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  • bert brandstetter

Hermann Neuburger aus Ulrichsberg (1925 - 2020): Beharrlicher Erfinder aus dem Mühlviertel

Hermann war erst 23, als ihm der kulinarische Geniestreich einfiel, der bis heute bekannt und beliebt ist. Gegen allen Widerstand und auch gegen den Ratschlag seines Vaters begann er jenes Produkt zu erzeugen und zu verkaufen, zu dem man laut Werbung niemals Leberkäse sagen darf. Anstatt billigerer Fleischreste verwendete er Edelteile wie Schnitzelfleisch und der „Neuburger“ war erfunden. Es war nicht die einzige Wand, gegen die der junge Hermann Neuburger damals lief. Weil er die Zeichen der Zeit früh erkannte, löste er die elterliche Landwirtschaft auf, verkleinerte das Gasthaus, baute die Fleischerei aus und gründete drei Filialen. Was wirtschaftlich not tut, mag er damals in Augsburg gelernt haben, wohin ihn der Vater schickte, um sein Wissen aus der Fleischerlehre aufzupolieren. Die Fleischerei war nicht Hermanns erste Wahl. Eigentlich wollte er Lehrer werden und er war auf der Lehrerbildungsanstalt in Linz auf bestem Weg dazu, wäre nicht sein jüngerer Bruder an Leukämie verstorben. Ohne lange zu fragen, musste er sein Studium abbrechen und auf Fleischer umsatteln. Den 2. Weltkrieg erlebte er in Italien, mit viel Glück kehrte er einigermaßen heil zurück. Weit drinnen im Böhmerwald kannte Hermann die fesche Wirtstochter. Nach der Brautwerbung, bei der einige Hindernisse zu überwinden waren, brachte es Hermann mit seiner Annerl auf 70 Ehejahre mit vier Kindern, acht Enkeln und ebenso vielen Urenkeln. Manchmal bekam Hermann eine Klage seiner Frau zu hören, wenn er wie so oft so manche Stunde in einem Wirtshaus verbrachte: „In Ulrichsberg gibt es sieben Wirte, die Woche hat sieben Tage. Wenn ich dort nicht auftrete, kaufen die Wirte meine Knacker nicht mehr“, sei seine Antwort gewesen. Die Wirtshäuser waren Hermanns Bühne. Dort fühlte er sich wie zu Hause, dort setzte er sich gerne zu den Leuten und blühte auf, wenn er einen seiner vielen Witze zum Besten geben konnte, am liebsten mit seinem viel zu früh verstorbenen Partner, dem Schustermeister Galli-Fredl. Deren humorvolle Konversationen sind heute noch Legende in Ulrichsberg. „Der Hermann hat sich auch zu den kleinen Leuten gesetzt und geschaut, dass es ihnen gut geht“, rechnet ihm Altbürgermeister Josef Natschläger hoch an und noch etwas zeichnete Neuburger aus, wofür ihm zu danken sei: „Man hat bei ihm nie ohne Erfolg angeklopft. Oft hat er sogar von sich aus ganze Arbeitspartien mit Essen versorgt, ich denke da auch an Bauprojekte der Pfarre, wo er sich großzügig beteiligt hat“. 1986 übergab Neuburger seine Firma an Sohn Hermann IV. Durchaus stolz verfolgte er die rasante Aufwärtsentwicklung der Firma mit dem von ihm entwickelten „Neuburger“und auch die Ausweitung auf fleischlose Spezialitäten. Oft ließ er sich noch in der Firma sehen, immer wie ein Sir mit Sakko bekleidet. In der Pension genoss er es, sich mit seinen Freunden am Stammtisch zu unterhalten. Gerne saß der Senior-Chef bis ins hohe Alter aber am Steuer seines Autos. Um das Fahren nicht zu verlernen, sei er übungsweise oft bis zum Kreisverkehr nach Rohrbach gefahren, erzählt man in Ulrichsberg. Vor zwei Jahren verstarb seine Anna, ein schwerer Schlag für Hermann. Ihm machte darüber hinaus eine wachsende Taubheit sehr zu schaffen. Glück empfand er noch, wenn er von seinen Angehörigen besucht wurde und sie gemeinsam mit seiner Pflegerin Veronica bewirten konnte. Der Gemeinde bleibt Neuburger als „erfolgreiche und äußerst lebens- und menschenfreundliche Persönlichkeit in Erinnerung“, wie es Bürgermeister Wilfried Kellermann beschreibt.



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