Suche
  • bert brandstetter

Georg Reichinger aus Aspach (1932 - 2021): Markante Figur aus dem Innviertel

Aktualisiert: Feb 19

„Wer sonst, wenn nicht der Kronthaler z´Migelsbach.“ So hieß es ziemlich einmütig in Aspach, als der damalige Bürgermeister Puttinger 1967 ganz überraschend nach nur einem Jahr Amtszeit verstorben war und ein Nachfolger gesucht wurde. Den Kronthaler kannte man, manche freilich allzu gut. Als junger Bursch war er unerschrocken in einer der beiden Aspacher Zechen aufgetreten und tatkräftig dabei gewesen, wann immer es eines Raufhandels bedurfte, um eine Sache zu klären. In früheren Zeiten zählten derartige Auseinandersetzungen vor allem im Innviertel eher zum Brauchtum. Großgewachsen und gewichtig wie der Kronthaler zeitlebens war, hatten es Kontrahenten nicht leicht mit ihm, dazu kam sein schlagfertiges Mundwerk. „Weil Reichinger schon damals bei nahezu allen Vereinen dabei war, wurde er wegen seiner guten rhetorischen Fähigkeiten gerne bei so manchen Anlässen als Redner eingesetzt, was ihm weitere Bekanntheit verlieh“, erklärt es sich Franz Ratzinger, der langjährige Amtsleiter, dass Reichinger damals so widerspruchslos als junger Bürgermeister eingesetzt werden konnte. Nach dem frühen Tod seines Vaters hatte er als 20-Jähriger zusammen mit seiner Mutter die 20 Hektar des elterlichen Hofes zu verwalten. Mit 24 führte er seine Anna aus Polling zum Traualtar, nach und nach war die Stube voll mit sieben Kindern. „Er war der Boss im Haus“, sagen die Kinder übereinstimmend, für sie alle war es eine Selbstverständlichkeit, der Mutter nach der Schule auf den Feldern zu helfen, weil der Vater viel unterwegs war. „Aber“, wendet Sohn und Hofnachfolger Karl, der in Aspach später Vizebürgermeister war, ein: „Der Vater hat geschaut, dass wir moderne Maschinen haben, um uns die Arbeit zu erleichtern“. In seiner Ortschaft Migelsbach war Reichinger bei der Feuerwehr, in Aspach bei der Union, im Bezirk Braunau leitete er die Jägerschaft und er war Bürgermeister. „Der Reichinger konnte mit den Großen und mit den Kleinen, er war immer sehr auf Ausgleich bemüht“, hebt der aktuelle Bürgermeister Georg Gattringer die Vorzüge Reichingers hervor, der aus vier folgenden Wahlkämpfen bis 1991 eindeutig als Sieger hervorgegangen war. Es waren oft visionäre Projekte, die er als Bürgermeister verfolgt hat und hinter denen die Aspacher großteils standen: der Badesee und die Umfahrung von Wildenau, der Volksschulneubau und die Sanierung der Neuen Mittelschule oder der Kauf des Areals der ehemaligen Brauerei Hofmann, das jetzt das Gemeindezentrum bildet. Nicht zu vergessen die Erneuerung des Sportplatzes. Dort ließ sich Reichinger als Mitglied der Union und als Fan der Aspacher Fußballer besonders gerne sehen. Kaum ein Spiel hat er ausgelassen, er feuerte die Spieler enthusiastisch an und „immer am Montag versammelte er die Fans auf der Gemeinde, um die Spiele vom Wochenende fachmännisch zu analysieren“, erinnert sich Franz Ratzinger. „Dabei war er auf dem Amt immer väterlich, vertrauensvoll, der aber genau gewusst hat, was er will. Auch für uns war er wie bei ihm daheim der Boss“. Wann immer es ihm möglich war, fuhr er in seinem grünen Jeep in den Wald. „Meistens ohne irgendetwas schießen zu wollen, aber um zu schauen“, wie Sohn Karl erzählt. Natürlich aber war er auch bei allen Jagden dabei. „Oft kommandierte er seine Jagdkollegen schon aus dem Auto. Nachfolger Gattringer erinnert an seine unvergessenen Zurufe: „Wo rennst denn scho wieder umeinander, siegst leicht dös Reh net?“ Am Abend vieler solcher Jagdtage war die Bauernstube beim Kronthaler in Migelsbach voll mit Jägern, die Gattin Anna wie selbstverständlich mit Speis und Trank versorgte. Wie überhaupt die Gastlichkeit eine große Rolle bei ihm spielte. „Am Heiligen Abend war es am Nachmittag Brauch bei uns, dass die ganze Verwandtschaft mit den 16 Enkerln und sechs Urenkerln kam und mit Bratl, Kuchen und Keks versorgt wurde. Das war dem Vater bis zum Schluss wichtig, oft waren da 50 Leute im Haus“, berichtet Karl. Reichinger senior selbst hielt sich beim Essen am liebsten an Süßigkeiten. Legendär war in Aspach seine regelmäßige Order zum Trinken: „A Spezi, versteht si!“. Vor 13 Monaten wurde er bettlägerig, konnte aber mit pflegerischer Unterstützung daheim bleiben und friedlich sterben.



59 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com