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Berthold Brandstetter aus Neumarkt i.M. (1919-2018): Friedliches Leben nach einem grauenhaften Krieg

Aktualisiert: Feb 5

Es waren die grauenhaften Erlebnisse im 2. Weltkrieg, die das Leben des fast 100 Jahre alt gewordenen Mannes begleiteten. Mit 20 wurde er eingezogen und er dürfte geahnt haben, was ihm bevorstehen wird. Sein Stiefvater hatte ihm genug erzählt von den Grauen eines Krieges, denen er im 1. Weltkrieg ausgesetzt war. Deutschland, Frankreich, Russland: das waren die Länder, die der junge Wehrmachtsoldat Krieg führend zu durchstreifen hatte. Die vielen lebensgefährlichen Detonationen brannten sich in seine Seele ein, was er Jahre später noch als schreckliche Albträume neuerlich zu erleben hatte. Irgendwie ging alles gut, nach dem Krieg stellte sich für den ungelernten Bauernbub die Frage nach der beruflichen Zukunft. Er trat in die Gendarmerie ein und begann seinen Dienst in Liebenau. Dort lernte er das Mädel von der Post, Stefanie Ruml kennen. Das damals übliche Ansuchen bei seinem Dienstgeber, die junge Dame heiraten zu dürfen wurde bewilligt und eine junge Familie war gegründet. Der fleißige Junggendarm bildete sich weiter und wurde als Postenkommandant nach Neumarkt im Mühlkreis berufen, wo sich zu den Kindern Annemarie und Berthold auch noch Reinhard gesellen sollte. Die kleine Wohnung erforderte größeren Lebensraum und bald konnten die Fünf in ein bescheidenes, aber im Vergleich zur früheren Bleibe luxuriös erscheinendes Heim ziehen. Auf dem Posten sollte über Jahrzehnte mit den Kollegen Gottfried Edelmayr und Josef Hell zusammen arbeiten. Den Gendarmeriedienst führte das Trio korrekt, aber mit Augenzwinkern durch. Anstatt zu strafen, wurden Verkehrssünder mit lauter Stimme beschimpft, Brandstetter erachtete Missachtungen der öffentlichen Ordnung oft als persönliche Beleidigung. Seine Herkunft von einem Bauernhof konnte und wollte er nie verleugnen. So arbeitete er in der Freizeit oft und gerne beim Mayrwöger mit. Später, als er schon pensioniert war, wurde Glasermeister Josef Gstöttenbauer sein Partner. Ihm half er, neue Projekte auszumessen und er war auch dabei, als es galt, schwere Glasplatten zu schleppen. Liebend gerne betätigte er sich daneben als Hausmeister bei Sohn Berthold, der ebenfalls in Neumarkt wohnte. Dessen vier Söhne, anfangs aber auch Schäferhund Kyon waren der Anlass, dass Brandstetter täglich mindestens einmal zu Besuch kam, den Hund ausführte, mit den Enkeln spielte, die Blumen spritzte oder die eine oder andere Reparatur durchführte. Urlaubsreisen gab es nie, auch von irgendwelchen aufwändigen Hobbys ist nichts bekannt, bis auf die Bienen natürlich. Aber deren „Ertrag“ floss ja wieder der eigenen Familie zu. Gerne traf sich Berthold Brandstetter in den letzten Jahren mit dem Tierarzt-Ehepaar Burgstaller, den Schwiegereltern seines Sohnes Berthold zum Rommeyspielen, große Freude hatte er mit der Entwicklung seiner Nachkommen: 10 Enkelkinder und drei Urenkel erlebte er noch mit, bevor sich sein Geist ab den späten 1980-er Jahren zu verdunkeln begann. Eine lange andauernde Demenzerkrankung erlaubte ihm die bewusste Teilnahme am gemeinsamen Leben nicht mehr, zwei Pflegerinnen ermöglichten ihm aber, in seinem Haus bleiben zu können, bis er knapp 100-jährig verstarb.



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