Suche
  • bert brandstetter

Harald Hosiner aus Seewalchen (1947 - 2020): Leidenschaftlicher Wanderer, Jäger und Großvater

Zu übersehen und vor allem zu überhören war Harald Hosiner schwer. Besonders die stets laute Stimme war das Markenzeichen des stattlichen Mannes, der sich nicht nur deswegen in seiner Heimatgemeinde und weit darüber hinaus großer Bekanntheit erfreute. Harald Hosiner unterhielt sich gerne mit den Menschen. Wenn es sein musste, tat er das auch über größere Distanzen hinweg, weil er ja laut zu sprechen gewohnt war. Geboren wurde er als Zwilling in Steyr. Er lernte Zahntechnik und wagte nach dem Abschluss gleich den Sprung nach Deutschland in ein Zahnlabor in Stuttgart. Diese Entscheidung bestimmte sein Leben, lernte er doch dort seine Kollegin Rosmarie kennen und lieben. „Als wir die kleine Wohnung bezogen, hat der Harald das neue Fernsehgerät anstatt mich über die Schwelle getragen“, erzählt sie. Doch anstatt zu heiraten ging Harald noch für ein Jahr nach Kapstadt in Südafrika: Wenn das unsere Liebe aushält, werde nachher Hochzeit gefeiert, habe er versprochen. Harald, schon damals gewohnt, Versprechen zu halten, kehrte zurück und heiratete seine Rosmarie. Im selben Jahr 1973 legte er in Baden bei Wien die Meisterprüfung ab und startete in einem Mietshaus in Seewalchen sein eigenes Zahnlabor. Zwölf Mitarbeiter zählten in den besten Jahren zu seinem Team, auch Lehrlinge wurden ausgebildet und die Firma Hosiner wurde zur gefragten Anlaufstelle für viele Zahnärzte bis 2015, als Harald Hosiner in Pension ging. Die berufliche Karriere ist aber nur die eine Seite in seinem Leben. Bald nach seiner Firmengründung knüpfte er intensivere Kontakte zur freiheitlichen Partei. Er lernte Jörg Haider kennen und ist den heutigen Parteistrategen ein Begriff. Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner schätzt Hosiner als „rührig, sympathisch, immer gut gelaunt und als einen, der gerade heraus sagt, was er sich denkt“. Das bestätigt seine Tochter Stefanie Kickinger: „Der Papa ist immer zu dem gestanden, was er gesagt hat. Er hat auch Fehler offen eingestanden, wenn er sich einmal geirrt hat“. In Seewalchen saß er bald im Gemeinderat, leitete die FPÖ-Fraktion, und er engagierte sich schon so wie in seiner Steyrer Jugendzeit wieder im Turnverein. „Beim 10. Landesturnfest in Vöcklabruck trug Harald die Turnfestfahne des ÖTB Oberösterreich“, schreibt der Turnverein in seinem Nachruf und erwähnt, dass Hosiner bis 2018 Bezirksobmann des Vereins war. Mit Schwiegersohn Jürgen Kickinger organisierte er über viele Jahre die Jahnwanderung. Gebraucht wurde Harald dabei abseits der Organisation vor allem als medizinischer Ersthelfer, der bei diesen mehrtägigen Märschen unzählige Blasen zu versorgen hatte. Als „Berufsjugendlicher“ wurde er von seinen Kameraden gerne bezeichnet, was sich mit dem trifft, was auch seine Familie an ihm so hochgeschätzt hat: „Papa war ungemein hilfsbereit und ihm war nichts zu blöd“, wie sich Tochter Stefanie erinnert. Hatte er Enkeldienst, konnte es schon passieren, dass er mit denen kurzerhand in das bayrische Legoland abbrauste. Ein anderes Mal ermöglichte er es den drei Kindern, in einem Kleidershop nach Lust und Laune einzukaufen, weil 50 % Rabatte angeboten wurden. Selbst ein mit Süßigkeiten übervoller Kofferraum kam zum Schulstart eines Enkels einmal vor. Viel Zeit widmete Hosiner der Jagd. Jagdfreunde, wie es einmal FPÖ-Landesgeschäftsführer Hubert Schreiner war, bekochte Hosiner auf seiner Hütte in Vorderstoder persönlich. Zu Weihnachten legte er den Weg zu den Futterstellen gerne mit Fackeln zurück, begleitet von seinen drei Kindern. Der dabei gefundene Christbaum wurde daheim gemeinsam aufgeputzt, was ihnen als liebgewordenes Ritual in Erinnerung bleibt. Natürlich wurde unter dem Lichterbaum auch gesungen, Harald sang am lautesten, aber laut der Erinnerung seiner Familie, leider „laut und falsch“. Die letzten beiden Jahre wurden für den starken Zigarrenraucher, leidenschaftlichen Genießer und strikten Alkoholverachter mühsam. „Er hat seine Beschwerden gern überspielt, blieb laut bis zum Schluss und musste erleben, dass vor wenigen Tagen seine Mutter mit 101 Jahren verstarb“, sagt Stefanie. Sein eigener Tod mag dem Corona-Virus zuzuschreiben sein, Haralds Körper war aber von vielen anderen Krankheiten bereits schwer geschwächt und nicht mehr widerstandsfähig.



105 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com