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Herbert Wimmer aus Leonding (1955 - 2021): Ein lausbübischer Konditor

Langweilig wurde es nie im Umfeld von Herbert Wimmer. Der Leondinger Konditormeister verbreitete seinen Schabernack nicht nur in der von ihm eröffneten Konditorei in der Michaelsbergstraße 3, sondern auch in all seinen Vereinen, in denen er aktiv war. An einen seiner Späße erinnert noch immer ein Foto in der Konditorei, die er längst an Sabine Schwarz übergeben hat: Es zeigt Wimmer, der sich wegen einer auffälligen Ähnlichkeit einst im Fasching als Modezar Rudolph Mooshammer verewigen ließ. Oder sein legendärer Auftritt beim Münchener Oktoberfest, den Weinhändler Roland Schenkenfelder beisteuert: Als Bertl mit einer von ihm als „Lungendruckmaschine“ bezeichneten Flöte Gäste zum Hineinblasen einlud, die danach aber über und über von Staubzucker bestreut waren. Herbert Wimmer ließ keinen Spaß aus, selbst wenn es einmal auf seine eigenen Kosten ging. Nicht nur der vielen Späße wegen war seine Konditorei legendär, es war auch die Qualität der angebotenen Köstlichkeiten, die Gäste zu Hauf anlockte. Vor fast 40 Jahren erfand Wimmer mit dem Leondinger Strudel zudem eine Spezialität, die er sich sogar patentieren ließ und die weit über die Grenzen bekannt werden sollte. Ein großes Anliegen war es ihm, das Konditorenhandwerk an Jugendliche weiterzugeben. Zu seinen Lehrlingen zählten unter anderem Sohn Jochen und Sabine Schwarz, die viele Jahre später seine Nachfolgerin werden sollte, nachdem er selbst 2010 in Pension gegangen war. Für sie und ihre Kollegen war er „ein strenger, aber fairer Lehrherr, der nie um einen kleinen Spaß verlegen war“. Massen von Zuschauern versammelte Bertl Wimmer etwa beim Einlösen einer Wette, als er einen Freund vom Leondinger Zentrum einen guten Kilometer auf dem Rücken nach Bergham geschleppt hat. Wimmers Leben wäre unvollständig ohne seine Vereine. Ein Lederhosenclub, der Sparverein Allharting und vor allem die Feuerwehr sind hier zu erwähnen. Klaus Tonhäuser, der Chef der Leondinger Feuerwehr, weiß aus der Vereinschronik von Herbert Wimmer als „Fixstarter bei allen Einsätzen“. Als TLF-Maschinist saß er fast immer am Steuer des Löschwagens, galt als extrem verlässlich und durch viele Spezialausbildungen höchst kompetent, „ihm war aber auch kein Streich zu blöd, was sich auf die Kameradschaft sehr positiv auswirkte“, wie sich Tonhäuser erinnert. Viele Stunden mit ihm verbrachte der spätere Landesfeuerwehrkommandant Wolfgang Kronsteiner: „Wir sind miteinander aufgewachsen. Der Bertl war immer lustig und hat nix ausgelassen“. Unvergessen für ihn und viele Leondinger war dessen Auftritt in der ORF-Sendung Liebesgschichten und Heiratssachen. Das Cafehaus hielt in den Zeiten seiner Abwesenheiten seine Mutter „Mutschi“ am Laufen. Sie war sein großer Rückhalt und sprang selbstverständlich ein, wenn ihr Herbert mit einem seiner Vereine wieder einmal einen Ausflug unternehmen musste. Als „angenehmen Zeitgenossen“ beschreibt ihn Hans Mayr, ein weiterer Freund, der dessen „intelligente und unterhaltsamen Streiche“ sehr genossen hat. Besonders verweist Mayr zusätzlich auf Wimmers soziale Einstellung, der oft und gerne geholfen habe, wann Not am Manne war. In seinen letzten Jahren war Wimmer gesundheitlich angeschlagen, seine Lebensgefährtin Hilde war ihm eine große Stütze. Immer wieder aber schaffte er es, still und heimlich zu früher Stunde in seiner geliebten Konditorei vorbeizuschauen.




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