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  • bert brandstetter

Hofrat Dr. Heribert Forstner (1936 - 2020): Diener vieler Herren

Als fertiger Jurist beim Land Oberösterreich um einen Posten anzuklopfen war in den

1950-er Jahren meist von Erfolg gekrönt. Bei Heribert Forstner lag der Weg zum Landesdienst auf der Hand, arbeitete doch auch schon sein Vater im Amt der Landesregierung. Heribert, der ausgezeichnete Maturant und eifrige Student, hatte mit 23 seinen Doktor in der Tasche. Nach dem Gerichtsjahr wurde er 1961 wie gewünscht in den Landesdienst übernommen, aber bald mit einer äußerst prominenten Aufgabe bedacht: Sekretär von Landeshauptmann Heinrich Gleißner. 11 Jahre arbeitete er bei ihm und lernte von ihm. Dessen Nachfolger Erwin Wenzl übernahm ihn genauso wie Josef Ratzenböck. Wohl bot man Forstner wegen seiner ausgeglichenen Seriosität an, Bezirkshauptmann werden zu können, doch er wollte das nicht, weshalb er 1979 die Leitung des umfangreichen Landes-Pressedienstes übernahm. Das war wohl Neuland für Forstner, er hatte sich aber bald mit den Gepflogenheiten der Presse vertraut gemacht, die sich durchaus von denen der anderen Beamten unterschieden. „Ich habe eine sehr gute Erinnerung an Heribert Forstner“, sagt Ratzenböck anlässlich dessen Todes. „Der Dr. Forstner war sehr gut gebildet, immer freundlich und höflich“. In der Zeit von LH Ratzenböck verfasste Forstner ein eigenes, viel beachtetes journalistisches Werk: „Das Linzer Landhaus“. Alt-LH Josef Pühringer hebt in Forstner „einen Brückenbauer und Mann mit Stil“ hervor. Die Presseabteilung der Landesregierung betreut mit der „Amtlichen Linzer Zeitung“ die älteste Zeitung des Landes seit 1681, die Journalisten der Abteilung kümmern sich aber vor allem um einzelne Regierungsmitglieder als Pressereferenten, sie schreiben Texte und Reden für sie, organisieren für sie Pressekonferenzen, begleiten sie bei allen Medienauftritten und vielen Außenterminen. Heribert Forstner stand als Hofrat über der Abteilung, immer seriös, immer etwas im Hintergrund, immer freundlich, nie zu kumpelhaft. „Heribert Forstner hatte ein sehr gutes Gefühl für uns Mitarbeiter, er war umgänglich und liebenswert“, schildert Gerhard Hasenöhrl seinen ehemaligen Chef und Vorgänger. Während Journalisten und Kameraleute zusehends trendiger oder auch schlampiger gekleidet waren, war Forstner stets mit Krawatte und Anzug zu sehen. Nicht einmal Gattin Ulrike, mit der er demnächst diamantene Hochzeit hätte feiern können, schaffte es, ihn von der Krawatte wegzubringen: „Zieh doch einmal ein legeres T-Shirt an“, forderte sie ihn einmal auf, doch eine Enkelin der Beiden empfahl ihm: „Bleib bei deiner Krawatte, du bist ein Sir!“ Als wahrer Sir agierte Heribert Forstner auch im oö. Kunstverein. Als dessen Präsident begleitete und förderte er viele heute namhafte Künstler. Dass er ihre Ausstellungen besuchte, versteht sich, dass er dabei fast immer von seiner Frau Ulrike begleitet wurde, war ein weiteres seiner Markenzeichen. Das Ehepaar Forstner war darüber hinaus bei vielen Opern und Konzerten im ganzen Land zu sehen. „Mein Mann hat auch in der Pension nicht aufgehört, journalistisch zu denken“, sagt Gattin Ulrike, die dabei auf seine Sammlung von lustigen Sprüchen seiner Enkel- und Urenkelkinder verweist. Einen Großteil seiner Freizeit verbrachte Forstner in seinem Haus in Gmunden, dem er selbstverständlich auch die Treue hielt, als sich vor Jahren der Gschliefgraben in Bewegung setzte und das Haus zwei Jahre nicht betreten werden konnte, weil es 80 Zentimeter verschoben wurde. Urlaube in alle Welt ergänzten das Leben und die Weltsicht von Heribert Forstner, Zufriedenheit verschaffte ihm die medizinische Karriere der beiden Söhne und die Entwicklung der sechs Enkel- und der zwei Urenkelkinder.



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