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  • bert brandstetter

Frieda Kirchberger aus Hofkirchen im Mühlkreis (1938 - 2020): Die gute Seele vom Autohaus

Franz Thaller gerät noch heute ins Schwärmen, wenn er vom Kaffeehaus erzählt, das seine Schwester Frieda im Autohaus Kirchberger betrieb. „Sie hatte immer eine gute Jause mit großen, belegten Broten parat. Wein und Bier gab es auch und natürlich einen guten Kaffee“. Während im Untergeschoß des stattlichen Gebäudes mit Autos gearbeitet und gehandelt wurde, regierte Frieda oben in ihrem Kaffeehaus. „Dort oben stand sogar meine Gehschule“, sagt Tochter Christa Winkler-Kirchberger, die natürlich noch den guten Kaffeeduft, aber auch den Geschmack der Kuchen sowie den Wurlitzer in Erinnerung hat, der dort stand und spielte. „Bei der Frieda kamen auch Vereine zu verschiedenen Feiern zusammen“, ergänzt Franz Thaller. Das Kaffeehaus war die eine „Spielstätte“ der Frieda Kirchberger. Als Gattin eines der drei Geschäftsführer des Autohauses „Gebrüder Kirchberger“ hatte sie auch im Stock darunter mitzureden, was mitunter dringend nötig war. Wann immer Probleme auftraten, lag es an Frieda, die Situation zu beruhigen. Wie eine gelernte Mediatorin habe sie viele Eskalationen befriedet, „weil sie eben mit allen Leuten umgehen konnte“, wie Alois Neundlinger berichtet, der über 40 Jahre in der Firma Kirchberger war und als Werkstattleiter in Pension ging. Er kennt Friede Kirchberger länger als irgendjemand sonst. „Wir zwei sind schon miteinander in der gleichen Klasse gesessen und sie war immer eine ganz geschickte“. Später, als Lois die Frieda als Chefin über sich hatte, genoss er ihre Rolle als „gute Seele der Firma“. Die dritte und sicher nicht die unwichtigste der vielen Seiten von Frieda Kirchberger war die Familie. Vier Kinder hatte sie mit ihrem Mann Adolf und alle haben einen respektablen Weg gemacht, den Frieda mit Interesse und Freude verfolgte, den sie aber auch nach Kräften unterstützte. „Immer war sie positiv und aufbauend, sie konnte wirklich gut motivieren“, sagt Tochter Christa, die als Kinder- und Jugendanwältin arbeitet. Bei Konflikten verstand sie es, andere Positionen einzunehmen, oft gehört war dabei ihr Satz: „Das darfst du nicht so eng sehen“. Ähnlich der Hofkirchner Bürgermeister Martin Raab: „Frieda hatte das Talent, Probleme von der menschlichen Seite her zu bewerten und Lösungsvorschläge einzubringen“. Ihrem ausgeglichenen Wesen dürfte es zuzuschreiben sein, dass sie fünfmal erfolgreich als Tauf- oder Firmpatin angefragt wurde. Als sich dann die Zahl ihrer Enkelkinder auf 10 erhöhte, war das die Perfektion schlechthin. In ihrer eigenen großen Familie erfüllte sich ihr Wunsch als junges Mädchen, einst Lehrerin zu werden. Das wussten ihre Eltern zwar zu verhindern, nach Frieda galt es immerhin vier weitere Kinder zu versorgen, eine kaufmännische Lehre mit Abschluss ging sich aber bei ihrem Onkel in Sipbachzell gut aus. Frieda war 20, als ihre kleine Schwester Hermine ein Fahrrad brauchte. Klar, dass sie mit diesem Auftrag zum jungen Schlosser Adolf Kirchberger kam, der gerade einen Fahrzeughandel aufbaute. Aus dem Kontakt wurde Liebe, der 1962 zur Hochzeit führte. Eine vierte Seite Friedas war die Botanik. Blumen bedeuteten ihr alles. Besucher des Autohauses kamen daran nicht vorbei, weil neben den Autos immer auffällig schöner Blumenschmuck zu sehen war. Später lebte sie diese Leidenschaft im Garten ihres Landhauses in Hehenberg bei Rohrbach aus, wo sie vor allem in den letzten Jahren viel Zeit mit ihrem Mann verbrachte, nachdem das Autohaus 2009 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten in andere Hände übergeben werden musste. Neben den Blumen waren es zahllose Keramikteller aus aller Welt, die Platz finden mussten in Friedas Reich. Mitgenommen wurden sie bei vielen Reisen in alle Erdteile, die sie als ehemals erfolgreiche Opel-Händler besichtigen durften. Als sich ihr körperlicher Zustand zu verschlechtern begann, kümmerte sich Adolf liebevoll um sie, solange es ging. Das letzte halbe Jahr verbrachte Frieda im Altenheim Lembach, oft und viel besucht von den vielen Freunden und Verwandten, die sie in ihren guten Tagen gern und viel um sich geschart hat.


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