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  • bert brandstetter

Dr. Hermann Thurner aus Leonding (1932 - 2019): Politischer Helfer ohne Scheuklappen

Alles, nur kein Fisch. Dieser Satz bringt die kulinarischen Vorlieben von Dr. Hermann Thurner auf den Punkt. Es waren die Russen, die in den späten Kriegsjahren einen Teich nahe der Lasberger Humpelmühle vor den Augen des Schülers Hermann mit einer Granate „leer gefischt“ hatten. „Vielleicht stammt von diesem traumatischen Erlebnis seine lebenslange Abneigung“, vermutet Tochter Birgitt, die von vielen familiären Anekdoten weiß, die sich um diese Eigenart ihres Vaters drehen: „Wo immer Papa ein Fischgeschäft wusste, wechselte er die Straßenseite.“ Hermann Thurner wuchs als ältestes von vier Kindern mit seiner Mutter in Linz-Kleinmünchen äußerst bescheiden auf, der Vater war im Krieg geblieben. Die Schulzeit verbrachte Hermann in Lasberg, das Gymnasium startete er in der Linzer Spittelwiese mit dem Ziel, dereinst vielleicht Priester zu werden. Aus Schülermangel wurde seine Klasse nach der Vierten nicht mehr weitergeführt, Hermann änderte seinen Lebensplan grundlegend und wurde Chemielaborant im Schichtbetrieb bei den damaligen Stickstoffwerken. Nebenher schaffte er eine Maturaschule und hernach das Jusstudium in Wien. Um sich dieses zu finanzieren, arbeitete Hermann sogar eine Saison lang als Tellerwäscher in Schweden. Dank eines Fulbright-Stipendiums, für das er sich zuvor die englische Sprache von einer Schallplatte beigebracht hatte, konnte er ein Jahr lang in den USA Politikwissenschaft studieren. Solcherart gerüstet, wurde er 1973 im Landesdienst aufgenommen und wurde der erste Klubsekretär der FPÖ, was er bis zur Pensionierung 1999 blieb. Vielen FPÖ-Klubobmännern stand er als juristische Instanz hilfreich zur Seite. Nicht nur ihnen: sogar seine erste grüne Kollegin erhielt vom blauen Urgestein wertvolle Tipps für ihren Job.

Als Jurist war Thurner, der selbst die Führerscheine aller Klassen besaß, lange Jahre als Prüfer bei Führerscheintests eingesetzt. Seine Begabung zum Familienmenschen konnte Hermann Thurner erst ausleben, seitdem er zweifacher Opa geworden war. „Mit meiner Tochter ging er sogar Babyschwimmen“, sagt Birgitt bewundernd, wie überhaupt man in Leonding den langjährigen freiheitlichen Gemeinderat häufig als Opa unterwegs antraf. Spazierend oder wandernd, nie aber so richtig sportlich. Mit seinem bekannt trockenen Humor begründete er das gelegentlich so: „Wir heißen zwar Thurner, turnen selbst aber nicht“. Faszinierend war es, mit Hermann Thurner zu reisen. „Wohin immer er fuhr, er war bis ins Detail vorbereitet und wenn möglich, brachte er sich sogar die jeweilige Sprache bei“, sagt Tochter Birgitt. So konnte sich ihr Vater auf englisch, französisch, italienisch, aber sogar auf arabisch und ungarisch verständigen. Auf dem Computer sah man den Liebhaber klassischer Musik zuletzt noch ausländische Tageszeitungen lesen. Hermann Thurner war 49 Jahre verheiratet und hatte zwei Kinder.



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