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  • bert brandstetter

Hildegard Neubauer aus Altenberg (1929 - 2020): Ruhepol in einem hektischen Wirtschaftsbetrieb

Aktualisiert: Sept 9

Wo und wann immer Hildegard Neubauer in dem pulsierenden Wirtschaftsbetrieb ihrer Familie auftauchte, unwillkürlich verbreitete sich mit ihr angenehme Ruhe. „Meine Mutti war einfach die gute Seele im Haus. Ihr war es immer wichtig, dass sich alle wohl fühlen und dass es ihnen gut geht“, erinnert sich Tochter Regina. Das zeigte sich schon zeitig in der Früh, wenn die Busse starteten. Als Vertreterin der Firma stand sie bescheiden abseits und winkte den Gästen herzlich nach. Oder auch spät abends, wenn die Tour beendet war: Es war Oma Neubauer, die sich in früheren Jahren um die Sauberkeit in den Bussen kümmerte. Natürlich nicht, ohne „mit uns Chauffeuren ein paar nette Worte gewechselt oder etwa im Winter mit einem heißen Tee verwöhnt zu haben“, wie der ehemalige Chauffeur Franz Haslinger erzählt. Die Rolle der “guten Seele“ spielte Hildegard Neubauer von Anfang an, denn Sie hatte mit ihrem Mann Sepp den Betrieb in der Altenberger Ortschaft Donach von Grund auf mit aufgebaut. Das Transport- und Busunternehmen war ihr Lebenswerk, die Geburt der drei Töchter Regina, Evi und Hildegard die Krönung ihres Lebens. Als gelernte Schneiderin legte Hilda großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres ihrer drei Mädels. Gerne nähte sie für sie drei gleiche Kleider und selbstverständlich sorgte sie persönlich für gutes Essen und köstliches Backwerk im Haus, die Pflege der vielen Blumen im Garten nicht zu vergessen. Das änderte sich auch nicht, als Hilda längst Oma war. Ihre Enkel- und Urenkelkinder und auch die Nachbarn können davon Zeugnis ablegen. Selbst wenn ihr die Arbeit bisweilen über dem Kopf stand: Hildegard Neubauer liebte es, für andere zu arbeiten und mit Menschen zusammen zu sein. Diese Eigenschaft war ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt. Aufgewachsen bei den Großeltern in Engerwitzdorf umgeben von einer Schar von Cousins und Cousinen, kam sie erst im Alter von vier Jahren zu ihren leiblichen Eltern. Die Mama war zuvor Köchin, der Vater beim Militär. In Alberndorf pachteten sie ein kleines Wirtshaus und Hildegard perfektionierte neben ihren drei später geborenen Geschwistern den Umgang mit Menschen. Nach der Schule lernte sie Schneiderin, arbeitete nebenher in der Landwirtschaft ihres Meisters mit und wechselte nach der Lehrzeit in den Haushalt der Familie Winkler, wo sie bald darauf im Kaufgeschäft benötigt war. „Wir haben Hilda in sehr guter Erinnerung, sie war eine große Stütze meiner Mutter“, sagt Seniorchef Franz Winkler. In dieser Zeit lernte Hilda ihren Lebensmenschen, Josef Neubauer vom Stummer in Niederwinkl kennen und lieben. Sepp starb vor fünf Jahren, trotz aller Nachbarschaftspflege und trotz ihrer Nachkommen im Haus empfand sie das Leben seither als eher einsam. Trost fand sie in dieser Zeit im Glauben, fest gemacht unter anderem durch die Pflege der Kapelle neben dem Haus, die sie neben dem regelmäßigen Kirchgang täglich aufsuchte. In der letzten Zeit wurde es Hilda bereits zu stark, außer Haus zu gehen. Umso mehr verlegte sie sich auf das Lesen von Büchern, aber nicht nur: „Mutti konnte bei jedem Thema mitreden, weil sie sehr interessiert war“, sagt Regina. Lebenssatt und friedlich ist Hildegard Neubauer am 30. 8. 2020 in den Armen ihrer drei Töchter eingeschlafen.




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