Suche
  • bert brandstetter

Horst Gansel aus Linz (1939 - 2020): Künstler mit sportlicher Geschichte

Nur zuschauen wollte der etwa 20-jährige Horst bei einem Laufbewerb, bei dem aber, wie sich herausstellte, ein Läufer fehlte. Horst Gansel erfuhr davon, meldete sich ganz spontan als Einspringer und schaffte die Bestzeit. Diese nicht genauer definierbare Anekdote dürfte der Anfang seiner läuferischen Karriere gewesen sein, wie Eva Gansel, seine Frau, vermutet. Horsts Freizeit bestand nur noch aus Laufen, und zwar über alle Distanzen, von 800 Metern bis zum Straßenlauf über 25 Kilometer. „Am liebsten hatte er aber Hürden- und Hindernisläufe“, wie Eva weiß. Über seinen Sportverband lernte Horst die halbe Welt und alle wichtigen Menschen in diesem Metier kennen, gut befreundet war er bald mit dem legendären Ehepaar Erika und Leo Strasser oder Eckhard Kolodziejczak. Probleme bekam er bei einer Jugendmeisterschaft, weil er nach seiner offiziellen Nationalität Deutscher war. Blitzschnell erhielt er durch den Sieg den österreichischen Pass, musste aber dann klarerweise sofort zum Militär, wo er sich bei Brigademeisterschaften hervortat. Von Beruf war Gansel Modelltischler, er wechselte später in die Voest als Gießereitechniker. Diese Arbeit eröffnete ihm, der sich schon seit Kindheitstagen mit Malerei befasste, ein neues Betätigungsfeld. „Die Auseinandersetzung mit der Materie des flüssigen Metalls inspirierte mich“, schreibt Gansel auf seiner Homepage und tatsächlich: Er schuf ausdrucksstarke Plastiken und Skulpturen wie meterhohe Brunnen für die Gemeinden Steinerkirchen an der Traun, für ein Autohaus in Bad Leonfelden oder für seine zweite Heimat in Zwettl an der Rodl. Ein weiterer Brunnen ziert den Vorplatz seines ehemaligen Arbeitsplatzes, die Gießerei der Voest. „Was hab ich mich um ihn gesorgt, wenn er wieder auf meterhohen Holzgerüsten werkte und schnitt, bevor die Modelle gegossen wurden“, erinnert sich Eva Gansel. Seiner Sportlichkeit ist es zuzuschreiben, dass ihm dabei nie etwas passiert ist. Erholung kannte ihr Horst kaum einmal, „in unserem Garten lag bald wieder ein Holzstamm, für den er seine Ideen hatte“. Geboren wurde Horst Gansel im damals oberschlesischen Bielitz im heutigen Südpolen. Seine Eltern arbeiteten als Schneider am dortigen Theater. Die politischen Wirren der Nachkriegszeiten zwangen auch diese Familie zum Auswandern. In einer Nacht- und Nebelaktion verschlug es sie über Deutschland nach Linz, wo sie ab 1948 zunächst in einer Ruine, später in einer kleinen Wohnung leben konnten. Aus früheren Beziehungen entstammen seine beiden Buben, 1992 lernte er bei einem Konzert der Arbeiterkammer im Brucknerhaus seine Eva kennen, die er vier Jahre später heiratete. „Die sieben Enkelkinder aus unseren früheren Beziehungen waren für uns immer enorm wichtig, wir kannten keinen Unterschied“, sagt Eva, die von gemeinsamen vorgezogenen Weihnachtsfeiern im Advent berichtet, oder von Nikolausfeiern schwärmt, bei denen der Fotograf Alfred A. Aumayr den Nikolaus gab. Aumayr, der viele Werke Gansels fotografiert hat, beschreibt Gansel als sehr humorvoll, menschlich und zugänglich. In Erinnerung sind ihm gemeinsame Kreuzfahrten genauso wie Schwammerl suchen im Wald. Sehr genau beobachtet hat Gansel vielleicht aus eigener persönlicher Erfahrung die Weltpolitik. Verbitterung sei dabei aber niemals spürbar gewesen, findet Eva Gansel: „Horst ließ jede Meinung gelten und verglich manche Situation mit der Vielfalt der Farben der Natur“. Diese Farben versuchte er auch in seinen vielen Bildern darzustellen, die er in Öl oder Aquarell gemalt und bis China verkauft hat. Mit der Staffelei war das Ehepaar Gansel viel und oft unterwegs, egal ob in den Bergen oder in seinen geliebten Landschaften der Toskana, Venetiens oder auf Kreta. In letzter Zeit haben seine Kräfte nachzulassen begonnen. Seine Gattin beschreibt es so: „Horst blickte auf die letzten Jahre humorvoll, aber auch mit Demut und Dankbarkeit zurück und konnte friedlich einschlafen“.



153 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com