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Fritz Aufreiter aus Linz (1931 - 2019): Ersatzvater für viele Geschwister und deren Kinder

Gut möglich, dass in so mancher Pfarrhof- oder Wirtshaus-Küche nach wie vor ein Herd die Speisen wärmt, dessen Kochplatte Fritz Aufreiter verkauft hat. Wann immer es möglich war und geboten schien, stattete der damalige ÖVP-Chauffeur während der Wartezeit auf Landespolitiker wie Heinrich Gleißner, Erwin Wenzl, Gerhard Possart oder Josef Ratzenböck gerne den Pfarrersköchinnen und Wirtinnen einen Besuch ab, was nicht selten mit einem Geschäftsabschluss endete. Fritz Aufreiter vertrieb im Nebenjob mit Leidenschaft den Verkauf moderner Herdplatten. Eigentlich war der aus Lest zwischen den Gemeinden Neumarkt und Kefermarkt stammende Bursch KFZ-Mechaniker. Nach einem schweren Verkehrsunfall versuchte er sein Glück in der Grobblechbearbeitung der Voest. Dort kam es zu einem schweren Arbeitsunfall, der seine rechte Hand in Mitleidenschaft zog. Die Anstellung als Chauffeur bei der Landes-ÖVP öffnete ihm eine neue Perspektive.

Fritz Aufreiter stammt aus einer Familie mit acht Kindern. Allesamt übersiedelten von Lest nach Linz, wo Vater Karl bei den ÖBB einen Job fand. Der 2. Weltkrieg verjagte die Familie von der Dienstwohnung am Keißlerplatz wegen der zu großen Bombengefahr nach Thalheim bei Wels. Fritz war in dieser turbulenten Zeit neben seinem Vater zum Ersatzvater seiner Geschwister geworden. In Erinnerung sind noch seine täglichen Kontrollen, ob sich alle vor dem Schlafengehen auch die Füße gewaschen hatten, wie sich Bruder Helmut Aufreiter erinnert. Der Verkauf von Herdplatten war dem geschäftstüchtigen Fritz bald zu wenig. Weil der Bedarf in den späten 1960-er Jahren vorhanden war, verkaufte er auch Garagentore, Fenster und Türen. Damit machte er sich mit einem Geschäftslokal in der Linzer Mozartstraße zum selbständigen Unternehmer. „Der Fritz hat aus Nichts was gemacht,“ beschreibt ihn Peter Casny, der Gatte einer Nichte treffend. Ihm treu zur Seite stand dabei bereits die aus Luxemburg stammende Gattin Ria. Nach und nach konzentrierte sich die kleine Firma auf die Sanierung von Immobilien. Die Lederfabrik im Urfahraner Haselgraben verdankt ihre jetzige bauliche Existenz Fritz Aufreiter. „Onkel Fritz“, wie Aufreiter im Familienkreis genannt wurde, war selbst kinderlos. Umso intensiver kümmerte er sich um seine 13 Nichten und Neffen. Gemeinsame Ausflüge, weiters viele köstliche Mehlspeisen bleiben denen unvergessen. Äußerst wichtig war Aufreiter ausreichend viel gutes Essen. Sein Telefonbuch sei voller Adressen guter Gasthäuser mit Hausmannskost, sagt Neffe Gerhard Zettler. Wobei er dann wieder streng nach den Regeln der heiligen Hildegard von Bingen zu leben versuchte und darüber sogar Vorträge hielt. Augenzwinkernd wich er davon aber auch immer wieder ab, etwa beim weihnachtlichen Keksmarathon. Wichtig war Aufreiter das geistige Leben. Fest verwurzelt in der ehemaligen Linzer Kapuzinerpfarre trat er dort als „großzügiger Mitarbeiter bei Bauarbeiten und als Spender auf“, erinnert sich der damalige Pfarrer Franz Fink. Aufreiter stellte auch seinen Mann, als seine Gattin zunehmend mehr Pflege brauchte und er diesen Dienst bis zu ihrem Tod versah. Geholfen hatte ihm dabei seine spätere zweite Gattin Jutta, mit der er seinen Lebensabend in Gramastetten verbrachte.



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