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RR Ing. Johannes Ruttinger aus Leonding (1931 - 2019): Erfülltes Leben trotz massiver Rückschläge

Aktualisiert: Feb 10


Es ist kein guter Start ins Leben, wenn rundherum eine bisher nie da gewesene Weltwirtschaftskrise jeden Aufschwung verhindert und die Eltern eine Schmiede betreiben. Johannes Ruttinger ist das passiert. Seine Eltern hatten in Neumarkt am Hausruck neben ihm fünf ältere Kinder zu ernähren, was nur durch die angeschlossene kleine Landwirtschaft möglich war. Doch das Schicksal wusste es noch schlimmer: Als Johannes fünf war, starb der Vater. Seine Mutter hatte von da an auch die Verantwortung für die Firma zu tragen, was sie ohne laut zu murren tat. Der kleine Johannes humpelte ihr und seinen Geschwistern trollig hinterher und erst nach Schuleintritt wurde klar, dass sich hinter der falsch verstandenen Trolligkeit eine ausgewachsene Hüftluxation verbarg. Ein ganzes Jahr lang musste Johannes daraufhin in einem Gipsbett verbringen, die Schule versäumte er nur deswegen nicht, weil ihn die Schwester mit dem Leiterwagen zum Unterricht brachte. Für körperliche Arbeit hielt ihn die Mutter nicht für fit genug, als Ausgleich durfte er studieren. Die HTL in Wels begann er nach Kriegsende und fand als Maturant sofort einen Arbeitsplatz in den Steyr-Werken. Bald jedoch erging an ihn der Ruf, in einer Berufsschule zu unterrichten, was er gerne tat, bis er zum Berufsschulinspektor ernannt wurde. Um nicht in der Administration zu ersticken, schrieb er mehrere fachspezifische Schulbücher für die angehenden Techniker. Zwischenzeitlich hatte Johannes Ruttinger eine Familie gegründet. Seine Frau Marianne war ihm schon lange als Verkaufslehrling in seinem Heimatort aufgefallen, 1955 wurde Hochzeit gefeiert und vier Kinder gingen daraus hervor. Das Leben in einer Familie war Ruttinger so wichtig, dass er später im Rahmen der Pfarre mit seiner Frau mehrere Familienrunden leitete. Überhaupt war ihm das pfarrliche Leben als sehr gläubigem Menschen ein Anliegen. „Im Rahmen der Katholischen Männerbewegung tat er sich als Computerspezialist hervor, der für uns viele Plakate entwarf und drucken ließ“, erinnert sich KMB-Obmann Konrad Holoubek. Nicht unwichtig war Ruttinger weiters das Tarockspiel oder so mancher Kegelabend, wo er „trotz seiner angeborenen Hüftprobleme gute Ergebnisse machte“, wie Holoubek weiß. So richtig in seinem Element war Ruttinger freilich dort, wo er kaum Schmerzen hatte: im Wasser. „Mit 58 entdeckte er das Tauchen, das ließ ihn nicht mehr los, bis er 80 war“, sagt Tochter Eva Sigl, „die Unterwelt des Meeres faszinierte ihn unglaublich“. Fahrten zum Meer erlebte die Familie Ruttinger aber schon viel früher: „mit dem hoch aufgepackten Puch 500 fuhren wir zu sechst nach Italien oder Kroatien zum Schnorcheln“, plaudert Eva aus der Familiengeschichte, die freilich nicht immer nur sonnig war. Es war ein nachvollziehbarer tiefer Schock, als 2011 sein Sohn Johannes samt Frau und den beiden Kindern bei einem Flugzeugabsturz in Frankreich ums Leben kam. „Eineinhalb Jahre hat der Papa damit gekämpft, bis er sich wieder erfangen hat“, sagen seine Kinder. Dann sah man ihn wieder auf Schipisten oder bei Radtouren, wie zuletzt 2018 mit einem seiner neun Enkel. Seine erstaunliche Fitness hatte der immer elegant wirkende Mann vom täglichen Morgensport, wie die Töchter wissen. Noch im Herbst übergab er alle Finanzgeschäfte an sie, kurz vor Weihnachten erlitt er eine Gehirnblutung, bevor er am Festtag selbst wieder bei vollem Bewusstein war, sich für sein schönes Leben bedankte und friedlich starb. Am 2. Jänner wird er um 11 Uhr in der Pfarrkirche Leonding verabschiedet. Um ihn trauert Gattin Marianne mit den Familien ihrer drei Töchter und den 10 Urenkeln.


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