Suche
  • bert brandstetter

Hermann Penziger aus Münzbach (1923 - 2019): Der Barbier vom Petrinum

Wo sich die Haare schneiden lassen, wenn es die Vorschrift im strengen Internat verbietet, für viele Wochen das Haus zu verlassen? Ganz einfach: man engagiert einen Friseur, der in das Internat kommt und dort den Kopfschmuck der Studenten in Ordnung bringt. So geschehen am Petrinum in Linz. Hermann Penzinger aus Münzbach war dieser Friseur. Zweimal die Woche fuhr er ab den 1960-er Jahren in das Haus, das damals noch als reines Knabenseminar geführt wurde. „Fünf bis sieben Schilling hatten wir zu bezahlen“, erinnert sich Johann Mittendorfer aus Luftenberg. „Besonders begehrt war der Friseurbesuch bei uns Buben aber auch deswegen, weil damit eine der vielen Studierstunden ausgefallen ist“, gesteht er freimütig. Manchmal nahm Penzinger auch sein hübsches Töchterlein mit zum Dienst, was für die Burschen eine weitere, ganz besondere Attraktivität bedeutete. Bei größerem Andrang kam auch Gattin Helene mit zur Arbeit, sie hatte vor allem die Häupter diverser Professoren und Präfekten zu verschönern. „Herr Penzinger hatte eine für uns sehr wohltuende väterliche Art, immer wieder munterte er uns vor Auftritten mit irgendwelchen Späßen auf“, verweist Mittendorfer auf eine weitere Spezialität des fahrenden Barbiers aus Münzbach: er betreute die Maske aller Schauspieler beim jährlichen Petriner-Theater, wo er mit seinem Humor auch das Lampenfieber der Spieler erfolgreich zu behandeln wusste. „Bei jeder Gelegenheit wusste er einen Schmäh, der sich oft auf die Rolle der Buben bezog“, sagt Ernst Bräuer, der frühere Rektor der Caritas: „Sogar eigene, lustige Namen hat er uns immer wieder verpasst!“ Bräuers Bruder Hans, jetzt Pfarrmoderator in Wels-St. Josef, ergänzt mit einer weiteren Facette des originellen und pädagogisch geschickten Friseurs: „er hat immer wieder irgendwelche Geschichten erfunden, die von uns Buben beim Haarschneiden dann oft ergänzend weitergeführt wurden“. 30 Jahre übte Hermann Penzinger das Amt des fahrenden Internatsfriseurs aus. Zugleich führte er mit Gattin Helene und Tochter Renate das Friseurgeschäft in Münzbach. Aber auch dort wurde nach Dienstschluss oft für das Petrinum gearbeitet. Helene Penzinger: „Wir mussten unzählige Perücken und Bärte herstellen, die für das Theater gebraucht wurden.“ Zum Friseurberuf kam Penzinger durch seinen Vater, der ebenfalls schon Friseur war und seinen Sohn zur Ausbildung nach Deutschland schickte. Nach dem Krieg kamen noch Ausbildungsjahre in der Schweiz dazu, wo er sich in das aus Linz stammende Lehrmädchen Helene verliebte und später heiratete. 15 Jahre arbeitete Penzinger danach in Urfahr, wo er vom damaligen Petriner Generalpräfekt Georg Korntner zum Internatsbarbier engagiert wurde. Diese Anstellung übte er dann auch noch aus, als er in Münzbach seinen eigenen Salon gegründet hatte.



1 Ansicht

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com