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  • bert brandstetter

Friederika Janko aus St. Leonhard (1923 -2020): Kochende Legende im Mühlviertel

Es klingt nach einer beachtlichen Karriere, bezogen auf die zu Ende gehenden 1940-er Jahre: die in Liebenau geborene 24-jährige Tochter eines nach St. Leonhard gezogenen Mühlviertler Kleinbauern heiratet den Gastwirt Josef Janko und zieht mit ihm in das prominente Wirtshaus Janko: Von Marktplatz 14 auf Marktplatz 1. Dort regiert bis dahin ihre Schwiegermutter Therese als allseits anerkannte Respektperson. Ob die Neue das wohl auch könne, wird rundherum gefragt. Frieda spürt die Skepsis, die ihr entgegenschlägt, bereit und willens, es allen zu zeigen. Ein weiteres Hemmnis ist die Armut der Nachkriegszeit, in der es an allem fehlt. Wirtshäuser waren wichtiger denn je, um dem Land wieder fröhliche, unbekümmerte Stimmung zu geben. Frieda stellte sich der Herausforderung. Küche und Gaststube werden zu ihrem Reich, das nie geschlossen hat. In diesem Reich wachsen sechs Kinder auf, nach den Geburten fällt die junge Wirtin nur wenige Tage aus und lehrt ihre Kinder auch darüber hinaus „Einsatz, Ausdauer und Disziplin“, wie Siegbert, ihr Erstgeborener sagt. Von klein auf sind er und seine Geschwister ins Wirtshausgeschehen eingebunden und mit verschiedenen Aufgaben betraut. Die Stammgäste werden zu Miterziehern, ob deren pädagogische Ratschläge nun gefragt sind oder nicht. Frieda hat es bald geschafft, alle Skeptiker von ihren Kochkünsten zu überzeugen. Jeder Gast „muss“ ja das beste Essen serviert bekommen, was sich herumspricht. Als legendär wird Friedas Schweinebraten gerühmt und dabei wieder die geriebenen Knödel. „Oder ihr herrliches Beuscherl“, ergänzt Stammgast Reinhard König, der sich gut an die „strenge Wirtin“ erinnert. Umwerfend auch ihre Rahmsuppe zuvor. Sommerfrischler schwärmen jedenfalls von der herrlichen Hausmannskost und von der gemütlichen und persönlichen Atmosphäre im Gasthaus Janko und es gilt als ganz besondere Auszeichnung, wenn jemand eines von Friedas Kochrezepten aus ihrem Mund verraten bekommt. Das Lob freut Frieda und spornt sie an. Die Chefin verlangt von ihren Mithelfern vollsten Einsatz, um den guten Ruf zu halten, beziehungsweise auch, um den jungen Mitarbeiterinnen ein guter Lehrbetrieb zu sein. Die resche Janko-Wirtin entwickelt sich aber auch zur Psychologin von St. Leonhard. Sorgen und Nöte von Stammgästen nimmt sie gerne auf und sie weiß oft guten Rat. So gilt sie bis ins hohe Alter als „DAS“ Lexikon von St. Leonhard. Details über die Entwicklung der Gemeinde, Namen und Geburtsjahre von Bürgern sind bei ihr abfragbar. 1976, Frieda ist erst 53, stirbt ihr Mann, zuletzt Raika-Kassenleiter in St. Leonhard. Ohne seine Stütze muss sie jetzt Betrieb und Familie alleine meistern. In Sohn Gottfried sieht sie einen interessierten Nachfolger heranwachsen, dem sie 1986 das Gasthaus, aber noch nicht die Küche übergibt. Sie trägt dessen bauliche Veränderungen am Gasthaus mit, bloß den halbtägigen Sperrtag versteht sie nicht. Kaum ist der Juniorchef außer Sicht, sperrt sie das Wirtshaus wieder auf, „weil ich ja eh da bin“, wie sie argumentiert. Frieda ist über 70, als sie sich auch von der Küche trennt, aber nicht, um sich zur Ruhe zu setzen. Endlich findet sie Zeit für Spaziergänge. Ohne Stock umrundet sie täglich den Predigtberg in flottem Schritt in einer Stunde und hält sich dadurch fit. Fixpunkt dabei ist ein Stopp bei der Bründl-Kapelle, wo sie sich mit dem angeblich wundertätigen Wasser beträufelt und bei der von ihr sehr verehrten Gottesmutter für ihre Nachkommen betet. Als sie nach einer Operation einmal zwei Wochen Bettruhe verordnet bekommt, trainiert sie im Spital mit ihren Besuchern das Stiegensteigen, um danach wieder ihre gewohnten Runden drehen zu können. Kartenspielen, Rätsel lösen und der Dorftratsch gehören fast bis zum Schluss zu ihrem Tagesritual. Glücklich und zufrieden, dass aus allen sechs Kindern und den fünf Enkelkindern etwas geworden ist, schließt sie am 9. August die Augen für immer.



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