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Herbert Friedl aus Pregarten (1942 - 2018): Ein stiller Künstler mit Tiefgang

Nicht lange leiden müssen. Dieser des Öfteren geäußerte Herzenswunsch ist dem Künstler Herbert Friedl in Erfüllung gegangen. „Er war durchaus ein Genießer, aber immer mit Maß und Ziel“, sagt August Aichhorn, Friedls Pregartner Heimatpfarrer. Was auch nicht verwundert, ist doch der Spitzenkoch Georg Friedl der Sohn des Verstorbenen. Die Leidenschaft des Vaters war die bildende Kunst. Bevor er sich darin verwirklichen konnte, erlernte der in Unterweitersdorf geborene Bub Herbert Friedl das Tischlerhandwerk. Danach aber war sein Drang zur Kunst nicht mehr zu halten: er besuchte die HTL für Grafik-Design in Linz, war Gasthörer an der Kunsthochschule und besuchte verschiedenste Künstlersymposien und Sommerakademien, bis er es wagte, sich 1978 als Künstler selbstständig zu machen. Ganz besonders angetan hatten es Friedl Werke, in denen er seine durchaus kritische Haltung zur katholischen Kirche zum Ausdruck bringen konnte. Besucher des Mariendomes in Linz begegnen in der Kathedrale etwa der von Friedl gestalteten Jägerstätter-Stele, aber auch der Bischofsstab von Manfred Scheuer wurde nach einer Idee Friedls gestaltet: ein Krummstab aus Nussholz mit eingesetztem Bergkristall.

Scheuer und Friedl verbindet bereits eine lange, persönliche Freundschaft, die unter anderem in der Leidenschaft für das Bergsteigen eine Parallele fand. Für den Bischof ist diese Freundschaft nachhaltig, wurden doch mehrere Räume im Bischofshof erst jüngst nach Vorschlägen Friedls gestaltet und mit seinen Werken ausgestaltet: das Arbeits-, das Besprechungszimmer und auch der Festsaal. Bischof Manfred Scheuer: „Gerne denke ich an seine Besuche in Innsbruck. Essen und Trinken, Küche, Wein und Kultur konnte er zelebrieren. Und er hat ein Buch über Katzen illustriert. Ich habe ihn erfahren als einsamen Menschen, der Abgründe und Tiefen ausgelotet hat. Zugleich war er dankbar und sehr treu in seinen Freundschaften. Ich selbst bin sehr dankbar für Herbert Friedl als Begleiter und Freund, dankbar für seine Räume und Werke. Möge er jetzt erfahren, womit er gerungen hat: Transformation und Verwandlung, Trost und Licht.“ Hans HIntermaier, Bischofsvikar und Regens des Priesterseminars, und wie Friedl auch selbst ehemaliger Tischler, verbindet mit dem Verstorbenen weitere Erinnerungen: „Er war einer, der viel überlegt, nachgedacht und vor allem beobachtet hat. Die Kleinigkeiten konnten ihn sehr ansprechen und aus diesen hat er ansprechende Werke geschaffen.“

An Würdigungen fehlte es Friedl, der durchaus auch als schwierig gegolten hat, nicht. Der Bundespräsident ernannte ihn zum Professor, die Gemeinde Pregarten zum Ehrenbürger. Und Landeshauptmann Thomas Stelzer sagt von seinem griechischen Urlaubsort aus: „Er war ein stiller, manchmal fast introvertierter Künstler, der äußerst feinfühlig an sein Werk heranging. Sein Engagement für die Würde des Menschen und seine künstlerische Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus in unserem Land werden auch kommenden Generationen als Vermächtnis dienen“.

Die von Stelzer erwähnte kritische Aufarbeitung der NS-Zeit war Friedl ein ganz besonderes Anliegen, das in vielen weiteren Werken zum Ausdruck kam: in Mauthausen, in Hartheim oder in Molln. Immer mit künstlerischem Tiefgang, wie der Kunsthistoriker Martin Hochleitner bestätigt: „Er war ein Meister der Grafik und ein Künstler mit Tiefgang. Friedl hat sein Werke stets sehr behutsam, langfristig und mit großer Konsequenz entwickelt. Die Auseinandersetzung war teils so intensiv, dass die Inhalte den Künstler existenziell berührt zu haben schienen. Vor allem seine Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und sein Projekt für die Gedenkstätte Hartheim haben gezeigt, zu welcher Wucht seine Kunst befähigt war.“

Herbert Friedl wird am 1. August um 14 Uhr 30 in Pregarten verabschiedet und begraben. Das Requiem zelebriert sein Freund Bischof Manfred Scheuer.



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