konnte seinen Kontrahenten nach den harten Diskussionen immer wieder in die Augen schauen. So erlebte es zumindest der amtierende Bürgermeister Leopold Steindler. Die beiden standen lange Jahre gemeinsam an der Spitze der Gemeinde: Weber als ÖVP-Bürgermeister, Steindler als sein Vize von der SPÖ. Politik und Privatleben trennen zu können, scheint die Spezialität Webers gewesen zu sein und er ist gut gefahren damit. Von 1973 an stand er nebenberuflich im Dienste der Gemeindepolitik, von 1985 – 1991 als Vize, bis 2003 dann als Bürgermeister. „Er hat seine Anliegen sehr zielgerecht und konsequent verfolgt“, bescheinigt ihm sein rotes Gegenüber und nennt spontan einige große Baustellen der Ära Weber: Die Ennsbrücke, der Bauhof, das Amtshaus, die Kabelfernsehanlage, das ASZ oder das Museumsdorf Ternberg-Trattenbach. „Eine gewisse Portion Sturheit war beim Fred nicht von der Hand zu weisen“, erklärt sich Steindler den nachweisbaren Erfolg seines Kollegen bei all diesen Projekten. Freunde habe er sich damit vor allem in Linz nicht wirklich gemacht, aber auch das habe Fred tapfer durchgestanden. Sogar Parteifreunde taten sich mitunter schwer mit ihm und hatten manche Sträuße auszufechten. „Er war einfach ein visionärer Vorprescher“, sagt Peter Sporn, der ihn manchmal bremsen musste. „Diskutiert haben wir vieles auf dem Hochstand so lange, bis ich ihn daran erinnerte, dass wir heute auch noch Hasen sehen möchten“. Die Jagd war Webers großes Steckenpferd. Fast 40 Jahre trug er den grünen Rock. Unvergessen sind seinen Kameraden dessen Einladungen auf eine Gamsjagd ins Dachsteingebiet. Auch als Jäger zog Fred Spuren, wie Peter Sporn erzählt: „Fred erfand die Spiegel-Theorie. Nach seiner Überzeugung konnte man am Hinterteil der Rehe, den man Spiegel nennt, deren Alter erkennen. Darüber wurde natürlich in unseren Kreisen viel diskutiert, Fred schoss dennoch nicht immer das richtige Reh“, plaudert Sporn ein wenig aus der Schule. Gern stand Weber auf den Schiern, seine Jahreskarte in Hinterstoder war ihm wichtig. Aufgewachsen ist Weber in Weyer mit einem Zwillingsbruder und einer älteren Schwester. Nach der HTL in Linz trat er 1969 in die Ennskraftwerke ein, heiratete Erna Walcher und bekam mit ihr zwei Söhne. Als sie 41 war, starb sie an Leukämie. Zu seinem Glück fand er in der Arbeitskollegin Margarete eine neue Partnerin, mit der er 1982 Hochzeit feiern konnte. Mit ihr lebte er seine Wanderlust in den Bergen aus, mit ihr teilte er die Freude an seinem Haus in der Ramsau, in dem sie fast alle Urlaube verbrachten. Genossen hat er Margaretes gute Küche, die ihm die nötige Kraft für sein außerhäusliches Engagement gab. Ganz wichtig war Manfred Weber das Rote Kreuz. Fast 20 Jahre lang besetzte er wichtige Funktionen in der Ortsstelle und auf Bezirksebene. Und wieder fielen in seine Amtsperiode Neu- und Ausbauten, hinter denen viel Organisationsaufwand steht. Das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen wird Weber auch hier als großer Verdienst zugeschrieben. „Sicher hätte Fred die Bürgermeisterwahl noch einmal gewonnen“, stellt Jürgen Felberbauer fest, der jetzt als ÖVP-Vizebürgermeister agiert, er hat aber aus Altersgründen aufgehört, blieb dem politischen Geschehen jedoch hochinteressiert verbunden. Dass ihn die Gemeinde zum Ehrenbürger ernannte, krönte sein politisches Lebenswerk und machte ihm sichtlich Freude. In letzter Zeit wurde Weber müde und ein wenig vergesslich. Als seine Frau nach ihm schaute, lag er tot im Bett, ohne lang gelitten zu haben.



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