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  • bert brandstetter

Ing. Friedrich Laimer aus Perg (1925 - 2021): Der Ölscheich vom Kerngraben

Die Damen der Krankenkassen werden die regelmäßigen Besuche vermissen. Mit seinem legendären Charme legte ihnen Fritz Laimer die Abrechnungen der Hausapotheke seines Sohnes vor, der in Mitterkirchen und Arbing eine Ordination betrieb. „Die Bilanzen der Hausapotheke waren das Werk meines Vaters, er erstellte sie penibel genau. Eine Katastrophe für ihn, wenn es einmal auf einen Cent genau nicht stimmte“, erinnert sich Dr. Wolfgang Laimer. Die Abrechnungen persönlich nach Linz zu bringen, war Ehrensache für seinen Vater, der auf diese Weise auch seiner lebenslangen Liebe zu Autos nachgehen konnte. 14 Fahrzeuge dürften es schon gewesen sein, nach einem Roller in den 1950-er Jahren folgten einige VW-Käfer, dann wechselte Laimer auf Audi, noch vor wenigen Jahren erstand er seinen letzten Audi Q 2. Eine zunehmende Sehstörung beeinträchtigte das Fahrvergnügen, Fritz Laimer wusste sich aber zu helfen. Für schnellere Fahrstrecken ließ er die Pflegerin seiner Frau ans Steuer. Ab Luftenberg übernahm wieder er das Lenkrad, weil er sich in Linz besser auskannte als die Slowakin. Buchhalter war Friedrich Laimer nicht nur für die Hausapotheke seines Sohnes. Auch im Verschönerungsverein der Stadt Perg schaute er finanziell nach dem Rechten. „Fritz war extrem genau“, sagt Ehrenobmann Josef Krois über seinen Kollegen und Freund, mit dem er nach manchen Sitzungen schon gerne einmal auf ein Glaserl ins Wirtshaus ging. Fritz als guter Rechner und extrem guter Kalkulierer kam seinen Nachbarn im Kerngraben immer wieder zu Gute. Für sie organisierte er Sammelbestellungen für den jährlichen Heizölbedarf. „Bei ihm konnte man sich ungeschaut sicher fühlen, den jeweils besten Ölpreis zu erhalten“, lobt ihn Nachbar Alfred Werfer. Nach der Schulpflicht absolvierte der auffallend technisch begabte Fritz die Bundesgewerbeschule (später HTL) in Linz, gleich nach der Matura ereilte ihn 1943 die Einberufung zur Wehrmacht. Nach ersten Einsätzen in Nordfrankreich sollte er in Graz zum Piloten ausgebildet werden. Die Kriegswirren brachen die Ausbildung ab, Fritz kam nach Wien und von dort in russische Kriegsgefangenschaft. Auf dem Transport in das Gefangenenlager gelang ihm bei Waidhofen/Ybbs die Flucht. Als Landarbeiter verkleidet erreichte er Ende Mai 1945 zu Fuß seinen Heimatort. Der Kameradschaftsbund Perg betrauert mit ihm laut Obmann Rudolf Tischlinger seinen letzten Weltkriegsteilnehmer. Kurz versuchte Laimer nach dem Krieg Anstellung bei einem Automechaniker, bevor er als technischer Zeichner seine beachtliche Karriere in der nachmaligen Voest begann. Bald war er Abteilungsleiter im späteren Industrieanlagenbau und Chef von 100 Mitarbeitern. Von seinen vielen dienstlichen Auslandseinsätzen in alle Welt erzählte er besonders gern über sein China-Abenteuer. Dort herrschte während der Kulturrevolution gerade Ausgangssperre, weil Mao Tse Tung in Peking unterwegs war, den Laimer von seinem Hotelzimmer aus persönlich im Konvoi ausnehmen konnte. „Die Voest war sein Betrieb“, erinnert sich Sohn Wolfgang, „nach seiner Pensionierung 1985 war er noch als Konsulent tätig und er behielt sich auch das Dienstzimmer im Voest-Hotel am Spallerhof, in dem er auch schon nach der Heirat mit Hilde die Woche über gewohnt hatte. Bei seinen vielen Reisen in die ganze Welt entstanden zahllose Super 8 Filme und Dias. Das fotografische Gen dürfte er an seinen Sohn vererbt haben. Dieser konnte mit seinem fotografischen Hobby auch zur Freude des Vaters viele nationale und internationale Preise gewinnen. Zum Familienmenschen mutierte Fritz Laimer erst durch die Geburt seiner Enkel Sabine und Klaus. Mit ihnen unternahm er viel, sowohl auf Schiern oder wandernd. Klar, dass er für sie auch als Chauffeur zu diversen Ausbildungen zur Verfügung stand. Dass er deren Hochzeiten und die Geburten seiner Urenkel Millie und Lilly noch bewusst erleben konnte, dürfte sein Leben in besonderem Maße abgerundet haben. Unverzichtbar für Laimer waren seine Fahrten zu den großen klassischen Musikevents wie Mörbisch, Bregenz oder Verona. Als Musikfan liebte er nicht nur Opern und Operetten, sondern interessierte sich auch für das Leben der Komponisten. Bis vor zwei Jahren erfreute er sich noch bester Gesundheit, er schwamm gern in seinem Pool, fuhr auf dem Attersee gerne Motorboot und saß liebend gerne am Steuer seines Autos. Mühsam wurde sein Leben ab Weihnachten. Kurz war er auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen, bevor er im März im Krankenhaus verstarb.



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