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Friedrich Blaimschein aus Eferding (1939 - 2020): Große Liebe zu Mensch und Natur

Kirchliche Feste wie das vergangene Weihnachten auch daheim stilgerecht zu feiern, war ganz nach dem Geschmack von Friedrich Blaimschein. Schon Wochen vor dem Fest begann er mit der genauen Vorbereitung, suchte Texte und Lieder aus, verteilte die Rollen unter den Familienmitgliedern und überließ nichts dem Zufall. So hielt er es bei allen Geburtstagsfeiern oder zu Allerheiligen, wann immer die wachsende Familie zusammenkam und das war oft der Fall bei den Blaimscheins. Gut möglich war das in ihrer Familie, weil sich niemand je an einen Streit zwischen den Eltern erinnern kann. Fritz und Helga waren die große Liebe, und das fast 60 Jahre lang. Kennen gelernt hatten sich die beiden in Linz, nachdem sie endlich die harte Zeit des Internates hinter sich gebracht hatten. Bei Fritz waren es die Aufbaumittelschule in Unterwaltersdorf und dann das Gymnasium in Hollabrunn. Was er sich aus der Zeit aber mitnahm, war abgesehen von eiskalten Schlafsälen so manche lebenslange Freundschaft, sein gutes Gefühl für stimmige Feiern und die Gepflogenheit, vor jedem Essen ein Tischgebet zu sprechen. Nach der Matura landete Fritz in Linz als Prokurist bei der damaligen Firma Ehrenletzberger, bei der Sparkasse und als Schalterbeamter am Postamt 1. In dieser Zeit traf er auf seine Helga, die ihre Erfahrungen im Internat der Schulschwestern in Freistadt mit ihm teilen konnte. Martin, Birgitta und Susanne heißen ihre Kinder, ihr erstes gemeinsames Zuhause war eine Wohnung in der Neuen Heimat, wo sich ihre Eltern stark pfarrlich engagierten, einer Familienrunde angehörten und Fritz in einer Männerschola sang. Fritz selbst hatte seinen leiblichen Vater nie kennengelernt und wuchs mit seiner innig geliebten Mutter, die wieder heiratete und zwei weitere Kinder bekam, in Sipbachzell auf. Für Fritz waren sie vollwertige Geschwister, zu denen er sein ganzes Leben lang eine herzliche Beziehung pflegte. Wie überhaupt Friedrich Blaimschein Menschen, mit denen er in näheren Kontakt trat, nicht nur herzlich und auffällig wertschätzend behandelte, sondern auch versuchte, die Kontakte zu erhalten. Traten Konflikte auf, erwies sich Blaimschein als ausgleichend und auf Versöhnung bedacht. „Natürlich gab es bei uns Meinungsverschiedenheiten“, erklärt Sohn Martin, „unser Vater trat dabei immer sofort in die Diskussion ein. Seine Argumente waren sachlich, offen und wertschätzend. Prallten zwei Meinungen aufeinander, half unsere Mutter als Vermittlerin“. Sein Bemühen, seine drei Kinder gerecht zu behandeln, führte nach einigen fehlgeschlagenen Erziehungsversuchen dazu, dass er sie individuell unterstützte, was „von einer großen Liebe und geistigen Flexibilität zeugt“, wie Tochter Birgitta feststellt. 1977 bot sich Blaimschein, der zuletzt beim Land als Gemeindeprüfer tätig war, die Chance, in Eferding Stadtamtsleiter zu werden. Er sagte zu und übte das Amt bis zu seiner Pensionierung 1999 aus. Der damalige Stadtrat Hans Stadelmayr beschreibt ihn als „immer angenehm und für alle Seiten offen“. Als Gerechtigkeitsfan ließ ihn seine Position an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung mitunter beinahe verzweifeln, vertraute er seiner Familie an. Von klein auf drängten die Blaimscheins ihre Kinder, wann immer es möglich war, „raus aus der Stadt“. Wandern, Bergsteigen, Schifahren standen hoch im Kurs, mit dabei in vielen Fällen Kinder und Freunde aus der Nachbarschaft oder aus der Familienrunde. Die Naturverbundenheit prädestinierte Fritz 1978 als Obmann des Alpenvereins in Eferding, wo er sich sowohl als Tourenführer, etwa auf den Großglockner, als auch als Spezialist für seltene Alpenblumen einen Namen machte. Das Amt des Obmanns gab er 20 Jahre später an Franz Auer ab und er war stolz darauf, die Mitgliedschaften verdoppelt zu haben. War er nicht auf Bergen unterwegs, interessierte sich Fritz Blaimschein für die Kultur. Dass seine Tochter Susanne als Obfrau des Festivals der Regionen beruflich kulturell verankert war, traf sich bestens. Als das Festival 2013 in Eferding Station machte, war Blaimschein ein wichtiger Berater im Hintergrund, weil er sich abgesehen von seiner Liebe zu Zahlen sehr für das „dahinter“ interessierte und viel über Menschen, Geschichte und Politik wusste. Dass man ihn mit seiner Helga, die in Eferding Stadtbibliothekarin war, oft in Konzerten, bei Lesungen oder im Theater sah, mag nicht verwundern. Genauso wenig wie deren Interesse für andere Länder, die sie bei vielen Reisen studierten. Onkel und Opa Fritz spielte gern den Gastgeber, versuchte dabei manchmal Witze zu erzählen (was er nach Ansicht seiner Familie wirklich schlecht konnte), er liebte seine Nachkommen und deren Partner und schied nach kurzer, schwerer Krankheit überraschend schnell aus dem Leben.



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