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Hofrat DI Richard Wakolbinger aus Linz (1931 - 2021: Der Straßenmann des Mühlviertels

Es dürfte im Mühlviertel zwischen 1960 und 1990 kein Straßen-Baulos gegeben haben, das nicht in der Verantwortung von Hofrat Wakolbinger gestanden ist. „Jede Kreuzung, jeder Kreisverkehr, jede Bundes- oder Landesstraße war seine Zuständigkeit“, sagt Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, der damals als Landesrat die politische Verantwortung trug. Wakolbinger stand an der Front zwischen dem politischen Willen und der praktischen Umsetzbarkeit. Eine heikle Front mit vielen unterschiedlichen Interessen. Seine Fähigkeit, mit den Menschen auf Augenhöhe reden zu können, verhalf ihm oft zu guten Lösungen. „Er war zwar recht direkt, aber geschickt und er hat etwas weitergebracht“, weß Pühringer, der Wakolbinger wegen seiner Unkompliziertheit geradezu als vorbildlich bezeichnet: „Er war ein Hofrat, wie man ihn sich nur wünschen konnte“. In manchen Gemeinden des Bezirkes Freistadt fühlte sich der Straßenhofrat ganz besonders wohl, etwa in Lasberg oder Windhaag, wo er für seine Arbeit mit Ehrenzeichen, beziehungsweise dem Ehrenring ausgezeichnet wurde. Grünbach bei Freistadt ernannte ihn unter Alt-Bürgermeister Josef Grünberger gar zum Ehrenbürger. Gut beleumundet war Wakolbinger auch im Kollegenkreis. „Man hat ihn als echten Profi im ganzen Hauserhof geschätzt“, erinnert sich Rudolf Schwaha, der später in der Straßenmeisterei Freistadt in besonders engen Kontakt zu Wakolbinger getreten war, weil er damit auch sein Chef war. „Ich habe nie ein lautes Wort von ihm gehört, er arbeitete ruhig und war gerecht“. Gern war der Hofrat mit dabei, wenn es in der Straßenmeisterei das eine oder andere Mal lustig zugegangen ist und kleine Feiern abgehalten wurden. Das Mühlviertel war dem als Urfahraner aufgewachsenen Burschen absolut nicht fremd. Gleich nach der Matura am Fadingergymnasium absolvierte er die Technische Hochschule in Wien. Nach Ferialjobs als Vermesser in Tirol fand er 1960 eine fixe Anstellung beim Land Oberösterreich, wo er auch schon als Ferialarbeiter geschnuppert und offenbar einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Wobei: „Unser Papa empfand seine Arbeit nie als Job, sondern als Beruf. Er fühlte sich berufen, so als ob er für einen Mittelbetrieb mit 300 Mitarbeitern verantwortlich wäre“, erinnert sich Tochter Brigitte an so manche Aussage ihres Vaters und der Unternehmer Harald Glisic, der von dem immer korrekt mit Krawatte bekleideten Hofrat viele Bauaufträge erhalten hat, kann das nur bestätigen: „Er war ein äußerst verlässlicher Auftraggeber, ein brillanter Techniker und ein sehr menschlicher Chef zu seinen Mitarbeitern“. Wer der Chef war, daran ließ Wakolbinger nie einen Zweifel, auch in seiner Familie nicht. „Was er sagte, das hat gegolten“, sagt Tochter Elisabeth, wenngleich ihn Details im privaten Haushalt eher weniger interessierten und er auch seiner Frau Elisabeth die Verfügungsgewalt über das Haushaltsgeld überließ. Gerne verbrachte die Familie so manchen Schiurlaub in den heimischen Bergen, Vater Richard erwies sich dabei als hervorragender Schifahrer und -lehrer für seine Kinder. Reisen war eine Leidenschaft von Richard Wakolbinger. Unvergessen war ihm eine von seinem Maturakollegen Gerhard Andlinger organisierte zweiwöchige USA-Reise. Daheim in seiner Wohnung war er der Haustechniker, der alles zu reparieren wusste und auch seine Kinder lehrte, wie man so was macht. Unverzichtbar waren ihm sein Auftritt in der legendären Hofratsrunde oder beim Straßenmeister-Stammtisch, früher auch die Treffen mit Maturakollegen. Die letzten Lebensjahre wurden mühsam, kurze Zeit verbrachte er in einem Pflegeheim, bis ihm ein Lungenleiden den erlösenden Tod brachte. Zurück bleiben seine Frau, die drei Kinder und zwei Enkelinnen.




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