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  • bert brandstetter

Heribert Kaineder (1961-2020): Ein Pionier und Motivator weit über Kirchschlag hinaus

Alle waren sie auf der Schipiste im Salzburger Land: Die Eltern, die drei Kinder und die sechs Enkelkinder. Dann plötzlich: Heribert fällt um und steht nicht mehr auf. Leblos bleibt er liegen, alle Versuche der Wiederbelebung erweisen sich als erfolglos.

Der Schock durchzieht die ganze, große Familie, bald wissen es alle, die Heribert Kaineder gekannt haben. Aus ganz Österreich überstürzen sich die Beileidsbekundungen. In Kirchschlag hätte gerade die Generalprobe des Faschingstheaters begonnen, als die Nachricht eintrifft. Obwohl alle wissen, dass Heribert, ihr langjähriger Vereinsobmann, sicher spielen wollte, mag niemand auf die Bühne. Die Aufführung wird abgesagt. „Der Heribert war ungemein motivierend und zielbewusst, ohne ihn wären wir nicht das, was wir sind“, sagt Ronald Gangl, der jetzt die Theatergruppe leitet. Kaineder hat bis zuletzt oft Regie geführt. In der Öffentlichkeit zu stehen, ist den Kaineders nicht besonders fremd. Der Vater war als Bauer 23 Jahre lang Bürgermeister in Kirchschlag, seine drei Buben tun es ihm nach. Ferdinand ist Medienmann und Kommunikator, Heribert war in vielen anderen Bereichen Pionier. „Er hat Dinge gesehen, die andere noch lange nicht bemerkt haben“, schreibt sein Bruder Ferdinand im Blog. Der Sterngartl-Waldkindergarten, dessen Obmann Heribert war, sollte zum Beispiel Menschen motivieren, ihre Kinder in der Natur aufwachsen zu lassen. Oder die Lichtverschmutzung: Als Sachverständiger für Lichtverschmutzung beim Land Oberösterreich versuchte er seine berufliche Mission auch gleich daheim in Kirchschlag umzusetzen und bewusst sparsamer mit dem Licht umzugehen. Seine Überzeugungen trug er natürlich in den Gemeinderat, wo er als Grüner wirkte. ÖVP-Bürgermeisterin Gertraud Deim spart nicht mit Lob für ihren Kollegen, „er hat in den 59 Jahren mehr gemacht als andere in 90 Jahren“. Fasziniert habe sie, dass er all seine vielen Projekte mit vollem Herzblut intensiv umgesetzt hat. Dass dabei nicht alles glatt gegangen ist und auch massive Kritik auszuhalten war, dürfe bei all den lobenden Nachrufen nicht vergessen werden, erinnert Bruder Ferdinand und verweist auf die Standhaftigkeit der Kaineders. Voller Elan zeigte sich Heribert, als es darum ging, in Kirchschlag das St. Anna Pfarrzentrum, die jetzige Heimstätte der Theatergruppe, neu zu bauen. Überhaupt war ihm die Kirche ein wichtiges Anliegen. Im Kirchenchor sang er im Bass und ließ sich als Kantor gerne hören, weil ihm „Rituale und Liturgien als Lebensquelle“ wichtig waren. Dass er dennoch mit der Amtskirche mitunter schwer gehadert hat, sei kein Gegensatz, so die Familie, zu der auch der neue grüne Landesrat Stefan gehört. Heribert war sein Papa. „Einmal sagte er mir, er wolle einmal plötzlich umfallen und sterben“, erinnert sich Bürgermeisterin Gertraud Deim, die in Kirchschlag auch Gemeindeärztin ist. „Ob er damit dieses junge Alter von 59 gemeint hat, bezweifle ich aber“. Den Tod kannte Heribert recht gut von der Bühne, auf der er ihn 2018 bei dem Stück „Ente, Tod und Tulpe“ sehr beeindruckend dargestellt habe, wie sich Ronald Gangl erinnert. Dass Heribert dem Tod so früh aber selbst begegnen würde, habe kein Mensch geahnt. Der Termin des Begräbnisses von Heribert Kaineder steht noch nicht fest.



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