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  • bert brandstetter

Hermann Scheinecker aus Herzogsdorf (1946 -2020): Guter Hirte mit besonderen Seelsorgs-Methoden

Er war wohl der originellste der 31 Sankt Florianer Chorherren, das gibt Propst Hans Holzinger unumwunden zu. Hermann Scheinecker, der seit 1972 für Herzogsdorf Verantwortung trug, war zugleich auch jener Chorherr, der für viele Menschen DAS Gesicht von St. Florian war. Als Hermann war er in Oberösterreich und weit darüber hinaus bekannt, nicht nur wegen seiner besonders früher sehr ausgeprägten Leibesfülle, die er sich vor Jahren operativ einengen ließ: Es war vor allem sein origineller und geradezu überschäumend menschlicher Charakter, der ihn zum sympathischen Markenzeichen seines Ordens und der Kirche allgemein werden ließ. Nicht enden wollend sind und waren Geschichtchen und Anekdoten über Hermann Scheineckers mitunter nicht ganz konventionelle Art der Seelsorge, die ihm zu eigen war. Hermann kannte Jeden und er konnte mit Jedem. Tappte er das eine oder andere Mal in einen Abgrund, stand er wieder auf, nicht selten mit einem ironischen Spaß auf den Lippen: „Ich heiße jetzt nur noch Ecker, weil der Schein weg ist“, soll er einmal nach einem solchen Missgeschick gesagt haben. Seine Beliebtheit zeigt sich unter anderem auch an dem Umstand, dass er die Familien unzähliger Oberösterreicher bei Taufen, Hochzeiten oder bei Begräbnissen seelsorglich begleitete. Er galt als geborener Netzwerker, einen Fixplatz hatte er etwa beim traditionellen Tarockturnier in Helfenberg. Geboren wurde Hermann Scheinecker in St. Florian, der endgültige Weg in das Stift war demnach einigermaßen logisch. Zuvor galt es jedoch die Matura zu absolvieren. Der Führerschein und die Jagdprüfung waren die weiteren zwei Höhepunkte seines Lebens, wie er einmal sagte. Bei der Jagdprüfung ließ es Scheinecker nicht bewenden. Als passionierter Jäger avancierte er rasch zum „Landesjägerpfarrer“, Scheinecker trug diesen Titel des Landesjagdverbandes mit großem Stolz. „Er war ein Unikat. Eine einzigartige Persönlichkeit, ein lebensfroher und verständnisvoller Mensch und genau deshalb so beliebt“, beschreibt ihn Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner. Eine Riesenfreude erlebte Scheinecker 2014, als ihn die Oberösterreichischen Nachrichten mit dem Mostdipf ehrten. Dies sei die größte Auszeichnung des Landes, soll er dazu gesagt haben. 1988 bekam er zu Herzogsdorf auch die Nachbarspfarre Sankt Gotthard übertragen. Beide Pfarren standen laut Propst Holzinger tipptopp da, die Renovierung mancher Baudenkmäler plante er selbst bis ins Detail und auch die Finanzierung fiel ihm dank der guten Kontakte zu wichtigen Investoren nicht allzu schwer. Scheineckers große Beliebtheit führt der Propst auf dessen „ausgesprochene Herzlichkeit zurück, in der seine tiefe Frömmigkeit wurzelte“ und Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer bestätigt das: „Er war einer der geselligsten und gastfreundlichsten Menschen, die ich kannte. Noch vor einer Woche rief er mich an, um mir frohe Ostern zu wünschen.“ Unvergessen für Pühringer und zahllose andere Gäste der 70-er von Hermann Scheinecker vor vier Jahren. „Ich will mich nicht verkriechen, ich freu mich über jeden Gast, der ihn mit mir verbringt“, zitierten ihn die OÖN tags darauf. Sein Begräbnis muss coronabedingt leider klein ausfallen. Ein Umstand, der Hermann Scheinecker sicher schwer gefallen wäre. Sein Tod kam selbst für die Mitbrüder überraschend schnell, er starb an einer ziemlich plötzlich aufgetretenen Erkrankung, die nicht mehr zu operieren war.



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