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Helmut Bruckmüller aus Kremsmünster (1937 - 2021: Der Sir aus der Reifenbranche

„Wenn ein dringend benötigter Spezialreifen nirgends mehr zu erhalten war, beim Bruckmüller hast du ihn bekommen“. Dieser Spruch hätte Helmut Bruckmüller gefreut, war es doch viel mehr als ein Spruch, sondern der Anspruch des Firmenchefs. Die in Kremsmünster ansässige Firma war ein Player in der europäischen Reifenwelt, ihr Anfang ist legendär. Der Wirtssohn Helmut Bruckmüller besuchte gerade die HTL in Steyr, als er auf die Idee kam, in der gerade aufstrebenden Mopedszene mitzumischen. Sein Vater, in dieses Vorhaben eingeweiht, fiel nicht von der Schank, sondern sagte dem Filius Unterstützung zu. Während sich die Mutter weiter um das Gasthaus unterhalb des Schlosses Kremsegg kümmerte, starteten ihre „Männer“ den Maschinenhandel. Ein vielleicht siebenter Sinn gab Helmut die Idee ein, neben der HTL gleich auch noch die Ausbildung zum Vulkaniseur zu machen, was bei der Produktion von Reifen nützlich ist. Tatsächlich spezialisierte er sich nach einem Praktikum in Linz mit seinem Vater auf das Thema Reifen. Ein notwendig gewordener zweiter Lagerstandort ließ den Betrieb, in dem schon zahlreiche Beschäftigte einen Arbeitsplatz gefunden hatten, wachsen und in Kremsmünster zu einem Schlüsselbetrieb werden. „Der Papa ist trotzdem immer irdisch geblieben“, kommentieren die Töchter Lenke und Sabine den Aufstieg ihres Vaters. Am Boden zu bleiben half ihm sicher sein Einstieg in die Gemeindepolitik, wo er zwei Perioden für die ÖVP im Gemeinderat saß. „Er war ein hochangesehener Kollege, durch und durch Geschäftsmann“, beschreibt ihn Bürgermeister Gerhard Obernberger, der auf das soziale Engagement Bruckmüllers verweist. „Er war ein Humanist und hat geholfen, wann Hilfe nötig war“. „Wer was gebraucht hat, ist nicht leer von ihm weggegangen“, sagt Fritz Beer, langjähriger politischer und rotarischer Freund. Bewunderung zollt Beer seinem Freund auch für die liebevolle Betreuung seiner sehr betagt gewordenen Eltern: „Jeden Sonntag fuhr er sie zum Mittagessen aus“. Bruckmüller war freilich keiner, der jede freie Minute in seiner Familie verbracht hätte, gleichwohl ihm seine drei Töchter sehr wichtig waren, die er mit seiner aus dem Burgenland stammenden Frau Lenke bekommen hat. Unvergessen sind ihnen gemeinsame Urlaube am Wolfgangsee oder am Gardasee, beziehungsweise im Winter in Kitzbühel. Dazwischen gehörte das Herz ihres Vaters nahezu ausschließlich der Firma. „Ich habe sein Auto manchmal sogar am Sonntag in der Firma stehen gesehen“, erinnert sich Bürgermeister Obernberger. Abwechslung verschafften Bruckmüller die rotarischen Freunde, deren Gründungsmitglied er in Kremsmünster war. Ihre Klubausflüge genoss er sichtlich, genauso wie deren Mittagstisch jeden letzten Freitag im Monat in Schlierbach. Nach der Scheidung von seiner Frau fand er für einige Jahre eine Lebensbegleiterin, seine letzten fünf Jahre verbrachte er allerdings alleine und kam nach Auskunft der Töchter ganz gut damit zurecht. 2009 zog er sich von der Firma zurück, mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, wie die Töchter beobachteten. Der neue Stil, der Abschied von der bisher üblichen Handschlagsqualität und letztlich der wirtschaftliche Schiffbruch setzten ihm sehr zu. Umso lieber ließ er sich zu Familientreffen seiner Töchter einladen, er genoss seine drei Enkelkinder und wurde „von Jahr zu Jahr lockerer und heiterer“, wie Familie und Freunde beobachteten. Unverzichtbar waren Bruckmüller die täglichen Essenszustellungen des Gasthauses Hüthmayr in Kremsmünster, dessen Stammgast er schon lange vor Corona war. „Der Herr Bruckmüller war so ein herzensguter und großzügiger Gast“, betrauert Wirtin Steffi Kopf seinen Tod. Für alle bleibt er als der stets gut gekleidete und freundliche Sir in Erinnerung, dem zuletzt ein ganz plötzlicher Tod beschieden war.




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