Suche
  • bert brandstetter

Mag. Günter Sommerer aus Ohlsdorf (1938 -2020): Geistlicher Herr mit Kindern und Enkelkindern

Nicht studieren zu dürfen, war Günter Sommerer von Jugend auf ein Ärgernis. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in seiner Familie mit den vier älteren Geschwistern haben das allerdings nicht zugelassen. Im Fall von Günter Sommerer war der Wunsch nach einer intensiveren Ausbildung bloß aufgeschoben. Zur Welt kam Günter in Laakirchen. Weil seine Mutter ständig krank war, verbrachte er die ersten beiden Lebensjahre bei seiner Oma in Pulkau in Niederösterreich. Seine Rückkehr zur leiblichen Familie nach Ohlsdorf muss ihm schwer gefallen sein, es waren für ihn fremde Menschen. Nach der 4. Klasse Gymnasium in Gmunden trat Günter eine Drogistenlehre an, war Labor-Praktikant in Steyrermühl und später Drogist in einer Linzer Drogerie. Weil er schon damals extrem lernbegierig war, belegte er einen Kurs als Buch- und Kassenführer, nach dem er in seiner ursprünglichen Heimatstadt Pulkau Raiffeisen-Kassenleiter wurde. Bei der Verlobung seines Bruders lernte er die Schwester der Braut näher kennen, 1963 heiratete er seine Juliana, genannt Lilly und zog zum zweiten Mal an den Traunsee. Mit Christa und Max kamen zwei gesunde Kinder zur Welt, mit ihnen lebte er seine künstlerische Ader aus, erzählte viele Geschichten und spielte mit ihnen Theater. Tochter Christa Sommerer, eine international tätige Professorin der Medienkunst, verdankt dieser Zeit ihre Berufung: „Ganz sicher hat meine Begeisterung für die Kunst in dieser Zeit begonnen“. Beruflich lernte Sommerer zwei weitere Banken kennen, bis er 1972 bis zur Pensionierung wieder für Raiffeisen aktiv war, diesmal als Bankdirektor in seinem Wohnort Ohlsdorf. Sein Verlangen nach einer gründlichen Weiterbildung war damit trotz aller Arbeit nicht gestillt und auch die Matura für Berufstätige an der HAK in Vöcklabruck (1980) verschaffte ihm nicht die nötige Befriedigung. In Ohlsdorf engagierte sich Günter eine Zeit lang als Gemeinderat, vor allem entdeckte er ab 1988 den Wallfahrtsort Medjugorje. „Er war sicher 30 mal dort und kam immer ganz begeistert nach Hause“, sagt seine Frau Lilly, der Ruhepol seiner Familie. Seinen Spruch „du machst das eh“, hat sie mehr als einmal gehört. Eine Folge dieser Begeisterung war der Entschluss, sich zum Diakon ausbilden zu lassen, 1997 wurde er von Bischof Maximilian Aichern in Ohlsdorf geweiht, das war ein Jahr vor seiner beruflichen Pensionierung. Und wieder meldete sich in Günter Sommerer der Wunsch nach einer noch intensiveren Ausbildung. Logischerweise bot sich die Theologie als Studium an. Der tägliche Weg von Ohlsdorf nach Linz schien ihm zu aufwändig, weshalb er im Priesterseminar ein Studentenzimmer bezog und die nächsten Jahre nur an den Wochenenden heimfuhr. Alois Beck, damals ebenfalls Seniorstudent, erinnert sich an seinen Kollegen als sehr angenehmen und ernsthaften Kommilitonen: „Auch wenn Günter selbst eher konservativ eingestellt war, interessierte er sich für die Meinungen der anderen und versuchte niemanden zu bekehren.“ Als Magister der Theologie hatte Günter Sommerer endlich seine erträumten akademischen Ehren erreicht, der intensive Einsatz für die Pfarre Ohlsdorf ließ ihm keine Zeit, das vielleicht noch erträumte Doktorat anzustreben. „Er war ja unerhört engagiert und hat so gut gepredigt“, sagt die in Ohlsdorf ansässige Jägerstätter-Forscherin Erna Putz. In ihrem Kondolenzschreiben an die Familie schreibt sie, „solche Menschen sollte man zu Priestern weihen“. Neben seiner pfarrlichen Arbeit setzte sich Sommerer gemeinsam mit seiner Lilly für drei Pfarren in Bosnien-Herzegowina ein. Immer wieder organisierte er Hilfstransporte, unterstützt von Raiffeisen und der Ohlsdorfer Firma Asamer. „Bei einem dieser Transporte wurden wir in der Nähe von Belgrad vom Militär unter vorgehaltenen Waffen gestoppt und untersucht, zum Glück fand auch das ein gutes Ende“, erinnert sich Lilly. Gemütlicher waren die Ausflüge der beiden in sein geliebtes Pulkau, wo auf seinem Grundstück ein Marterl steht, dessen Instandhaltung ihm ein großes Anliegen war. „Daher haben wir es auf seinem Sterbebild abgebildet“, sagt Lilly, die ihren Mann auch die letzten 15 Jahre treu begleitet hat, in denen er oft und oft sterbenskrank war. 2017 ging der „Geistliche Rat“ als ehrenamtlicher Diakon in Pension und fand trotz aller Einschränkungen noch Riesenfreude an seinen sechs Enkelkindern.


97 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com